An diesem Tag

Adolf Brunner (Komponist)

Schweizer Komponist

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Adolf Hermann Brunner (* 25. Juni 1901 in Zürich; † 15. Februar 1992 in Thalwil) war ein Schweizer Komponist, Kirchenmusiker, Journalist, Philosoph und Humanist. Mit einer Vielzahl unterschiedlicher Tätigkeiten prägte er stark das politische und kulturelle Leben der Schweiz während des Kalten Kriegs. Als Präsident des Gotthardbunds und Radiojournalist gehörte Brunner zu den führenden Köpfen der geistigen Landesverteidigung; als Kirchenmusiker gilt er als wichtiger Reformierer der evangelischen Kirchenmusik und zählt zu den bedeutendsten Schweizer Komponisten des 20. Jahrhunderts.

Brunners Vater Jakob Adolf Brunner-Lavater (1871–1943) war Architekt, Brunners Mutter war Angehörige der Familie Lavater, die seit dem 14. Jahrhundert das Zürcher Bürgerrecht besass. Er war der älteste von vier Söhnen, seine jüngeren Brüder waren Rudolf (* 1903), Hans (* 1906) und Walter (* 1913).

Brunners Familie stammte ursprünglich aus Erlenbach, sein Urgrossvater hatte ein Grundstück am Schanzengraben erworben und ein Biedermeierhaus errichtet. Von seinem Grossvater Adolf Brunner-Staub (1838–1911) ist eine Anekdote überliefert, wonach dieser im September 1851 den Papagei von Richard Wagner bei dessen Umzug vom Nachbarshaus an der Sternengasse zur neuen Wohnung am Zeltweg getragen haben soll.

Ab dem dritten Schuljahr erhielt Brunner Klavierunterricht bei Fanny Leber, drei Jahre später Violinunterricht bei Alice Doelly. Ein prägendes Erlebnis war 1913 die Mitwirkung im Knabenchor bei der Schweizer Erstaufführung der 8. Sinfonie von Gustav Mahler in der Tonhalle unter Volkmar Andreae. Brunner besuchte die Volksschule und später das Gymnasium, wo er mit dem späteren Komponisten Conrad Beck und dem Journalisten Arthur Welti in dieselbe Klasse ging. 1919 erhielt er den ersten Kompositionsunterricht von seinem Onkel, dem Komponisten Hans Lavater (1885–1969), der ihn auch mit Wagners Musikdramen vertraut machte.

1920 schloss Brunner das Gymnasium mit der Matura ab und nahm Klavierunterricht beim Konzertpianisten Walter Frey. 1921 siedelte er nach Berlin über, um neun Monate Privatunterricht bei Philipp Jarnach zu nehmen; 1922 trat er in die Kompositions-Meisterklasse an der Staatlichen Hochschule für Musik ein und studierte bei Franz Schreker, später bei Walther Gmeindl. Unter seinen Kommilitonen waren u. a. Felix Petyrek, Karol Rathaus, Paul Höffer, Berthold Goldschmidt, Jerzy Fitelberg und Ernst Pepping; mit Pepping verband Brunner eine langjährige Freundschaft. 1923 bewarb sich Brunner zusätzlich für die Kapellmeisterklasse und wurde unter 160 Bewerbern ausgewählt, um bei Emil Bohnke, Julius Prüwer und Siegfried Ochs zu studieren.

Brunners Studienjahre in Berlin fielen in die Nachkriegszeit nach dem Ersten Weltkrieg und prägten ihn sowohl in seiner Weltanschauung als auch künstlerisch. So brach er mit der spätromantischen Vorkriegsmusik und betrachtete die Zwölftonmusik der Zweiten Wiener Schule als notwendige Überwindung der Spätromantik. Selber verfolgte Brunner (wie auch sein Mitstreiter Pepping) eine durchsichtige, lineare Polyphonie, die im dreistimmigen Satz ihre Vollendung finden und auf Formen der Renaissance- und Barockmusik zurückgreifen sollte.

Im Sommer 1925 schloss er beide Studien ab. Das Angebot einer Kapellmeisterstelle am Danziger Stadttheater lehnte er ab und entschied sich endgültig für den Komponistenberuf.

Nach einer kurzen Heimkehr nach Zürich reiste Brunner im Januar 1926 für einen zweijährigen Aufenthalt nach Paris. Dort nahm er Klavierunterricht beim Huber-Schüler Ernst Levy und traf auf seinen Jugendfreund Conrad Beck, der in Paris lebte. Die durchsichtige Satzkunst der Musik der Groupe des Six beeinflusste Brunners neuen Stil. Auf mehreren Reisen durch Frankreich entwickelte sich ein umfassendes Interesse an der Architektur französischer Kathedralen. In diese Zeit fielen seine ersten «gültigen» Kompositionen – im Vergleich zu seinen Jugendwerken, die er allesamt vernichtete.

Danach kehrte Brunner wieder nach Zürich zurück, wo 1929 sein Abschlusswerk Symphonisches Orchesterstück mit Suite vom Tonhalle-Orchester unter der Leitung von Volkmar Andreae uraufgeführt wurde.

1930 reiste Brunner nach Palermo und verbrachte einige Wochen auf Sizilien und in Neapel, bevor er sich anschliessend für ein paar Monate in Rom niederliess. Sein Italien-Aufenthalt fiel in die Zeit der faschistischen Diktatur unter Benito Mussolini, den er während einer Rede in Florenz erlebte. Aus diesen Erfahrungen schloss Brunner:

Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 pendelte Brunner zwischen Zürich, Berlin und Paris. Bereits im Spätherbst 1930 siedelte er erneut nach Berlin über und wurde mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus konfrontiert. Dort freundete er sich mit dem jungen, noch sozialistisch eingestellten Gewerkschafter Walter Pahl an und beriet ihn in seiner Funktion als Verbindungsmann zwischen Gewerkschaftsbundspräsident Theodor Leipart und dem Kabinett Schleicher. In diese Zeit fiel die Komposition einiger Klavierstücke und von Teilen der Missa a cappella. Im Zuge des Besuchs einer NSDAP-Wahlversammlung im Berliner Sportpalast begegnete Brunner Adolf Hitler nach dessen Rede und bezeichnete ihn später als «wild gewordener, fanatischer, dämonisch besessener Spiesser».

Nach der Volksabstimmung über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs 1934 kehrte er zurück nach Zürich, reiste aber immer wieder nach Berlin, um sich an Ort und Stelle über laufende Entwicklungen zu informieren. In der Schweiz vollendete er seine Messe, eine Partita für Klavier und Orchester und die ersten drei Geistlichen Konzerte. Durch seinen früheren Lehrer Walter Frey beteiligte sich Brunner an der Gründung des Forums Pro Musica (heute Zürcher Sektion der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik) und konnte dort viele Uraufführungen seiner Werke erreichen. Im Herbst 1935 reiste er für einige Monate wieder nach Paris; durch eine Jugendfreundin kam er in Berührung mit Schriften des Theologen Emil Brunner und entwickelte eine profunde Beziehung zum christlichen Glauben.

Im Frühjahr 1937 unternahm Brunner eine dreimonatige Reise nach Griechenland, um sowohl seine Eindrücke aus der Italienreise zu komplementieren als auch die christlichen Ursprünge im Hellenismus zu erforschen:

In Triest nahm Brunner einen Kursdampfer bis Korfu und gelangte via Patras nach Athen; von dort aus bereiste er die Peloponnes, zahlreiche umliegende Inseln und bestieg den Parnass – meist zu Fuss mit einem Esel. Der Besuch der Mönchsrepublik Athos bildete den Höhepunkt der Reise, wo er als seltener nichtgriechischer Besucher byzantinischen Kirchengesang und Neumennotation studierte. Über Istanbul fuhr Brunner durch den Balkan in die Schweiz zurück.

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg weilte Brunner noch einmal drei Monate in Berlin, um sämtlichen Proben seiner Missa a cappella durch die Sing-Akademie zu Berlin beizuwohnen. Gleichzeitig schloss sich Österreich an das Dritte Reich an, was Brunner veranlasste, vor dem drohenden Kriegsausbruch nochmals nach Frankreich zu reisen (Reims, Paris, Dijon). Zurück in Zürich, freundete er sich mit dem Komponisten Robert Oboussier an, der später Pate seines Sohnes Christoph wurde. Im Zuge der Mobilmachung nach dem Überfall auf Polen wurde Brunner in den Aktivdienst nach Altdorf eingezogen. Im Juli 1940 wurde er aus dem Dienst entlassen.

Geprägt von der Gleichgültigkeit, die Brunner in der Zivilgesellschaft vernommen hatte, wurde Brunner politisch aktiv und beteiligte sich in der Widerstandsgruppe Gotthardbund zunächst auf kantonaler, ab 1942 auf nationaler Ebene als Geschäftsführender Präsident zur Entlastung des Obmanns Theophil Spoerri. Zur gleichen Zeit lernte er die geschiedene Ehefrau von Conrad Beck, Emmy Jacot Descombes, und ihre zwei Söhne kennen; am 23. Oktober 1941 liessen sie sich trauen und bekamen zwei eigene Söhne, Georg (* 1943) und Christoph (* 1947).

In den Kriegsjahren war Brunner zugunsten seiner politischen Tätigkeit und familiärer Angelegenheiten kompositorisch kaum aktiv. Im Gotthardbund initiierte er einen neuen Anlauf für eine Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), die zuletzt 1936 gescheitert war. Die durch die Gruppe finanzierten Vorstudien stiessen bei den Parteien auf Anklang und mündeten in die 1947 per Volksabstimmung angenommene Schaffung der AHV. Der Gotthardbund mit Brunner an der Spitze betreute während des Abstimmungskampfes das Sekretariat des Aktionskomitees, Brunner koordinierte diesen als Initiant der Verhandlungen im Hintergrund. Ein von ihm verfasstes Sechs-Punkte-Friedensprogramm nach Kriegsende als Grundlage einer gemeinsamen Nachkriegspolitik wurde von den Parteien allerdings abgelehnt, worauf Brunner sich zurückzog und sich wieder der Komposition widmete.

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