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Abd ar-Rahman Sanchuelo

Letzte Amiride in Córdoba (regierte 1008–1009)

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Abd ar-Rahman Sanchuelo (arabisch عبد الرحمن شنجول, DMG ʿAbd ar-Raḥmān Šanǧūl; * um 983 in Córdoba; † 3. März 1009 ebenda) entstammte als Sohn Almansors der Dynastie der Amiriden und war als Hajib (Erster Minister) von Oktober 1008 bis zu seinem gewaltsamen Tod vier Monate faktischer Alleinherrscher für den Umayyaden-Kalifen Hischam II. im Kalifat von Córdoba. Als er sich von Hischam II. zu dessen Nachfolger proklamieren ließ und anschließend einen Feldzug gegen König Alfons V. von León unternahm, kam es in Córdoba unter der Führung des Umayyaden Muhammad II. al-Mahdi zu einem Aufstand. Beim Rückmarsch wurde Abd ar-Rahman von seinem Heer verlassen und von Emissären al-Mahdis getötet.

Abd ar-Rahman war der Sohn des bedeutenden Amiriden Almansor und dessen christlicher Gattin, der Tochter des Königs Sancho II. von Navarra, die ihren Taufnamen Urraca nach ihrem Übertritt zum Islam in Abda änderte. Nach seinem Großvater erhielt Abd ar-Rahman seinen Beinamen Sanchol (d. h. der kleine Sancho), weil er diesem sehr ähnlich gesehen haben soll. Spätere Autoren änderten diesen Beinamen in Sanchuelo ab, unter dem Abd ar-Rahman seither bekannt ist. Sein Vater Almansor übte faktisch allein die Regierung aus, erkannte aber formell die Oberhoheit des Kalifen Hischam II. an. Über Sanchuelos Kindheit ist fast nichts bekannt, doch dürfte er sie in der von seinem Vater neu errichteten Residenz az-Zahira („die Blühende“) am Stadtrand Córdobas verbracht haben. Damals verschlechterten sich Almansors Beziehungen zu Sancho II., woraufhin er 989, 991 und 992 Einfälle in das Reich des navarresischen Königs unternahm. Sancho musste sich im September 992 nach Córdoba begeben und Almansor öffentlich huldigen. Nach dem Bericht des im 14. Jahrhundert lebenden arabisch-andalusischen Historikers Ibn al-Chaṭīb ritt der etwa neunjährige Sanchuelo seinem Großvater mit großem militärischem Pomp entgegen. Sancho soll bei dieser Gelegenheit die Hände und Füße seines kleinen Enkels geküsst haben.

Almansor förderte die kriegerische Ausbildung Sanchuelos und dessen älteren Bruders Abd al-Malik al-Muzaffar. Um 995 griffen christliche navarresische Truppen das in muslimischem Besitz befindliche Calatayud an und erschlugen zahlreiche Einwohner sowie den Bruder des dortigen Statthalters Hakam ibn ‘Abd al-Aziz al-Tuyibí. Der darüber empörte Almansor befahl als Vergeltung die Tötung von etwa 50 von ihm auf einem früheren Feldzug gegen Sancho II. in Uncastillo gefangen genommenen Kriegern und Verwandten des navarresischen Königs, die er in Córdoba in Geiselhaft hielt. Laut einem versifizierten Bericht von Almansors Hofdichter Ibn Darraj al-Qastalli schnitt Sanchuelo eigenhändig einem der Gefangenen, der sein Onkel war, die Kehle durch.

Im Sommer 997 nahm Abd ar-Rahman als etwa 14-Jähriger am Feldzug seines Vaters gegen Santiago de Compostela teil. Ibn Darraj beteiligte sich ebenfalls an dieser Militäraktion und feierte in einem Gedicht Sanchuelos dabei vollbrachten Taten. Auch in einem zweiten Gedicht referierte er Sanchuelos Taten, daneben ebenso jene von dessen Bruder Abd al-Malik. Darin erwähnt er die von den Brüdern angerichteten Verwüstungen zwischen der Stadt Lamego und dem Küstengebiet, das vom Rio Vouga und der Bucht Ría de Arousa begrenzt ist. Im Juli 1000 sah sich Almansor in der Schlacht bei Cervera einer starken Armee einer Koalition christlicher iberischer Herrscher gegenüber. Seine eigenen Streitkräfte gerieten in Bedrängnis, woraufhin er eine Umgruppierung vornahm. Auf seine Weisung begaben sich auch seine Söhne Abd al-Malik und Abd ar-Rahman, die bisher nicht aktiv am Kampfgeschehen teilgenommen hatten, als Kommandanten zu ihren Fronttruppen. Dies berichtet der arabisch-andalusische Historiker Ibn Hayyan, dessen Vater in der Schlacht mitgekämpft hatte. Letztlich errang Almansor einen deutlichen Sieg.

Bei Almansors Tod im August 1002 in Medinaceli waren seine Söhne Abd al-Malik und Abd ar-Rahman anwesend. Almansor bestimmte Abd al-Malik zu seinem Nachfolger und riet ihm, Sanchuelo als Kommandanten der lokalen Truppen zurückzulassen und nach Córdoba zu eilen, um sich vom Kalifen Hischam II. die unumschränkten Machtbefugnisse als Hajib (Erster Minister) übertragen zu lassen, bevor sich Widerstand gegen ihn regen konnte. Abd al-Malik folgte diesem Rat und fand den regierungsunwilligen Kalifen auch bereit, ihn zum Hajib zu ernennen. Nach Unterdrückung anfänglicher Proteste konsolidierte er seine Autorität. Während seiner sechsjährigen Herrschaft unternahm er sieben oder acht Feldzüge gegen christliche Reiche. Aus den erhaltenen Quellen geht hervor, dass Sanchuelo an der von Ende Oktober bis Mitte Dezember 1007 dauernden Militärexpedition seines Bruders teilnahm. Dabei eroberte Abd Al-Malik die Festung San Martin nach hartnäckiger Belagerung und befahl Sanchuelo und seinem Offizier Safi, die im Innenhof des Forts versammelten gefangenen Verteidiger töten sowie Frauen und Kinder als Sklaven unter seine Soldaten verteilen zu lassen. Während eines Feldzugs im Sommer 1008 gegen den kastilischen Grafen Sancho García erkrankte Abd al-Malik schwer und starb am 20. Oktober 1008. Nach bald darauf in Córdoba kursierenden Gerüchten soll er von Sanchuelo vergiftet worden sein.

Nach Abd al-Maliks frühem Tod am 20. Oktober 1008 versammelte der etwa 25-jährige Abd ar-Rahman die höchsten Würdenträger des Hofs im Palast von az-Zahira und erreichte von ihnen die Anerkennung seiner Autorität als Nachfolger seines verstorbenen Bruders. Der Kalif Hischam II. übertrug ihm offiziell das Amt des Hajib und Ehrennamen, sodass Abd ar-Rahman sofort nach der Machtübernahme den Titel Al-Hajib al-Ma’mun al-Nasir ad-Dawla („Treuer Kanzler und Verteidiger der Dynastie“) trug. Von seinen Untertanen wurde er aber Sanchol (Sanchuelo) genannt. Am 21. Oktober 1008 gab er einen offiziellen Empfang und erhielt dabei den Treueeid der verschiedenen Klassen der Einwohner Córdobas. Seine Herrschaft war indessen äußerst unpopulär. Viele alteingesessene arabische Adelige und andere Bevölkerungsteile waren den Umayyaden treu ergeben und ertrugen die Herrschaft der Amiriden höchst ungern, insbesondere da Almansor zahlreiche Berber als Söldner zur Absicherung seiner Macht angeheuert hatte. Arabische Autoren charakterisierten Abd-ar-Rahman mit negativen Eigenschaften wie Trunksucht, Dummheit und ausschweifendem Leben. Gleich nach seiner Machtübernahme habe er sich betrunken mit Sängern herumgetrieben und ständigen Vergnügungen hingegeben. Der Chronist Ibn ʿIdhārī al-Marrākuschī zeiht ihn sogar der Gotteslästerung; denn Abd ar-Rahman habe einmal beim Aufruf des Muezzins zum Gebet geäußert, dieser hätte lieber zum Gang in die Taverne auffordern sollen.

In seinem Ehrgeiz ging Abd ar-Rahman über die Ansprüche seines Vaters und Bruders hinaus, indem er beabsichtigte, sich vom schwachen Kalifen Hischam II. zu dessen Nachfolger ernennen zu lassen. Zur Erreichung dieses Ziels soll er dem Kalifen für den Weigerungsfall gedroht haben. Vor allem aber sicherte er sich die Unterstützung zweier hoher Staatsbeamter und Anhänger der Amiriden, nämlich des Kadis von Córdoba, Ahmad ibn ‘Abd Allah ibn Dhakwan, und des Staatssekretärs Ahmad ibn Burd. Nach anfänglichem Widerstand seitens des Kalifen konnten ausgewählte Rechtsgelehrte dessen Zweifel, die Thronrechte der Umayyaden einem Emporkömmling abzutreten, zerstreuen. Die von Ahmad ibn Burd verfasste Urkunde der Investitur, die im November 1008 erfolgte, wurde von mehreren Autoren wie Ibn Chaldūn überliefert.

Durch seinen Griff nach dem Kalifentitel löste Abd ar-Rahman bei vielen seiner Untertanen großen Unmut aus. Ihnen missfiel, dass die Kalifenwürde von der nordarabischen Umayyaden-Dynastie auf einen Vertreter der südarabischen (jemenitischen) Familie Almansors übergehen sollte, der noch dazu der Enkel eines christlichen navarresischen Königs war. Dazu kam seine mangelnde Regierungsfähigkeit und die ihm unterstellte Irreligiosität. Die hauptsächlich aus Berbern und Slaven zusammengesetzte, gut bezahlte Armee stand jedoch zunächst loyal zum neuen Machthaber.

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