An diesem Tag

Adolf Jandorf

Deutscher Großkaufmann und Warenhaus-Unternehmer

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Abraham Adolf Jandorf (* 7. Februar 1870 in Hengstfeld; † 12. Januar 1932 in Berlin) war ein deutscher Kaufmann und geschäftsführender Inhaber der Warenhauskette A. Jandorf & Co. Durch seine beständige Anwendung der modernsten Verkaufstechniken stieg er aus einfachen Verhältnissen zu einem der vermögendsten Großkaufleute Deutschlands auf. Mit dem Kaufhaus des Westens (KaDeWe) in Berlin gründete er 1907 eines der heute renommiertesten deutschen Warenhäuser.

Adolf Jandorf entstammte einer armen jüdischen Familie in einem kleinen Dorf auf der Hohenloher Ebene. Er war das zweite von sieben Kindern des Bauern, Metzgers und Viehhändlers Josef Bernhard Jandorf (1840–1913) und dessen Frau Rika, geb. Ansbacher (1843–1899). Nach der Bar Mitzwa und dem Volksschulabschluss machte er von 1884 bis 1887 eine kaufmännische Lehre in einem kleinen Manufakturgeschäft in Bad Mergentheim, eine entbehrungsreiche, mühselige Ausbildung mit einer Sieben-Tage-Arbeitswoche. Im Jahr 1890 ging er in die USA und suchte im Auftrag der Familie seinen ältesten Bruder, Louis, der dorthin ausgewandert war. Trotz fehlender Sprachkenntnisse konnte er ihn bereits nach acht Tagen aufspüren, doch war Louis zu einer Rückkehr nach Deutschland nicht zu bewegen. Während seines Aufenthaltes lernte Adolf Jandorf New Yorks Warenhäuser kennen: Steward, Macy’s und Bloomingdale’s galten als die modernsten Warenhäuser ihrer Zeit.

Zu Beginn der 1890er Jahre arbeitete Jandorf in Bremerhaven für das Hamburger Textilhandelsunternehmen M. J. Emden Söhne, einen Handelskonzern, der sowohl auf eigene Rechnung als auch für zahlreiche selbstständige Kaufleute den gemeinsamen Einkauf übernahm. Seine „schnelle […] Auffassungsgabe und leichte […] Anpassungsfähigkeit in seinen geschäftlichen Entschlüssen“ fielen der Geschäftsleitung auf, sodass er 1892 vom Firmenchef Jakob Emden beauftragt wurde, mit 500 Goldmark Vorschuss ein kleines Geschäft in Berlin aufzubauen. Nach sechs Wochen hatte Jandorf am Spittelmarkt, Ecke Leipziger Straße, sein erstes Geschäft eröffnet, einen Laden mit preiswerten Posamentier-, Kurz- und Wollwaren. Entgegen der Absprache gab er das Geschäft auf dem Firmenschild und dem Briefpapier als sein Eigentum aus, nämlich als A. Jandorf & Co., Hamburger Engros Lager. Den unausbleiblichen Konflikt mit Jakob Emden konnte Jandorf mit einer Kündigungsdrohung zu seinen Gunsten wenden. Da jedoch im selben Jahr eine Cholera-Epidemie die Stadt heimsuchte, wirkte sich die Nennung des Standortes Hamburg im Firmennamen auf die Geschäfte verheerend aus. Vor solche Startschwierigkeiten gestellt, verkürzte Jandorf den Firmennamen. Den rettenden Verkaufserfolg brachte ein Ruhekissen mit dem Wunsch Nur ein Viertelstündchen bestickt, das sich mehr als eine Million Mal verkaufte.

1894 heiratete Jandorf Margarete Hirschfeld (* 13. März 1870), kurz darauf folgte die Geburt ihres einzigen Kindes, Harry Jandorf (1896–1981). Jandorf arbeitete den ganzen Tag in seinem Warenhaus vom Einkauf über die Buchhaltung bis hin zur Dekoration. Die Geschäftsentwicklung verlief erfolgreich. Nach kurzer Zeit konnte er das ganze Haus aufkaufen und zu einem Warenhaus mit 300 m² Verkaufsfläche umbauen. Als „Volkswarenhaus“ wollte er mit einfachen, preisgünstigen Waren seine Zielgruppe, das Berliner Proletariat, erreichen.

Adolf Jandorf erwarb im Jahr 1893 das Grundstück eines aufgegebenen Damen-Stiftes am Halleschen Tor für 1,975 Millionen Mark, um darauf ein zweites Warenhaus errichten zu können; die steigende Nachfrage machte eine Vergrößerung erforderlich. Wie es scheint, ist aus dieser ersten Lage nichts geworden, denn 1897/98 wurde das nächste Kaufhaus an der Ecke Belle-Alliance-Straße (heute Blücherplatz 3) und Tempelhofer Ufer nach Plänen des Architekten Fritz Flatow errichtet, gegen die Vorbehalte Jakob Emdens. Es hatte zwei Stockwerke mit einer repräsentativen Neobarockfassade und verfügte zunächst über 1500 m²; 1899 erfolgte ein Erweiterungsbau auf dem Nachbargrundstück. Jandorf sollte auch seine weiteren Warenhäuser stets an einer strategisch gut gelegenen Straßenecke platzieren. 1922 ließ er das Gebäude um eine Etage aufstocken, dem Umbau fielen die fünf neobarocken Dachaufsätze und die Dachbalustrade zum Opfer.

Weitere Filialen wurden 1901 in der Großen Frankfurter Straße 113 (heute Karl-Marx-Allee 68), Ecke Andreasstraße sowie 1904 an der Ecke Brunnen- und Veteranenstraße eröffnet. Das Gebäude in der Großen Frankfurter Straße wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, seine Reste verschwanden mit der Neubebauung der Stalinallee.

Das Warenhaus am Weinberg war ein fünfgeschossiger Stahlskelettbau, verblendet mit einer klar strukturierten Natursteinfassade, und konnte im Inneren flexibel gestaltet werden. Die Fassade ist mit Bienen als Symbol des Fleißes und mit Maßwerk im Jugendstil geschmückt. Das Haus überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschädigt und diente in der DDR ab 1953 als Institut für Modegestaltung, dem späteren Haus der Mode.

Sein sechstes Haus ließ Jandorf von 1905 bis 1906 in Charlottenburg an der Wilmersdorfer Straße 115, Ecke Pestalozzistraße durch den Architekten Alfred Lesser errichten. Am Ende des Zweiten Weltkriegs war es teilweise zerstört, Georg Karg von der Warenhauskette Hertie ließ es von 1951 bis 1955 wiederherstellen. Weitere Um- und Anbauten folgten, später befand sich dort eine Filiale von Karstadt.

Im Jahr 1906 erwarb Jandorf im Arbeiterbezirk Kreuzberg am Kottbusser Damm 1 ein fertig errichtetes Gebäude für 3,35 Millionen Mark, das von Franz Ahrens entworfen worden war und als erster privater Eisenbetonbau in Berlin gilt, Bauleiter war Siegfried Ascher. Damit gehörte Jandorf zu den zehn größten Warenhausunternehmern Deutschlands.

Jandorfs siebtes und letztes Warenhaus machte Geschichte. Bis dahin hatte er den handfesten Bedarf der einfachen Leute bedient, nun sollten es die gehobenen und höchsten Konsumwünsche der wilhelminischen Elite sein. Für das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) wurde 1905 eine eigene Gesellschaft mit beschränkter Haftung von M. J. Emden Söhne mit 79.000 Mark und Kaufmann Hermann Knauer mit 1.000 Mark gegründet. Jandorf hielt sich zunächst im Hintergrund, erst im September 1906 steuerte er mit 1.921.000 Mark den Hauptanteil bei; die Kreditfinanzierung übernahm die Deutsche Bank. Um den Qualitätssprung vom Volkswarenhaus zum Luxuswarenhaus zu unterstreichen, verzichtete er auf seinen Namen im Titel des Warenhauses.

Als Standort wählte Jandorf die Grenze zwischen den damals selbstständigen Städten Charlottenburg und Schöneberg am Ende der Tauentzienstraße. Durch die unmittelbare Nähe zum U-Bahnhof Wittenbergplatz und mehreren Straßenbahnlinien war er verkehrsgünstig gelegen und auch dahingehend vorausschauend, dass beim Zusammenwachsen der Städte zu Groß-Berlin hier ein zukünftiger Verkehrsknoten lag. Der Jandorf zugeschriebene Ausspruch „Wat een juter Standort is, bestimme ick“ lässt sich jedoch mit keiner Quelle belegen. Zwischen der Ansbacher und der Passauer Straße mussten zuvor einige Wohnhäuser abgerissen werden, danach wurde innerhalb eines Jahres das Warenhaus gebaut. Der Architekt, Johann Emil Schaudt, plante den Entwurf mit fünf Stockwerken und einer schmucklosen sachlichen Fassade aus fränkischem Muschelkalk. Kaufmann Hermann Knauer errichtete das Gebäude mit seiner Firma Boswau & Knauer. Innenarchitekt Franz Habich, der zuvor das Münchner Warenhaus Oberpollinger ausgestattet hatte, übernahm die als edel, modern und gediegen bezeichnete Innenausstattung mit Holztäfelung und Naturstein. Die kleinfenstrige Gliederung der Fassade passte sich an die Struktur der benachbarten Wohnhäuser an und war auch eine Folge einer neuen baupolizeilichen Vorschrift, die eine Warenpräsentation hinter großen Fenstern auf der gesamten Fassade (wie etwa beim Tietz-Warenhaus in der Leipziger Straße) verbot.

Gezielt wurden Führungskräfte anderer Berliner Warenhäuser abgeworben, sodass die Firma A. Wertheim vor dem Kaufmannsgericht in einigen Fällen gegen Jandorf prozessierte. Für die technische Infrastruktur reiste Jandorfs Bruder Moritz nach London, um das Rohrpostsystem und neue Verkaufstechniken zu studieren. Zwar wurde daraufhin eine Rohrpostanlage für die Kassen mit insgesamt 18 km Länge und Zentralkasse installiert, doch erwies sich das Verkaufstalent von Hersteller Lempson größer als die Funktionsfähigkeit des Systems. Eine hohe Reparaturanfälligkeit der Leitungen, die eine häufige Anreise von britischen Technikern notwendig machte, bewirkte ihren Ersatz durch Registrierkassen schon nach wenigen Jahren. Von den Kunden geschätzt und von den Kleinhändlern beklagt waren die zusätzlichen Dienstleistungen, die das KaDeWe neben dem Warenverkauf in 120 Abteilungen auch im Angebot hatte: „Frisiersalons für Damen und Herren, das Reisebüro, die Wechselstube, Erfrischungs- und Teeräume sowie Photographisches Atelier und Leihbibliothek.“

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