Adelheid von Anjou (französisch Adélaïde-Blanche d’Anjou; * um 950; † 29. Mai 1026 vielleicht in Avignon) war eine französische Adelige aus dem Haus der Grafen von Anjou. Durch ihre Herkunft und vor allem durch ihre vier Ehen hatte sie verwandtschaftliche Beziehungen zu vielen der mächtigsten Adelsfamilien Frankreichs. Sie war unter anderem die dritte Ehefrau des späteren französischen Königs Ludwig V. Doch das Paar fühlte sich in der von Verwandten arrangierten Hochzeit nicht wohl, und so verließ Adelheid ihren königlichen Gemahl nach nur kurzer Zeit noch ehe er den französischen Thron bestieg, um den Grafen Wilhelm I. zu heiraten. Da ihre Ehe mit Ludwig V. aber vor der neuerlichen Hochzeit nicht vom Papst annulliert worden war, verursachte Adelheids neue Verbindung einen entsprechenden Aufruhr in Rom. Für die minderjährigen Kinder ihrer Ehen – nur die Verbindung mit Ludwig V. war kinderlos – übte sie bis zu deren Volljährigkeit jeweils die Regentschaft aus, was sie zu einer der mächtigsten Frauen im Süden Frankreichs machte, die über die Gebiete der Grafschaften Toulouse und Gévaudan sowie der Provence gebot.
Bis in das 20. Jahrhundert war die dritte Ehefrau Ludwigs V. ausschließlich als Blanche bekannt, denn Autoren wie Rodulfus Glaber, Ivo von Chartres, Ademar von Chabannes oder Hugo von Fleury führten sie in ihren Werken immer unter diesem Namen. Nur die im 19. Jahrhundert in der Staatsbibliothek Bamberg aufgefundene Historiae des Richer von Reims, eines Zeitgenossen Adelheids, nannte sie Adélaïde. Lange Zeit herrschte in der Forschung deshalb die Meinung vor, Richer habe sich bei dem Namen geirrt, und erst in den vergangenen etwa 30 Jahren setzte sich bei Historikern die Ansicht durch, dass dieser Name ebenfalls korrekt ist.
Adelheid wurde als Tochter des Grafen Fulko II. von Anjou und dessen Frau Gerberga geboren. Sie stammte somit aus dem einflussreichen Haus der Grafen von Anjou. Sie war eine Schwester Gottfrieds I. von Anjou, unter dessen Vormundschaft sie nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 958 aufwuchs. Die Herkunft ihrer Mutter ist bisher unklar. Manche Historiker, unter anderem Christian Lauranson-Rosaz, sehen in ihr eine Tochter des Grafen Gottfried I. von Gâtinais und damit eine Angehörige aus der Familie der Grafen von Gâtinais. Eine andere Hypothese, die zum Beispiel von Bernard S. Bachrach unterstützt wird, geht davon aus, dass Gerberga mit den Grafen von Vienne verwandt war.
Zwischen 960 und 965 heiratete Adelheid im Alter von nur 12 bis 15 Jahren Étienne de Brioude, Graf von Gévaudan, einen der mächtigsten Herrscher im östlichen Aquitanien. Mit ihm hatte sie vier Kinder:
Pons I. († zwischen dem 21. Januar 1016 und 1018), ab 1011 Graf von Gévaudan und Forez
Étienne, 996 bis 998 Bischof von Puy
Humberga (auch Ermengarde genannt), ⚭ Wilhelm von Clermont
Nach dem Tod ihres ersten Mannes kurz vor 975 heiratete sie Raymond, Graf von Toulouse und Fürst von Gothien, der um 978 verstarb und sie erneut zur Witwe machte. Mit ihm hatte sie den gemeinsamen Sohn
Wilhelm III. Taillefer († September 1037), Graf von Toulouse
⚭ 1) Arsinde (vielleicht Arsinde von Provence)
⚭ 2) zwischen 1008 und 1021 Emma von Provence
Ihre 982 geschlossene Ehe mit dem späteren König Ludwig V. blieb kinderlos.
Nachdem sie ihren königlichen Gemahl verlassen hatte, heiratete sie ein viertes Mal. Der Bräutigam war Wilhelm I., Graf von Arles und Markgraf von Provence. Aus dieser Verbindung entstammten folgende Kinder:
Wilhelm II. von Provence († 4. März 1019), 994 bis 1019 Graf von Provence, ⚭ um 1013 Gerberga von Burgund, Tochter des Grafen Otto Wilhelm von Burgund
Konstanze von Provence († 25. Juli 1034), ⚭ König Robert II. von Frankreich, als dessen dritte Frau
Darüber hinaus führt die Literatur weitere mögliche Kinder Adelheids an, die aber bisher nicht zweifelsfrei als ihre Nachkommen belegt werden konnten und in der Literatur auch unterschiedlichen Vätern zugeordnet werden. Lediglich die vorstehend genannten fünf Söhne und zwei Töchter stehen mit Sicherheit fest. Denkbare weitere Kinder Adelheids sind:
Almodis († zwischen 1005 und 1010)
⚭ 1) Aldebert I. († 997), Graf von La Marche