Adem Jashari (serbokroatisch Адем Јашари Adem Jašari, * 28. November 1955 in Donji Prekaz bei Srbica, FVR Jugoslawien; † 7. März 1998 in der BR Jugoslawien, heute Kosovo) war ein kosovo-albanischer Mitbegründer sowie zeitweiliger lokaler Kommandant der UÇK in der Drenica-Region.
Adem Jashari besuchte die Grund- und Mittelschule mit technischer Fachrichtung in seinem Geburtsort und später in Skënderaj.
Rolle in der militanten Untergrundbewegung
Der Wohnsitz der Familie Jashari lag in Donji Prekaz, einem Dorf in der Drenica-Region, in dem vor dem Krieg rund 1000 Menschen lebten. Er wurde frühzeitig zu einem Zentrum der sich formierenden UÇK, Jashari selbst wurde zu einem ihrer Organisatoren und Kommandanten in der Region von Drenica. Die hüglige Drenica-Region der serbischen Provinz Kosovo innerhalb der jugoslawischen Konföderation war in den 1990er Jahren bereits fast ausschließlich von ethnischen Albanern bewohnt, zumal viele ethnisch serbische Familien den Kosovo auch in Folge der albanischen nationalistischen Ausschreitungen von 1981 und darauf folgenden Anfeindungen verlassen hatten. Bereits in den 1980er Jahren waren einige der Untergrundkämpfer der 1990er Jahre aktiv und diejenigen, die nicht inhaftiert waren, knüpften um die Jahreswende 1989/1990 Kontakt zu der militanten Familie von Adem Jashari in Donji Prekaz, mit Adem Jashari, seinem Vater Shaban Jashari und seinem Bruder Hamëz Jashari. Pleurat Sejdiu, Sprecher der UÇK London, bezeichnete Adem Jashari als gut politisch vorbereitet und „allergisch gegenüber Polizeiuniformen“. Während sie mit der LPRK zusammenarbeiteten, verließen Adem Jashari, sein Freund Sami Lushtaku und mehrere weitere 1990 den Kosovo, um eine ernsthafte militärische Ausbildung in Albanien zu beginnen. Ihr Hauptlager war in Labinot bei Elbasan, wo sich ein albanischer Armeestützpunkt befand. Nach Angaben von Shaban Shala wurde die Ausbildung von Armeeoffizieren des albanischen, damals von Ramiz Alia regierten Staates durchgeführt, die sich beim Training von Kosovaren offiziell als Ehrenamtliche ausgaben. Bei der Rückkehr in den Kosovo belagerte die Polizei das Haus von Adem Jashari, dem im folgenden Feuergefecht andere LPRK-Mitglieder zu Hilfe eilten, wobei ein Polizist getötet und zwei Töchter Jasharis verwundet wurden. Die Polizei kehrte daraufhin nicht mehr nach Donji Prekaz zurück, um ihn festzunehmen, da sie fürchtete, er werde wieder vom Haus auf sie schießen.
Schon im Jahr 1991 schloss der Premier der kosovo-albanischen Schattenregierung, Bujar Bukoshi, vom sogenannten Regierungssitz in Ljubljana aus eine Vereinbarung mit der 1982 gegründeten Untergrundorganisation „Volksbewegung für eine Republik Kosovo“ (LPRK), um Guerillakämpfer auszubilden. Die LPRK unterhielt seit 1991 Kontakte zu „westlichen“ Geheimdiensten, und bereits im Mai 1993 wurden die ersten serbischen Polizisten in Glogovac, im Zentrum der Drenica-Region getötet sowie weitere verwundet. Aus ihr gingen später unter anderem die Volksbewegung des Kosovo (LPK) hervor, aus der heraus wiederum 1993 in der Schweiz die Befreiungsarmee des Kosovo (UÇK) gegründet wurde, um den künftigen Guerillakrieg zu führen. Einer der Söhne Adem Jasharis war Mitbegründer der UÇK.
Adem Jashari und sein Bruder Hamëz Jashari wurden von den UÇK-Mitgliedern oft als Vorbilder angesehen. Schon Mitte der 1990er Jahre waren die Gebrüder Jashari aus dem Gebiet Drenica für ihren Auseinandersetzungen mit den serbisch dominierten Polizeikräften bekannt, unter anderem griffen sie mehrmals Polizeistellen an, aber auch serbische Paramilitärs, die schon vor dem Kosovo-Krieg in dem Gebiet des Kosovos tätig waren. Am 11. Juli 1997 wurde Jashari zusammen mit vierzehn weiteren Albanern in Abwesenheit vom Gericht in Priština wegen terroristischer Aktivität verurteilt. In den Jahren 1996 und 1997 nahmen die militanten Albanern zugerechneten bewaffneten Angriffe deutlich zu.
Im Herbst 1997 erklärte die UÇK die Gegenden von Drenica und von Pejë zu den ersten „befreiten Gebieten“ im Kosovo, wodurch die gewalttätigen Zusammenstöße dramatisch zunahmen. Die regionale Anwesenheit der UÇK in der Drenica-Region zwang die serbische Polizei, ihre Checkpoints in der Nacht zu verlassen. Spätestens seit 1997 unterhielt die UÇK auch Ausbildungslager in den nordalbanischen Regionen Kukës und Tropoja. Im Oktober und November 1997 begann sich die UÇK erstmals öffentlich auf Beerdigungen ihrer Soldaten und Sympathisanten zu präsentieren, zu Ereignissen, die zehntausende von Menschen anzogen. So traten, erneut im Drenica-Gebiet, am 28. November 1997 zum ersten Mal uniformierte und bewaffnete Mitglieder der UÇK öffentlich in Erscheinung. Sie hielten auf der Beerdigung des Kosovo-Albaners Halit Gecaj, der bei einem Angriff der UÇK auf eine serbische Polizeistreife in der Gegend von Srbica umgekommen war, eine Rede vor der aus der Drenica-Gegend zusammengekommenen Trauergemeinde von etwa 20.000 Menschen in Lauša, behaupteten, Serben würden Albaner massakrieren und gaben eine Art „Kriegserklärung“ an die „serbische Besatzungsmacht“ ab, die am Abend über Satellitenfernsehen aus Tirana übertragen wurde und der die Menge applaudierte. In dieser Phase begann die UÇK die offene Konfrontation mit serbischen Polizeistreifen in den Gebieten der Drenica und von Peć. Diese Ereignisse wurden auch als Beginn des Bürgerkriegs bezeichnet, zu dessen ersten „Märtyrer“ Halit Gecaj trotz der nicht geklärten Todesumstände hochstilisiert wurde, unterstützt durch ein in den ländlichen Gebieten des Kosovo bestehendes traditionelles Netzwerk der informellen Kommunikation, das sowohl die Informationsausbreitung als auch die Mythen- und Legendenbildung begünstigte. Die Regierung betrachtete die Drenica-Region als Brutstätte des „albanischen Terrorismus“. Ein Brennpunkt der Aufmerksamkeit der Polizei in der Drenica richtete sich auf Donji-Prekaz und insbesondere auf das Anwesen von Adem Jashari, der 1997 an Geltung als lokaler UÇK-Führer gewann.
Zu Beginn des Jahres 1998 verstärkte die UÇK ihre Attacken auf serbische und montenegrinische Kolonisten im Kosovo und alle ethnisch albanischen politischen Führer wurden mit dem Tod bedroht, für den Fall, dass sie eine Autonomievereinbarung mit Serbien unterschreiben würden. Die Drenica-Region war zu einem UÇK-kontrollierten Gebiet geworden, inmitten dessen etwa das alte, von Nonnen unterhaltene serbische Kloster Devič 1998 nur noch eine „winzige Insel serbischen Territoriums“ bildete.
Kämpfe in Prekaz und Likošane und Tod bei der Polizeioperation in Prekaz
Der Tod Adem Jasharis stand in Zusammenhang mit den ersten größeren Zusammenstößen zwischen UÇK und serbischen Sicherheitskräften. Sie ereigneten sich Ende Februar und Anfang März 1998 wiederum in der UÇK-Hochburg der Drenica-Region und werden mit dem Besuch des US-amerikanischen Sonderbotschafters Robert Gelbard in Belgrad in Verbindung gestellt:
Als die Auseinandersetzungen zwischen UÇK-Guerilla und serbischen Sicherheitskräften Anfang 1998 eskalierten, nachdem die UÇK am 4. Januar 1998 verkündet hatte, dass sie die bewaffnete Kraft der Albaner sei, die bis zur Vereinigung des Kosovo mit Albanien kämpfen werde, verhinderte die UÇK am 22. Januar 1998 die polizeiliche Festnahme Adem Jasharis, dessen Clan eine Schlüsselrolle für den großen Zulauf der UÇK in der Drenica-Region spielte. Als Polizisten am frühen Morgen das Gelände umzingelten, um Adem Jashari festzunehmen, mussten sie sich nach Angaben seines Vaters, Shaban Jashari, nach einem Feuergefecht zurückziehen, da die UÇK ihm zu Hilfe eilte. Damit wurde offensichtlich, dass Ibrahim Rugovas Behauptung nicht zutraf, es handle sich bei der UÇK lediglich um das Ergebnis einer bizarren Verschwörung der Serben. In den darauffolgenden zwei Monaten eskalierte die Anzahl der Attacken auf die Polizei und auf sogenannte albanische „Kollaborateure“. Nach offiziellen Angaben war die Anzahl der Angriffe von 31 im Jahr 1996 und 55 im Jahr 1997 auf 66 allein in den Monaten Januar und Februar 1998 sprunghaft angestiegen. Nach Angaben der International Crisis Group vom März 1998 hatte UÇK dabei seit 1996 die Verantwortung für den Tod von 21 Bürgern im Kosovo, darunter fünf Polizisten, fünf serbische Zivilisten und elf der Kollaboration mit der serbischen Regierung beschuldigten Kosovo-Albanern übernommen. Am 23. Februar 1998 verurteilte der US-amerikanische Sondergesandte Robert Gelbard die Aktionen der UÇK streng und nannte diese eine terroristische Gruppierung. Das Vorgehen der serbischen Sicherheitskräfte ordnete er dagegen als entsprechende „Polizeigewalt“ gegen die terroristische UÇK ein und kündigte außerdem einige kleinere Zugeständnisse an die Bundesrepublik Jugoslawien an. Dies wurde als diplomatisches Zeichen der Freigabe zur Bekämpfung der UÇK durch die serbische Regierung aufgefasst.