Addis Abeba ([aˈdɪs ˈa[ː]beba auch aˈbeːba], auch Addis Ababa; amharisch አዲስ ፡ አበባ [adˈdiːs ˈaβəβa] , umgangssprachlich [adˈdːis ˈaβa], ‚Neue Blume‘) ist die Hauptstadt von Äthiopien. In der Sprache der Oromo wird die Stadt Finfinne oder Shaggar genannt. Addis Abeba ist Sitz der UN-Wirtschaftskommission für Afrika und des Hauptquartiers der Afrikanischen Union.
Addis Abeba hat eine Fläche von etwa 530 km². Die nahezu im Mittelpunkt Äthiopiens befindliche Stadt liegt zwischen 2200 und 3000 Metern Höhe am Fuße des Bergs Entoto und ist damit die vierthöchstgelegene Hauptstadt der Welt und die höchstgelegene in Afrika.
Das Klima Addis Abebas ist aufgrund der Höhenlage warmgemäßigt (Typ Cwb), also subtropisches Hochlandklima, bestehend aus langen, warmen, humiden Sommern und kurzen, milden, trockenen Wintern. Die meisten Regenfälle fallen in den Monaten Juni bis September, die Wintermonate sind wesentlich trockener.
Bevor Addis Abeba gegründet wurde, hatte das Kaiserreich Abessinien längere Zeit keine feste Hauptstadt. Ab 1881 residierte Menelik II., damals noch König von Shewa, auf dem Berg Entoto in der Nähe des heutigen Addis Abeba. Dieses temporäre Lager in Zentraläthiopien hatte einige Vorzüge für Menelik II. Einerseits liegt der Ort südlicher als vorherige Hauptstädte, was ihm die Vereinigung des Südens mit dem Norden des Landes unter seiner Herrschaft erleichterte, andererseits hat der Ort historische Bedeutung als legendäre Residenz der mittelalterlichen Könige.
Im November 1886, während Menelik II. sich in entfernten Regionen des Landes aufhielt, verlegte seine Frau Taytu Betul das Lager von den Hügeln hinunter ins Tal an die Stelle, an der sich die Stadt heute befindet. Es wird berichtet, dass sie das Lager am Entoto wegen der niedrigen Temperaturen verließ und ihr der Ort in der Nähe der heißen Fel-Weha-Quellen geeigneter schien. Dieser Ort bot im Gegensatz zum Lager am Entoto ausreichend Platz für die Gründung einer Stadt, wie sie sich Menelik II. vorstellte. Nach seiner Rückkehr fand auch Menelik II. Gefallen an diesem Ort.
1889 wurde der erste Palast für den Kaiser Menelik II. dort erbaut, die erste Wasserleitung des Landes verlegt, und in einer Rundhütte, einem Tukull, wurde das erste Telegraphenamt eingerichtet. 1892 benannte Menelik II. die Stadt Addis Abeba, „Neue Blume“, und machte sie zur Hauptstadt von Abessinien. Nach der Etablierung des Palasts siedelten sich auf Befehl des Kaisers Militärführer des Reiches zusammen mit ihren Hausständen und Gefolgen in der Umgebung an. Dabei entstanden dorfartige Militärsiedlungen, die sogenannten Sefers. Addis Abeba hatte in dieser Phase die Gestalt einer weit gestreuten Dorflandschaft. Aus vielen Sefers entwickelten sich später Stadtteile der modernen Stadt. Die erste Bank, damals Bank of Abyssinia, wurde 1905 gegründet, 1908 die erste Schule, 1910 das erste Krankenhaus, 1911 die erste Druckerei. 1898 gab es das erste Kino, im Volksmund Yä-Šäyṭan Bet (Teufelshaus) genannt.
Infolge des Abessinienkriegs wurde die Stadt am 5. Mai 1936 von italienischen Truppen unter dem Befehl von Pietro Badoglio besetzt und infolgedessen Teil von Italienisch-Ostafrika. Aus dieser Phase stammen neben einigen noch heute sichtbaren Gebäuden im italienischen Stil auch Veränderungen in der Stadtgliederung. Insbesondere wurde der Markt von der Stadtmitte an den Rand in den heute Merkato genannten Bereich verlegt. Nach dem gescheiterten Attentat des äthiopischen Widerstandes gegen den italienischen Generalgouverneur Rodolfo Graziani begingen die Faschisten zwischen dem 19. und 21. Februar 1937 das Massaker Yekatit 12. Im Zweiten Weltkrieg eroberten am 5. April 1941 britische Truppen die Hauptstadt der italienischen Kolonie Abessinien. Einen Monat später kehrte Kaiser Haile Selassie I. aus seinem Exil nach Addis Abeba zurück.
In Addis Abeba leben alle Volksgruppen des Landes. Die Bevölkerungsmehrheit in der Stadt stellen die Amharen mit einem Anteil von ca. 60 % (Stand: Zensus 2011).
Seit 1950 hat sich die Bevölkerung der Stadt nahezu verzehnfacht. Addis Abeba gehört damit zu den am schnellsten wachsenden Städten der Welt. Grund hierfür ist vor allem die Migration aus den ländlichen Regionen Äthiopiens, denn Addis Abeba hat mit nur 1,4 Kindern pro Frau die niedrigste Fertilitätsrate des ganzen Landes. Bis 2050 wird mit einem Ansteigen der Einwohnerzahl auf 13,2 Millionen gerechnet.
Addis Abeba wird in 10 Sub Cities (Stadtteile bzw. Stadtbezirke, amharisch ክፍለ ከተማ kǝflä kätäma) und 99 Kebeles aufgeteilt. Die Sub Cities haben eigene Verwaltungsstrukturen; ihnen untergeordnet bilden die Kebeles die kleinste Verwaltungseinheit der Stadt.
Addis Abeba ist heute nicht nur politische Hauptstadt, sondern auch das wirtschaftliche und soziale Zentrum Äthiopiens. Breite Boulevards durchziehen die Stadt, mehrstöckige Gebäude finden sich neben traditionellen ein- oder zweistöckigen Häusern, offenen Plätzen und Waldgebieten, die vornehmlich mit Eukalyptusbäumen bewachsen sind. Aufgrund der hohen Lage ist das Klima in Addis Abeba mild. Addis Abeba verfügt über eine Universität, die 1950 gegründet wurde, über Kunst- und Musikschulen sowie einige Forschungseinrichtungen. Seit den 1950er Jahren wird die Stadt als inoffizielle Hauptstadt Afrikas angesehen und wurde nicht zuletzt deswegen 1958 Sitz der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Afrika (United Nations Economic Commission for Africa, UN/ECA) und 1963 Sitz der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU, seit 2002 Afrikanische Union, AU). In Addis Abeba befinden sich zudem über 90 Konsulate.
Im Jahr 2024 ließ der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed unter dem Namen Chaka Project den Bau eines neuen Präsidentenpalastes mitsamt eigener Satellitenstadt (ein insgesamt 500 Hektar großes Areal, „größer als Windsor, das Weiße Haus, der Kreml und die Verbotene Stadt zusammen“) für angeblich zehn Milliarden US-Dollar in Addis Abeba beginnen.
Als Weltstadt bietet Addis Abeba eine große Auswahl von Hotels, von internationalen Luxushotels bis zu günstigen Angeboten.
Abseits der Geschäftsviertel ist die Armut in Addis Abeba sehr präsent. Wurde die Stadt in den 1950er Jahren noch mit Vororten europäischer Großstädte verglichen, die weiträumig und voller Gärten und Bungalows waren, so änderte sich dieses Bild seit den 1960er Jahren. Die Stadt begann rasant zu wachsen, und die Versorgung mit Wasser und Elektrizität hielt nicht Schritt. Viele Bewohner Addis Abebas haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und die Mehrzahl der Haushalte verfügt über keinen privaten Wasseranschluss, sodass sie auf öffentliche Wasserverteilstellen, öffentliche Brunnen oder auf Flüsse, die durch die Stadt fließen, angewiesen sind. 2020 verfügten nur 8,9 % der Gesamtbevölkerung über Zugang zu Sanitäranlagen, sodass viele Bewohner oftmals einige hundert Meter entfernte öffentliche Latrinen benutzen müssen. Die Kanalisation ist für die Größe der Stadt unzureichend ausgebaut und viele Wasserstellen, insbesondere an Flüssen in der Stadt, sind durch Industrieabfälle und Fäkalien verschmutzt. Die Folgen des unzureichenden Zugangs zu sauberem Trinkwasser und sicheren sanitären Anlagen sind für eine Vielzahl von auftretenden Krankheiten verantwortlich und führen zu einer hohen Säuglingssterblichkeit.
In der Stadt gibt es viele Bettler, darunter auch einige, die im Bürgerkrieg verletzt wurden. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten haben viele Einwohner nur eingeschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung. Obwohl Armut weit verbreitet ist, gilt die Stadt allgemein als relativ sicher mit einer geringen Anzahl schwerer Straftaten. Zu den häufiger gemeldeten Vorfällen zählen kleinere Delikte wie Taschendiebstahl.
Als Abfall fallen nur etwa 0,15 kg pro Tag und Einwohner an, da vieles wiederverwertet wird und Ziegen und andere Tiere viele der organischen Abfälle fressen. Seit über 50 Jahren betreibt die Stadt die Müllkippe Koshe („Schmutz“) als Hauptentsorgungsort. Am 11. März 2017 rutschte ein Teil des Müllbergs ab und verschüttete Dutzende Hütten am Fuß der Halde und im angrenzenden Armenviertel. Mit Baggern wurde nach Verschütteten – überwiegend Menschen, die im Müll nach Verwertbarem suchten – gegraben, nach zwei Tagen wurden „mindestens 65 Tote“ bilanziert, nach sechs Tagen 113. Die Stadtverwaltung errichtet bereits eine neue Müllhalde, die jedoch noch nicht in Betrieb ist. Die Halde Koshe war schon einige Zeit geschlossen, wurde jedoch wieder eröffnet, da sich Bauern gegen eine andere geplante Halde wehren.