Adolf Friedrich Rutenberg (* 30. Oktober 1808 in Berlin; † 6. Dezember 1869 ebenda) war ein deutscher Geografielehrer, Junghegelianer und Journalist.
Adolf Friedrich Rutenberg war der Sohn von Adolph Friedrich Rutenberg, einem mecklenburgischen Schuhmacher, der kurz vor seiner Geburt nach Berlin gezogen war und das dortige Stadtbürgerrecht erworben hatte, und seiner Frau Dorothea Elisabeth Dohrmann. Adolf Rutenberg besuchte das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, wie der ein Jahr ältere Bruno Bauer, der später sein Schwager wurde. Er studierte von 1828 bis 1831 Philosophie, Philologie und Theologie an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin. Im Wintersemester 1828/29 besuchte er die Vorlesungen Ästhetik und Philosophie der Geschichte von Hegel. Von Hegels Vorlesung über die Philosophie der Religion im Jahr 1831 fertigte Rutenberg eine Vorlesungsmitschrift an.
Nachdem er die Examina für Philosophie, Philologie und Theologie abgelegt hatte, unterrichtete er an verschiedenen Schulen in Berlin. Neun Jahre war er als Lehrer an verschiedenen Schulen tätig. Ab 1838 für Geografie an der königlichen Kadettenschule in der Neuen Friedrichstraße, bis er 1840 wegen Trunksucht oder aus politischen Gründen entlassen wurde. Danach betätigte er sich bei verschiedenen Zeitschriften, so u. a. für die Hallischen Jahrbücher von Arnold Ruge. In Berlin gehört er dem Doktorclub an, einem philosophischen Debattierzirkel junger Dozenten und Studenten höheren Semesters, an dem unter anderem Karl Marx, Karl Friedrich Köppen, Bruno und Edgar Bauer sowie Ludwig Buhl (1814–1880 oder 1882) teilnahmen. Rutenberg scheint in dieser Zeit eine engere Freundschaft mit Marx eingegangen zu sein, der seinem Vater im November 1837 davon berichtet, dass jener sein „intimster der Berliner Freunde“ sei.
Am 25. März 1838 heiratete Rutenberg in Berlin die 25-jährige Tochter eines Schlossermeisters Anna Bertha Spiller. Am 10. Dezember 1838 wurde seine Tochter Agathe in Berlin geboren und am 3. Februar 1839 in der Sankt-Nikolai-Kirche in Berlin getauft. Außerdem hatte er zwei Söhne namens Adolph Bruno (Rechtsanwalt; * 5. April 1840 in Berlin) und Walter (Bildhauer; * 29. Dezember 1858 in Berlin).
Im November 1841 erhielt er von Georg Jung die Anfrage, ob er erster Redakteur bei der Rheinischen Zeitung werden wolle. Am 2. Februar 1842 wurde er auf Vorschlag von Karl Marx leitender Redakteur der Rheinischen Zeitung in Köln. Rutenberg war für Artikel der Redaktion über Preußen und Deutschland zuständig. Während der Dombaufeierlichkeiten im September 1842 besuchte ihn Hoffmann von Fallersleben. Aber man war im Herausgeberkreis mit Rutenberg unzufrieden und löste ihn zum 15. Oktober 1842 ab und ersetzte ihn durch Karl Marx. Wieder in Berlin schließt er sich den Freien an.
Rutenberg ist der einzige der Berliner Junghegelianer, der von Karl Theodor Welcker aufgefordert wurde an der ersten Ausgabe des Staatslexikons. Encyklopädie der sämmtlichen Staatswissenschaften für alle Stände mitzuarbeiten. Er lieferte die Beiträge Polen, Preußen (Statistik); Serbien (Geschichte); Sina, China; Türkei, osmanisches Reich und Radical, Radicalismus. Den letzteren hob Gustav Mayer lobend hervor.
Am 1. April 1848 gründete er die National-Zeitung in Berlin, die er bis zur Septemberkrise 1848 verantwortlich leitete. Er beteiligte sich aktiv an der Märzrevolution.
In den letzten Lebensjahren war er für die Preußische (Adler) Zeitung (1851–1853) und den Königlich Preußischen Staats-Anzeiger (1851–1871) journalistisch tätig und soll sich den Nationalliberalen zugewendet haben.
Polen. In: Carl von Rotteck / Hermann von Rotteck / Karl Theodor Welcker: Das Staatslexikon. Encyklopädie der sämmtlichen Staatswissenschaften für alle Stände. Bd.12, Altona 1841, S. 487–588
Rtg: Zur Litteratur des Königsberger Verfassungsantrags. In: Anekdota zur neuesten deutschen Philosophie und Publicistik. Bd. 1 Zürich und Winterthur 1843, S. 247–281
Preußen (Statistik). In: Carl von Rotteck / Hermann von Rotteck / Karl Theodor Welcker: Das Staatslexikon. Encyklopädie der sämmtlichen Staatswissenschaften für alle Stände. Bd.13, Altona 1842, S. 102 ff.
Radical, Radicalismus. In: Carl von Rotteck / Hermann von Rotteck / Karl Theodor Welcker: Das Staatslexikon. Encyklopädie der sämmtlichen Staatswissenschaften für alle Stände Bd. 13, Altona 1842, S. 408 ff. Digitalisat
(Rezension) Die evangelische Landeskirche Preußens und die Wissenschaft. Leipzig, O.Wigand, 1840. In: Deutsches Staatsarchiv. Bd. 2. S. 335–341.
Einleitender Vortrag über den Kosmos von Alexander von Humboldt, gehalten in der Polytechnischen Gesellschaft zu Berlin am 13. Nov. 1845 Moeser & Kühn, Berlin 1845
Deutsche Kalender. In: Magazin für Literatur des Auslandes. 1847 Nr. 7
Die Jesuiten des neunzehnten Jahrhunderts. 2. unveränd. Aufl. Vossische Buchhandlung, Berlin 1845 Digitalisat Kritik Grenzboten
Adolf Rutenberg mit Zusätzen von W. Schulz: Serbien (Geschichte). In: Carl von Rotteck / Hermann von Rotteck / Karl Theodor Welcker: Das Staatslexikon. Encyklopädie der sämmtlichen Staatswissenschaften für alle Stände. Bd. 12, Altona 1848, S. 137–150.
Adolf Rutenberg mit Zusätzen von W. Schulz: Sina, China. In: Carl von Rotteck / Hermann von Rotteck / Karl Theodor Welcker: Das Staatslexikon. Encyklopädie der sämmtlichen Staatswissenschaften für alle Stände. Bd. 4, Altona 1848, S. 378–384.