Adolf Holst (* 7. Januar 1867 in Branderoda; † 4. Januar 1945 in Bückeburg) war ein deutscher Pädagoge, Kinderbuchautor und -herausgeber.
August Adolf Holst wurde als zweiter Sohn von August Andreas Jacob Holst und von Marie Johanne Wilhelmine Holst, geb. Bötticher, am 7. Januar 1867 in Branderoda geboren. Seine ersten Kinderjahre erlebte er in Branderoda. Holst wurde zuerst von seinem Vater unterrichtet, der von 1863 bis 1878 Pfarrer in Branderoda war. Nach dem anschließenden Unterricht in der Vorbereitungsanstalt in Kösen besuchte er ab 1880 die Königliche Landesschule Pforta in Schulpforte bei Naumburg und danach die Franckeschen Stiftungen in Halle.
Holst studierte Philosophie, Geschichte, Erdkunde und neuere Sprachen in Tübingen, Leipzig und Berlin. 1893 folgte die Promotion zum Dr. phil. Später arbeitete er als Hauslehrer in Westfalen, Rom und Florenz und leitete in Blankenburg (Harz) und Genua Privatschulen.
Von 1901 bis 1913 wirkte Holst als Prinzenerzieher im Fürstenhaus Schaumburg-Lippe.
1903 heiratete Holst die Pianistin Clara von Cramer (* 8. November 1875), Tochter des Generals Rudolph von Cramer in Blankenburg im Harz, in Berlin. Aus der Ehe gingen die Tochter Cordula (* 18. November 1900 - † 27. Juli 2004) und später die Zwillinge Ebba (* 20. Dezember 1903 - † 15. Juli 1956) und Ingeborg (* 20. Dezember 1903 - † 10. Februar 1989) hervor. Gegenüber dem Krankenhaus Bethel bei Bielefeld war die Familie Adolf Holst für die unheilbar kranke Tochter Ebba mit monatlich 100 Reichsmark ausstattungspflichtig (Bundesarchiv Berlin).
Von 1915 bis 1918 leitete er die Fürstlich Schaumburg-Lippische Hofbibliothek in Bückeburg.
Ab 1918 war Holst freier Schriftsteller, verfasste zahlreiche Kinderbücher und -gedichte und war von 1918 bis 1934 Herausgeber von „Auerbachs Kinderkalender“.
Mindestens zwei Jahre (1922 und 1923) war Holst Herausgeber des Jahrbuchs (Sammelbands) „Neuer Deutscher Jugendfreund“, in dem auch Schriftsteller wie Thomas Mann (Nobelpreis für Literatur – 1929) und Hermann Hesse (Nobelpreis für Literatur – 1946) ihre Autorenbeiträge veröffentlichten ebenso wie die Schriftstellerin Selma Lagerlöf (Nobelpreis für Literatur – 1909) – ihr bekanntestes Werk ist „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“.
1925 bis 1927 war Holst Herausgeber der Monatszeitschrift „Die fröhliche Post“.
Mit über 200 Kinder-Bilderbüchern, illustrierten Gedichtsammlungen Laienspielen und Märchenreigen in zahlreichen Auflagen, zählt er zu den meistgelesenen und bekanntesten Kinderbuchautoren der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Bücher Adolf Holsts erschienen in vielen Ländern und wurden in mehrere Sprachen übersetzt z. B. „Grete kocht“ in den Niederlanden, „Die Schule im Walde“ 1991 in Litauen, …
Bis heute werden verschiedene Reprintausgaben gedruckt und verkauft.
Zu seinen wohl bekanntesten Gedichten zählen die folgenden:
Zu dem Gedicht Im See komponierte Reinhold Krug (1926–1991) eine seiner Melodien. Als Sommerlied gilt es für Kinder ab dem 5. Lebensjahr als geeignet.
In zahlreichen Ländern (z. B. Deutsches Kaiserreich, Weimarer Republik, Deutsches Reich, BRD, DDR, Österreich, Schweiz, Lichtenstein) erschienen ab 1912 bis Heute Texte von Adolf Holst in pädagogischen Publikationen. Bisher konnten Holsttexte in über 60 pädagogischen Publikationen zum Gebrauch in Schulen und Kindergärten nachgewiesen werden, in Fibeln, Lesebüchern sowie Gedicht- und Liedersammlungen – siehe dazu auch BLAUME, 1993 und RITTER, 2021.
1967 erschienen in einem Züricher Lesebuch 14 seiner Gedichte.
Noch in den 1980er Jahren lernte jeder Schulanfänger in der DDR Texte von Adolf Holst wie z. B. das Gedicht Im See das in jeder DDR Schulfibel zu finden war.
Heute allseits Bekanntes war einst und ist manchmal bis heute ein erfolgreiches Buch von Adolf Holst. Oh Tannenbaum! Oh Tannenbaum! (1910), Lirum Larum (1913), Ringel, Ringel Reihe (1928), …
Zahlreiche Sprüche, umgangssprachliche Phrasen im deutschsprachigen Raum, stehen im Zusammenhang mit Adolf Holst. Komische Käuze (1909), Vom Allerfeinsten (um 1925), Eine Fahrt ins Blaue (1933), Wenn jemand eine Reise tut … (1937), …