An diesem Tag

Abrüstung

Vereinbarte Reduzierung militärischer Potenziale

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Abrüstung (englisch Disarmament) bezeichnet die Begrenzung, Reduzierung oder Abschaffung militärischer Potenziale, einschließlich Soldaten, Waffen, Sprengköpfen, Waffensystemen und Trägermitteln. Sie betrachtet militärische Mittel als potenzielle Gefahren für die Sicherheit und vermittelt eine kritische Sicht auf Rüstung.

Das Konzept der Abrüstung zielt auf die teilweise oder vollständige Abschaffung militärischer Ressourcen oder Mittel ab, um die zwischenstaatliche Gewaltanwendung einzudämmen oder auszuschließen. Es fordert die Begrenzung oder Vernichtung von Waffen.

Ein Staat kann die Entscheidung zur Abrüstung einseitig treffen. Ebenso ist eine bilaterale Entscheidung zwischen zwei Staaten oder eine multilaterale Entscheidung zwischen mehreren Staaten möglich.

Abrüstung soll die Durchsetzung des Gewaltverbots gemäß Artikel 2 (4) der Charta der Vereinten Nationen fördern. Es besteht jedoch keine Pflicht zur vollständigen Abrüstung.

Abrüstung steht der Aufrüstung gegenüber – oder umgekehrt.

Abrüstung als Teil der Rüstungskontrolle

Heutzutage ist Abrüstung Teil des weiter gefassten Begriffs und Konzepts der Rüstungskontrolle (englisch arms control). Letztere hat – im Vergleich zur älteren Vorstellung der Abrüstung – das übergeordnete Ziel, die Sicherheit zu erhöhen, wobei Waffen und Militär als Tatsache anerkannt werden. Die gegenseitige Kontrolle (durch Inspektion und Verifikation) soll den Bau neuer Waffen eingrenzen bzw. verhindern. Die Methoden sind ebenso notwendig, um die Einhaltung der Verträge (Compliance) zu gewährleisten und die Abrüstung von Waffen zu bestätigen.

Rüstungskontrolle zielt auf die Reduzierung von Bedrohungen, die Förderung der Stabilität, die Verhinderung bzw. Eindämmung des Aufrüstens (Wettrüsten) und der damit verbundenen Kosten sowie die Begrenzung von Schäden im Konfliktfall ab. Im Gegensatz zur Abrüstung zielt die Rüstungskontrolle somit darauf ab, Sicherheit umfassender zu gewährleisten. Statt Konfliktlagen zu beseitigen, zielt sie darauf ab, die Gefahren militärischer Auseinandersetzungen durch Stabilisierungsmaßnahmen in der Rüstungspolitik und -technik zu reduzieren. Dies kann beispielsweise in Form einer kooperativen und kontrollierten Rüstungsproduktion zwischen konkurrierenden Staaten erfolgen.

Abrüstung durch technologischen Fortschritt

Abrüstung kann auch intrinsisch erfolgen, beispielsweise durch technologische Fortschritte in der Wehrtechnik oder in verwandten Bereichen. So wurden beispielsweise die meisten Schlachtschiffe aus dem Bestand der Seestreitkräfte ausgemustert und durch moderne Flugzeugträger, Fregatten und U-Boot-Verbände ersetzt. Ein anderes Beispiel ist die britische und strategische V-Bomber-Flotte, deren Abschreckungswirkung durch die verbesserten Abwehrsysteme der UdSSR stark beeinträchtigt wurde. Bis heute setzt Großbritannien auf eine Abschreckung durch Atom-U-Boote und See-basierte Interkontinentalraketen (SLBM) und musterte die V-Bomber nach und nach aus. Ähnliche Entwicklungen zeichneten sich auch bei Interkontinentalraketen (ICBM) ab. Technologisch hat man sich von der Technik der V2 (A4) bis heute zu hochmodernen ICBMs wie der Minuteman III weiterentwickelt.

Abrüstung, Demobilisierung und Wiedereingliederung

Einige Staaten und Organisationen führen sogenannte Reintegrationsprogramme durch, die darauf abzielen, ehemalige Soldaten (Veterane), die oft ein Leben lang unter den Folgen einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden, in die zivile Gesellschaft zurückzuführen. Sowohl die Abrüstung im Sinne einer militärischen Entdoktrinierung als auch die Reintegration stehen jedoch vor zahlreichen Herausforderungen.

Die politischen Programme zu diesem Thema laufen im Rahmen einer Strategie zur englisch Disarmament, Demobilisation and Reintegration (DDR) ‚Abrüstung, Demobilisierung und Wiedereingliederung (ADW)‘.

Als Problem im Zusammenhang mit Abrüstung werden häufig deren ökonomische Folgen gesehen. Staaten mit hoch entwickelter Rüstungsindustrie sind schwer zur Rüstungskonversion zu bewegen. Andererseits wird aufgrund eingesparter Rüstungsausgaben eine „Abrüstungs-“ oder „Friedensdividende“ erwartet.

Für die Kosten der Rüstung, siehe Militärökonomie.

Geschichte der nuklearen Abrüstung

Die Abrüstung im nuklearen Zeitalter begann 1946 mit dem Versuch, die Atomenergie (und speziell die Atomwaffen) zu regulieren bzw. zu kontrollieren. Dieses frühe Vorhaben, der sogenannte Baruch-Plan, ist jedoch gescheitert. Erst 1968 trat der Atomwaffensperrvertrag in Kraft, der die Verbreitung von Atomwaffen verhindern soll. Die Idee der Abrüstung entwickelte sich unter den Bedingungen der Abschreckungspolitik während des Kalten Krieges weiter.

Trotz ihrer langjährigen Tätigkeit für Atomwaffen haben sich zahlreiche renommierte Physiker und Wissenschaftler seit der Detonation von Trinity und den sich daraus ergebenden Folgen (wie den Abwürfen in Japan und der Atomrüstung) für die Abrüstung und Nichtverbreitung ausgesprochen. Dazu zählen Robert Oppenheimer, Herbert York, Ted Taylor, Frank Barnaby, Sidney Drell, Andrei Sakharov, Linus Pauling usw. (Siehe auch die Union of Concerned Scientists oder die Federation of Atomic Scientists.)

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