An diesem Tag

Adolf Eichmann

Deutscher SS-Angehöriger und Kriegsverbrecher, 1962 in Israel hingerichtet

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Otto Adolf Eichmann (* 19. März 1906 in Solingen, Deutsches Reich; † 1. Juni 1962 in Ramla, Israel) war ein deutscher SS-Obersturmbannführer und NS-Verbrecher. Während der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges leitete er in Berlin das „Eichmannreferat“. Diese zentrale Dienststelle des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA, mit dem Kürzel IV B 4) organisierte die Verfolgung, Vertreibung und Deportation von Juden und war mitverantwortlich für die Ermordung von schätzungsweise sechs Millionen Menschen im weitgehend vom NS-Staat besetzten Europa. Im Mai 1960 wurde er von Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad aus Argentinien entführt und nach Israel gebracht, wo ihm ein öffentlicher Prozess gemacht wurde. Er wurde zum Tode verurteilt und in der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni 1962 durch Hängen hingerichtet.

Adolf Eichmann wurde als ältester Sohn des Buchhalters Karl Adolf Eichmann (1877–1960) und dessen Frau Maria, geb. Schefferling (1880–1916), in Solingen im Rheinland geboren. Im Jahre 1914 zog die Familie nach Linz in Österreich-Ungarn, wo der Vater als kaufmännischer Direktor für die Elektrizitäts- und Straßenbahngesellschaft tätig war.

Adolf Eichmann verließ als einziger Sohn das Bundesrealgymnasium Linz Fadingerstraße ohne Abschluss, während alle seine Geschwister die Realschule erfolgreich beendeten. Als sein Vater die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt, war Adolf schon volljährig. Dadurch blieb er im Gegensatz zu seinen jüngeren Geschwistern deutscher Staatsbürger.

Während seiner Schulzeit lernte er Ernst Kaltenbrunner kennen, der später als Chef der Sicherheitspolizei und des SD sein Vorgesetzter wurde. Auch Adolf Hitler hatte diese Schule besucht, allerdings von 1900 bis 1904. Eichmann begann 1921 eine Ausbildung zum Mechaniker an der Höheren Bundeslehranstalt für Elektrotechnik, Maschinenbau und Hochbau in Linz.

Eichmann verließ die Bundeslehranstalt im Jahre 1921 wiederum ohne einen Abschluss und war ab 1923 zunächst Arbeiter in der Untersberger Bergbaugesellschaft, in der auch sein Vater arbeitete, von 1925 bis 1927 Verkäufer für die Oberösterreichische Elektrobau AG und schließlich bis zum Frühjahr 1933 Vertreter für das Bundesland Oberösterreich bei der Vacuum Oil Company AG, einer Tochterfirma von Standard Oil.

Am 21. März 1935 heiratete er Vera Liebl (1909–1997), mit der er vier Söhne hatte: Klaus (* 1936 in Berlin), Horst Adolf (* 1940 in Wien), Dieter Helmut (* 1942 in Prag) und Ricardo Francisco (* 1955 in Buenos Aires).

Adolf Eichmanns Bruder Helmut (* 1910) fiel am 3. März 1942 als Soldat der Wehrmacht an der Ostfront.

Positionen und Funktionen in NSDAP und SS

Eichmann trat im Jahre 1927 der Frontkämpfervereinigung Deutsch-Österreichs bei. Zum 1. April 1932 schloss er sich der österreichischen NSDAP (Mitgliedsnummer 899.895) und im selben Monat der SS an (SS-Nummer 45.326). Als am 19. Juni 1933 die NSDAP und alle ihre Gliederungen in Österreich verboten wurden, ging er im Juli nach Bayern, wo er als Mitglied der Österreichischen Legion zunächst in Klosterlechfeld und später in Dachau eine vierzehnmonatige paramilitärische Ausbildung bei der SS absolvierte. Hier meldete er sich im Oktober 1934 freiwillig zum Sicherheitsdienst (SD) der SS nach Berlin.

Zunächst arbeitete er dort als Hilfskraft in der SD-Abteilung II 111, die unter anderem für den Aufbau einer sogenannten Freimaurerkartei zuständig war. Im Juni 1935 wurde Eichmann in die neugeschaffene Abteilung II 112 (Juden) versetzt, in der er das Referat (Zionisten) leitete. In enger Zusammenarbeit mit der Gestapo war er hier zunächst vor allem darum bemüht, die damals so genannte Auswanderung – d. h. Vertreibung – der Juden aus Deutschland voranzutreiben. Seine Vorgesetzten waren bis Ende 1936 Leopold von Mildenstein, der ihn auch in das Amt geholt hatte, und ab 1937 Herbert Hagen. Eine im Januar 1937 vorgelegte Denkschrift Zur Judenfrage stammt wahrscheinlich von Eichmann. Darin erklärte er das Judentum zu einer Nation, die „ein ewiger Feind des Nationalsozialismus“ sei. Die daher nötige „‚Entjudung Deutschlands‘“ könne „nur erfolgen, wenn den Juden in Deutschland die Lebensbasis, d. h. die wirtschaftliche Betätigungsmöglichkeit, genommen wird“. Eichmann schlug eine systematische Arisierung vor. Ergänzend riet er zu wenngleich illegalen Pogromen wie dem Kurfürstendamm-Krawall von 1935: „Das wirksamste Mittel, um den Juden das Sicherheitsgefühl zu nehmen, ist der Volkszorn, der sich in Ausschreitungen ergeht“. Insgesamt gelte es, „Auswanderung nach Gebieten, wo die Juden dem Reich nicht schaden können, zu fördern“, das heißt in Länder, die auf keiner hohen Kulturstufe stünden und wo sie „nur unter entbehrungsreicher Arbeit sich erhalten“ könnten. Als solche Länder sah er einige Staaten Südamerikas sowie Palästina an und empfahl eine „Zentralstelle“, um die jüdische Auswanderung in diese Gebiete zu fördern. Auf eine Einladung zionistischer Funktionäre reiste Eichmann gemeinsam mit Hagen 1937 nach Palästina. Dort besuchten sie Haifa und wanderten durch das Karmel-Gebirge. Nach wenigen Tagen wurden Eichmann und Hagen jedoch von der britischen Mandatspolizei nach Ägypten abgeschoben.

Nach dem Anschluss Österreichs im Jahre 1938 wurde Eichmann als SD-Führer zum SS-Oberabschnitt Donau versetzt. In Wien kommandierte er, entgegen seiner Behauptung und dem Urteil im späteren Prozess, während der „Kristallnacht“ Zerstörungseinheiten.

Er baute zusammen mit seinem Stellvertreter Alois Brunner die Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien auf, welche die erzwungene Ausreise der jüdischen Bevölkerung aus Österreich betrieb. Um Juden aus Wien bei der Flucht ins Ausland zu helfen, mussten Einrichtungen wie die Schwedische Israelmission in Wien mit Eichmann zusammenarbeiten. Im März 1939 wurde er mit der Errichtung einer Auswanderungsbehörde in Prag nach demselben Modell wie in Wien beauftragt. Ende 1939/Anfang 1940 wurde Eichmann anstelle von Heinrich Müller Geschäftsführer der zuvor von Hermann Göring eingerichteten Reichszentrale für jüdische Auswanderung in Berlin und Leiter des Referats IV B 4 (Judenangelegenheiten, Räumungsangelegenheiten, Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens und Aberkennung der deutschen Reichsangehörigkeit) beim Reichssicherheitshauptamt (RSHA) in Berlin. Die „Wiener Erfolge“ (in ca. 18 Monaten wurden 150.000 Juden vertrieben) ließen sich in dieser Form – unter anderem wegen des Kriegsbeginns und weil immer weniger Staaten bereit waren, die Flüchtlinge aufzunehmen – nicht mehr wiederholen. Auch die Pläne zur Judenvertreibung nach Madagaskar und Nisko scheiterten.

Eichmann und die industrielle Menschenvernichtung

Im Juli 1941 wurde Eichmanns Referat im Zuge einer Umstrukturierung des RSHA und infolge des erlassenen Auswanderungsverbots für Juden (Herbst 1941) der Abteilung IV B als Referat 4 (Juden- und Räumungsangelegenheiten) angegliedert. Als Referatsleiter war Adolf Eichmann für die gesamte Organisation und Koordination der Deportation von Juden aus Deutschland und den besetzten europäischen Ländern zuständig. Ihm unterstand die Planung sämtlicher Transporte, er sorgte durch seine Beauftragten in der SD-Struktur, bei den Befehlshabern und Kommandeuren der Sicherheitspolizei und des SD (BdS und KdS) sowie den Polizeiattachés für die Einhaltung der Fahrpläne und die Zusammenstellung und Auslastung der Eisenbahnzüge. Diese brachten die jüdischen Menschen in die Polizeilager, Ghettos und die übergroße Mehrheit in die Konzentrationslager. Damit endeten sie direkt in den Gaskammern. Er war somit direkt mitverantwortlich für die Enteignung, Deportation und Ermordung von rund sechs Millionen Juden.

Die Reisen Eichmanns, bei denen er sich über die Durchführung von Deportationen und Morden informierte, rekonstruierte der Historiker Götz Aly mit Zitaten aus Eichmanns Götzen betitelten Aufzeichnungen:

Eichmann soll alle größeren Vernichtungslager besucht und Ermordungen in Augenschein genommen haben. Er verschaffte sich so den Überblick über die industrielle Vernichtung von Menschen nach 1941, um Methode und Logistik der Vernichtung vom Schreibtisch aus rationalisieren zu können.

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