An diesem Tag

Adolf Loos

Österreichischer und tschechischer Architekt und Architekturtheoretiker

Anúncio

Adolf Loos (* 10. Dezember 1870 in Brünn, Mähren, Österreich-Ungarn; † 23. August 1933 in Kalksburg bei Wien, heute Teil von Wien) war ein österreichischer und tschechoslowakischer Architekt, Architekturkritiker und Kulturpublizist. Er gilt als einer der Wegbereiter der modernen Architektur.

Adolf Loos wurde in Brünn 1870 als Sohn des Steinmetzen und Bildhauers Adolf Loos (1831–1879) geboren, von dem er nicht nur seine künstlerische Begabung, sondern auch seine Schwerhörigkeit erbte. Nach dem frühen Tod des Vaters führte seine Mutter, Marie Loos, den Steinmetz-Betrieb in der Friedhofgasse in Brünn weiter. Ab 1880 wechselte Adolf Loos mit schlechten Sittennoten von Gymnasium zu Gymnasium. Am Stiftsgymnasium Melk etwa blieb er nur ein Jahr, aufgrund schlechtester Noten in Zeichnen und Betragen weigerte man sich dort, ihn erneut aufzunehmen. Nach dem Besuch der k.k. Staatsgewerbeschule in Reichenberg, Böhmen, ab 1885 schloss er 1889 die k.k. deutsche Staatsgewerbeschule in Brünn mit der Matura ab. Danach studierte er, vom Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger unterbrochen, 1890 bis 1893 an der Hochbauabteilung der Technischen Hochschule in Dresden, nachdem er zuvor kurze Zeit an der Akademie für angewandte Kunst Wien studiert hatte. Während seines Studiums wurde er 1891 Mitglied der Burschenschaft Cheruscia Dresden, aus der er 1892 jedoch wieder austrat.

Adolf Loos war dreimal verheiratet: von 1902 bis 1905 mit der Schriftstellerin und Schauspielerin Lina Loos (geb. Obertimpfler, 1882–1950), von 1918 bis 1926 mit der Tänzerin Elsie Altmann (1899–1984) sowie 1929 bis 1931 mit der Fotografin Claire Beck (1905–1942). Nach seiner ersten Ehe verband ihn eine langjährige Beziehung mit der englischen Tänzerin Elisabeth „Bessie“ Bruce (1886–1921), die ab 1905 in Wien auftrat. Ab 1910 war sie in Les Avants in der Schweiz in Tuberkulosebehandlung.

Nach dem Zerfall der Doppelmonarchie 1918 hatte Adolf Loos durch seine Brünner Herkunft die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft erhalten. Nach Angaben seiner Frau Claire optierte er jedoch vorerst für Österreich. Erst Jahre später wurde er demnach tschechoslowakischer Staatsbürger, unter Beibehaltung der österreichischen Staatsbürgerschaft. Schon vor dem Krieg bemühte er sich, um sich leichter von Lina scheiden lassen zu können, vergeblich, die ungarische Staatsbürgerschaft zu erhalten.

Auf vielen Fotos und auch Zeichnungen sieht man Loos aufmerksam, wenn auch anscheinend mühsam zuhörend, die Hand hinter dem linken Ohr. Loos war seit seiner Kindheit schwerhörig und verlor im mittleren Alter seine Hörkraft vollständig. Er ließ sich dadurch allerdings nicht in die Isolation zwingen. Der extrovertierte Gesellschaftsmensch vereinsamte erst, als ihn ein Nervenleiden in den Rollstuhl zwang.

Loos war Hobbyschachspieler, er nahm an einem Simultan gegen Schachmeister Friedrich Sämisch in Brünn teil und beteiligte sich am Schachleben im Wiener Café Central.

Loos starb im Sanatorium Kalksburg bei Wien im Alter von 62 Jahren, wo er mit einer Krankenschwester befreundet war, die er dem Vernehmen nach heiraten wollte. Er ruht in einem Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 0, Reihe 1, Nummer 105). Den Grabstein hatte er selbst entworfen. Das Grab wurde 2012 von einem Ehrengrab zu einem Historischen Grab umdeklariert.

Nach Adolf Loos wurde am 24. Juni 2002 der Asteroid (19129) Loos benannt.

Beruflicher Werdegang und Bedeutung für die Architektur

Nur mit einem Schiffsbillet und 50 Dollar in der Tasche reiste Loos 1893 in die USA, wo ein Bruder seines Vaters lebte, und hielt sich bis 1896 dort auf. Er schlug sich mit verschiedenen, vorwiegend handwerklichen Berufen durch, als Hilfsarbeiter, Tellerwäscher, Musikkritiker und erst im letzten Anwesenheitsjahr als Möbelzeichner und Architekt. Typisch für ihn war, dass er sich vor seiner endgültigen Heimkehr nach Wien in London neu mit moderner, eleganter, kostspieliger Kleidung einkleidete.

1896 ließ er sich endgültig in Wien nieder. Dort begann er seine Tätigkeit als Journalist und Architekt. Trotz eines gewissen Einflusses von Otto Wagner gilt Loos als energischer Gegner des Jugendstils, insbesondere seiner österreichischen Variante, der Wiener Secession. Adolf Loos war ein scharfer Kritiker der angewandten Kunst und aller zeitgenössischen Ideen, die Kunst in Gestalt des Kunstgewerbes mit dem Alltag zu versöhnen, also Gebrauchsgegenstände in besonderer Weise künstlerisch zu gestalten. Er grenzte sich damit insbesondere von den Künstlern der Wiener Werkstätte ab, die seit 1903 eine Verbindung von Alltag und Kunst umzusetzen versuchten.

1904 besuchte er erstmals die Insel Skyros und wurde mit der kubischen Architektur der griechischen Inselwelt konfrontiert.

Loos’ berühmteste Schrift ist der Vortrag Ornament und Verbrechen (1910). Darin wird argumentiert, dass Funktionalität und Abwesenheit von Ornamenten im Sinne menschlicher Kraftersparnis ein Zeichen hoher Kulturentwicklung seien und dass der moderne Mensch wirkliche Kunst allein im Sinne der bildenden Kunst erschaffen könne. Ornamentale Verzierungen oder andere besondere künstlerische Gestaltungsversuche an einem Gebrauchsgegenstand seien eine ebenso unangemessene wie überflüssige Arbeit:

heißt es dazu an anderer Stelle.

Stattdessen plädiert Loos für die Verwendung edelster Materialien, soweit die Anmutung von Sinnlichkeit und Reichtum erzielt werden soll, wie etwa in den Innenräumen seiner Villenbauten. Als sinnlose menschliche Kraftvergeudung beurteilt Loos auch die zeitgenössischen kunstgewerblichen und architektonischen Reformbewegungen und kommentiert die Gründung des Deutschen Werkbundes 1908 in zwei spöttischen Essays unter den Titeln Die Überflüssigen und Kulturentartung.

Adolf Loos war eng mit Künstlern wie Arnold Schönberg, Oskar Kokoschka, Peter Altenberg und Karl Kraus befreundet (er war Altenbergs und Kraus’ Taufpate), für deren Werke und Erfolg er sich entsprechend leidenschaftlich engagierte. Der Avantgardismus und die Radikalität seines künstlerischen Schaffens fernab jeder Anerkennung beim zeitgenössischen Publikum führte bei Loos zur Forderung, die Gestaltung der alltäglichen Gebrauchsgegenstände einschließlich der Architektur nicht mit dem Ethos ernsthaften künstlerischen Schaffens zu verknüpfen: „Das Haus hat allen zu gefallen. Zum Unterschiede zum Kunstwerk, das niemandem zu gefallen hat. […] Das Kunstwerk will die Menschen aus ihrer Bequemlichkeit reißen. Das Haus hat der Bequemlichkeit zu dienen. Das Kunstwerk ist revolutionär, das Haus konservativ.“ heißt es dazu etwa in seinem 1910 veröffentlichten Essay Architektur. Seine Streitlust und seine oft satirisch überzogenen Formulierungen haben nicht nur im damaligen Wien für zahlreiche Provokationen gesorgt, sondern seinen Artikeln zu ihrem späteren Weltruhm verholfen.

In der kunstgeschichtlichen Literatur gilt Loos als wichtiger Wegbereiter der Moderne in Architektur und Design mit ihrer entsprechenden Programmatik von Form folgt der Funktion, wobei allerdings seine kritische Distanz zu Bauhaus und Deutschem Werkbund oftmals übersehen wurde. Er sah sich durchaus in der Tradition der Alt-Wiener-Baukunst etwa eines Joseph Kornhäusel. Die im Bauboom um 1900 nicht seltene Schleifung historischer Stadtensembles fand seine heftige Kritik.

Neben dem Anspruch an Modernität war Loos die Behaglichkeit seiner Einrichtungen besonders wichtig. Dabei sollte der Architekt dem Bauherrn nicht bestimmte Formen oder eine neue, in sich komplette Einrichtungsgarnitur aufdrängen, sondern eher mit Behutsamkeit und Rücksicht auf das Gewohnte agieren, dabei auch alte Gegenstände und Möbel, die dem Bauherrn persönlich etwas bedeuten, in das Neue mit einbinden. „Für eure Wohnung habt ihr immer Recht“ lautete etwas zugespitzt das entsprechende Motto in seinen Schriften. Dabei geht es Loos in seinen Einrichtungen nicht vorrangig um eine bestimmte Art von Modernität, sondern eher um eine kritische Weiterführung gewisser Traditionen. Man wird bei seinen Gestaltungen an Einflüsse des Klassizismus erinnert, zum anderen spürt man gewisse Vorbilder englischer und amerikanischer Architektur aus dem Landhausbau (z. B. Norman Shaw). Dabei spielen insbesondere der Kamin und die sich um ihn gruppierende gemütliche Sitzgruppe gestalterisch eine wichtige Rolle.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken