Adachi Hatazō (jap. 安達 二十三; * 17. Juni 1890 in Tokio; † 10. September 1947 in Rabaul) war ein Generalleutnant der Kaiserlich Japanischen Armee. Als General kommandierte er Truppen im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg und im Pazifikkrieg und machte sich dort als sehr um das Wohl der ihm unterstellten Soldaten besorgter Befehlshaber einen Namen. Nach der Kapitulation Japans wurde er interniert und im Jahr 1947 als Kriegsverbrecher angeklagt. Nachdem er die Verantwortung für durch unter seinem Befehl stehende Truppen begangene Kriegsverbrechen auf sich nahm, wurde er im Juli 1947 zu lebenslanger Haft verurteilt. Bevor er in ein Kriegsverbrechergefängnis in Japan überstellt werden konnte, erhängte er sich im September 1947 in seiner Zelle in Rabaul, laut seinen Abschiedsbriefen aus Schuldgefühlen gegenüber den unter seinem Kommando gestorbenen Soldaten.
Adachi wurde als fünfter von sechs Söhnen in eine verarmte Samurai-Familie in Tokio geboren. Er hatte außerdem noch sieben Schwestern. Sein Geburtsjahr, 1890, war das 23. Regierungsjahr des Tennō Meiji, weshalb sein Vater die Kanji für 23 für den Vornamen seines Sohnes, Hatazō, auswählte, ähnlich bei seinen fünf Brüdern. Hatazōs Vater hatte nach dem Niedergang der Samurai eine Stelle als Berufsoffizier angetreten, wurde nach einer Tuberkulose-Erkrankung jedoch ausgemustert und aus dem Dienst entlassen, wodurch die Familie in langanhaltende finanzielle Schwierigkeiten geriet. Der Vater erzog alle seine Söhne sehr streng und war darauf bedacht, ihnen die traditionellen Werte der Samurai wie Loyalität, Tapferkeit und Selbstaufopferung nahezubringen. Durch diese Erziehung entschied Adachi sich bereits früh, eine Militärlaufbahn einzuschlagen, und tendierte hierbei zur Marine. Da die Marine ihre Offiziersanwärter zu dieser Zeit jedoch ausschließlich aus Absolventen der Mittelschulen rekrutierte und die Adachis nicht genügend Geld besaßen, um ihre Söhne auf eine solche zu schicken, entschloss er sich stattdessen, zum Heer zu gehen. Dieses rekrutierte seine Kadetten zu etwa einem Drittel aus den Absolventen ihrer eigenen Kadettenanstalten, an welchen die Ausbildung kostenlos war. Er schaffte die Aufnahmeprüfungen für einen der jährlich 300 Plätze als Einundzwanzigster und wurde damit an der Kadettenanstalt in Tokio aufgenommen. Da sein Vater ein ehemaliger Offizier war, musste er für Hatazō nur eine verminderte Schulgebühr zahlen, was die Ausbildung überhaupt erst ermöglichte. An diesen Kadettenanstalten wurde neben harter physischer Ausbildung und Züchtigung auch Wert auf eine kulturelle Ausbildung gelegt, um die Offiziere im Umgang mit höheren Bevölkerungsschichten zu trainieren. Diese Ausbildung weckte bei Adachi ein starkes Interesse an Tanka und Kalligraphie, welche er zeit seines Lebens praktizierte. Darüber hinaus entwickelte er eine Leidenschaft für das Reiten. 1906 schloss er die Kadettenanstalt ab und wechselte an die Heeresoffizierschule in Tokio, welche aufgrund einer geplanten Vergrößerung des Heeres auf 25 Divisionen die Aufnahmezahlen stark erhöhte. Die Ausbildung in dieser Zeit, unmittelbar nach dem Ende des Russisch-Japanischen Krieges, galt als besonders hart, da viele der Ausbilder Veteranen des Krieges waren, welche die während des Konfliktes aufgetretenen Schwächen der Armee durch hartes Training und eine fordernde Ausbildung ausmerzen wollten. Im Jahr 1910 schloss Adachi den insgesamt 22. Jahrgang an der Heeresoffizierschule gemeinsam mit 720 weiteren angehenden Offizieren ab und erhielt den Rang eines Leutnants. Wie ein Großteil der Absolventen entschied er sich für den Dienst bei der Infanterie und konnte dort aufgrund seiner Größe von 1,78 m und seines guten Abschlusses einen Posten beim 1. Garderegiment der 1. Division der Kaiserlichen Garde antreten. Bei dieser Einheit versah Adachi den üblichen Dienst von Berufsoffizieren, die einen schnellen Aufstieg durch die Ränge anstrebten, wie die Übernahme zunehmend größerer Kommandos, Drill und Stabsausbildung. Nach drei Jahren, was eine übliche Zeitspanne darstellte, wurde er im Dezember 1913 zum Oberleutnant befördert, im April 1920 folgte die zum Hauptmann. Mit fast sieben Jahren zwischen den Beförderungen erfolgte diese bei Adachi etwa ein Jahr später als üblich, wobei keine Gründe wie Verfehlungen oder ähnliches bekannt sind. Im März 1926 folgte schließlich, erneut nach der üblichen Zeit, die Beförderung zum Major.
Während seiner Zeit bei der Kaiserlichen Garde entwickelte Adachi das enge Verhältnis zu den ihm untergebenen Soldaten, welches später oft als bezeichnend für seinen Führungsstil genannt wurde. Zur damaligen Zeit war es unter Offizieren üblich, einfache Soldaten nur für sich zu nutzen und sich nicht für deren Belange zu interessieren. Adachi konzentrierte sich im Gegensatz dazu darauf, möglichst selbst mit gutem Beispiel voranzugehen und seinen Männern so ein Vorbild zu sein. Darüber hinaus entwickelte er während des häufigen Ausgangs, den Offiziere der Kaiserlichen Garde genossen, eine Vorliebe für warmen Sake. Obwohl dies zu häufiger Trunkenheit führte, galt Adachi auch in diesem Zustand als besonnen und nicht den Dienst vernachlässigend. Den bleibendsten Eindruck hinterließ er während seiner Zeit beim 1. Garderegiment dadurch, dass er das Lesen zum Zweck der Fortbildung und Horizonterweiterung unter dessen Offizieren populär machte.
Im Jahr 1920 bestand Adachi die Aufnahmeprüfungen für die Kaiserliche Heereshochschule und ließ sich dort bis November 1922 ausbilden. Seinen Abschluss machte er als 21. von 67 Absolventen. Nach einem Pflichtjahr als Kompanieführer bei der Kaiserlichen Garde ließ er sich in den Generalstab versetzen und diente dort auf verschiedenen Positionen. Hierzu zählte unter anderem eine kurzzeitige Verwendung beim Marinegeneralstab. 1927 erhielt er ein zwölfmonatiges Stipendium zur Forschung an der Heereshochschule, welches er zur Erforschung von Eisenbahnlogistik im Krieg nutzte. Durch seine Forschungsarbeit erhielt er im Anschluss verschiedene Verwendungen im Marinegeneralstab, in welchen er sich mit den Themen Mobilmachung und Verbundene Operationen beschäftigte. Nach einer Beförderung zum Oberstleutnant im Jahr 1930 verließ er den Marinegeneralstab im September 1932 und begab sich auf eine sechsmonatige Reise nach Europa, um die dortigen Eisenbahnsysteme zu studieren. Nach seiner Rückkehr wurde er im April 1933 auf den Posten des für die Eisenbahnanlagen zuständigen Offiziers zur Kwantung-Armee versetzt, wo er die Koordination der militärischen und zivilen Anforderungen an die Eisenbahn übernahm. Aufgrund seiner guten Leistungen auf dieser Position erhielt er im August 1935 die Beförderung zum Oberst und wurde als Stabschef zur Abteilung für Eisenbahn und Schifffahrt im Generalstab in Tokio versetzt. In die Zeit dieses Kommandos fiel am 26. Februar 1936 ein Putschversuch in Tokio, in welchen Adachi, der als in den verschiedenen politischen Fraktionen des Militärs zu dieser Zeit nicht interessiert galt, nicht involviert war.
Im Dezember 1936 übernahm Adachi den Befehl über das 12. Infanterieregiment der 11. Division, welches eine für amphibische Angriffe ausgebildete Einheit und Teil einer schnellen Eingreiftruppe des Heeres war.
Zweiter Japanisch-Chinesischer Krieg
Nach seiner Beförderung zum Oberst 1934 übernahm Adachi im Dezember 1936 sein erstes Kommando über das 12. Infanterieregiment. Während der Schlacht um Shanghai im kurz zuvor ausgebrochenen Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg machte er sich einen Namen, indem er seine Truppen im am stärksten umkämpften Abschnitt von vorderster Front aus führte. Sein Regiment litt in den Kämpfen, genau wie die ihm überstellte 11. Division, deren Verluste in der Schlacht um Shanghai bei etwa 65 % lagen. Beim weiteren Vormarsch ins Landesinnere erlitt Adachi auf einer Patrouillenfahrt im September durch Granatsplitter Verletzungen in Gesicht, Nacken und Oberschenkel. Die Verwundungen schränkten die Beweglichkeit seines rechten Beines dauerhaft ein.
Im März 1938 wurde Adachi zum Generalmajor befördert und eine Zeitlang bei der Kwantung-Armee eingesetzt. Im November des Jahres übernahm er den Befehl über die 26. Infanteriebrigade, mit der er in Nordchina gegen vorwiegend kommunistische Guerillaeinheiten vorging. Einhergehend mit der Beförderung zum Generalleutnant wurde er im August 1940 Oberbefehlshaber der 37. Division, die in Shanxi ebenfalls gegen kommunistische Einheiten vorging. Mit dieser Division nahm er an der Schlacht um Süd-Shanxi teil. Ab November war er für 12 Monate bis zum November 1942 Stabschef der Regionalarmee Nordchina. Während seiner Zeit in Nordchina erreichte die Taktik der verbrannten Erde dort einen Höhepunkt. Es wurde versucht, durch die exzessive Zerstörung von Infrastruktur und landwirtschaftlichen Produktionsbetrieben die mit einer Guerillataktik kämpfende Chinesische Rote Armee auszuhungern.