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Abchasien

Region im Kaukasus

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Abchasien [apˈxaːzi̯ən] (abchasisch Аԥсны Apsny; georgisch აფხაზეთი Apchaseti; russisch Abchasija) ist eine an das Schwarze Meer grenzende Region im Süden des Kaukasus, die als autonome Republik völkerrechtlich zu Georgien gehört, sich seit 1994 jedoch als unabhängige „Republik Abchasien“ betrachtet. Das 8.600 km² große, laut offizieller Schätzung von 2011 242.862 Einwohner zählende Gebiet hat eigene staatliche Strukturen ausgebildet, die sich unter dem Schutz Russlands der Souveränität Georgiens entziehen.

Als bisher einzige allgemein anerkannte Staaten haben seit 2008 Russland, Nicaragua, Venezuela und Syrien die Unabhängigkeit Abchasiens anerkannt. Alle anderen Staaten der Welt betrachten Abchasien als georgisches Gebiet und erkennen die in Georgiens Hauptstadt Tiflis amtierende Exilregierung der Autonomen Republik Abchasien als rechtmäßig an, auch wenn sie de facto keinen Einfluss in der Region besitzt.

Abchasien bildet zusammen mit den anderen von Russland durch so genannte eingefrorene Konflikte geschaffenen De-facto-Regimen Transnistrien und Südossetien die Gemeinschaft nicht-anerkannter Staaten, die sich wechselseitig in ihren Souveränitätsbestrebungen unterstützen.

Das für sein mildes Klima sowie für seine Kurorte und Strände bekannte Abchasien war zu Zeiten der Sowjetunion eines der beliebtesten inländischen Touristenziele.

Abchasien liegt südlich des Kaukasus an der Nordostküste des Schwarzen Meeres westlich des Flusses Enguri in Georgien. Das bis auf einen schmalen, landwirtschaftlich genutzten Küstenstreifen gebirgige Land erreicht im Dombai-Ulgen Höhen von über 4000 Metern. Im Arabika-Massiv liegen mit der Werjowkina-Höhle und der Woronja-Höhle die mit über 2000 Metern tiefsten bekannten Höhlen der Erde.

Dank dem Schutz durch die Gebirgszüge weist der Küstenstreifen ein subtropisches Klima auf, weswegen sich Abchasien in der Sowjetzeit zu einem beliebten Feriengebiet entwickelte. Das warme Klima begünstigt auch den Anbau von Tabak, Tee, Wein und Obst, sodass die Landwirtschaft sowie die Nahrungs- und Genussmittelindustrie zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen des Landes gehören.

Die de facto unabhängige Republik Abchasien besteht aus sieben Rajons und einer kreisfreien Stadt, der Hauptstadt Sochumi. Jeder Rajon verfügt über jeweils eine Bezirkshauptstadt.

In Abchasien gibt es (nach Definition der Regierung in Sochumi) neun Orte mit Stadtstatus, von denen sieben Rajonhauptstädte sind. Nach georgischem Recht sind zwei der Orte (gekennzeichnet mit *) keine Städte, sondern „Kleinstädte“ (daba, entsprechend den früheren Siedlungen städtischen Typs). Neben den unten gelisteten Städten gibt es noch mehrere andere Ortschaften, die teils höhere Einwohnerzahlen aufweisen, aber über keinen Stadtstatus verfügen, wie etwa Zandrypsch, Dranda, Bsybta oder Eschera.

Die Einwohnerzahl des Landes betrug im Jahr 2011 nach offizieller Schätzung etwa 241.000; der Anteil der namensgebenden Abchasen lag bei 50,8 %, jener der Georgier betrug 19,3 %, der der Armenier 17,4 % (siehe Armenier in Abchasien). Weitere bedeutende Minderheiten waren Russen (9,2 %), Ukrainer (0,7 %) sowie Griechen (0,6 %). Daneben leben in Abchasien noch einige Hundert Türken, Osseten, Abasinen und Esten. Im Vergleich zur Volkszählung von 2003 wuchs die Bevölkerungszahl bis 2011 um fast 12,5 %, sie liegt aber immer noch weit unter dem Wert von 1989.

Die letzte sowjetische Volkszählung von 1989 hatte noch eine Einwohnerzahl von etwa 525.000 ermittelt, davon waren 45,7 % Georgier, 17,8 % Abchasen sowie 14,3 % Russen und 14,6 % Armenier.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts stellten die Abchasen die große Mehrheit der Bevölkerung des Fürstentums Abchasien, einem Vasallenstaat des Osmanischen Reiches, dessen Bevölkerung mehrheitlich bereits vom georgisch-orthodoxen Christentum zum sunnitischen Islam konvertiert war. Lediglich in der südöstlichen Region Samurzakan, deren Zugehörigkeit mehrfach mit dem benachbarten Fürstentum Mingrelien wechselte, lebte eine gemischt mingrelisch-abchasische, zumeist christliche Bevölkerung, viele Bewohner der Region beherrschten beide Sprachen, weshalb sie für die russische Verwaltung später nur schwer „national“ zu kategorisieren waren. 1810 geriet das Fürstentum mit der russischen Einsetzung von Sefer Ali-Bey Scharwaschidse/Tschatschba (christlicher Name nach seiner Taufe Giorgi Scharwaschidse, Fürst 1810–21) zum Protektorat Russlands, 1864 wurde es von Russland mit Absetzung des Nachfolgers Micheil Scharwaschidse annektiert. Gegen den russischen Einfluss, die Annexion, aber auch gegen die unter russischem Einfluss verschärfte Leibeigenschaft kam es zu abchasischen Aufständen 1821–27, 1840–42, am Ende des Kaukasuskrieges bis 1864 gemeinsam mit benachbarten Tscherkessen, 1866/67, 1877/78, 1905–07 und 1918–21 (teilweise gegen Georgien, teilweise auch gegen Denikin und die Rote Armee). Nach Niederschlagung jedes dieser Aufstände flüchteten einige tausend bis einige zehntausend Abchasen als Muhadschire (Flüchtlinge) ins Osmanische Reich, fast immer Muslime. Die größten Fluchtwellen waren ca. 20.000 abchasische Flüchtlinge 1864–67 und nach dem größten Aufstand 1878 ca. 30–40.000. Nach den Forschungen des abchasischen Historikers Giorgi Dsidsarija in den 1970er/1980er Jahren flüchteten 1810–1921 bis zu 135.000 Abchasen und sprachlich nahestehende, nördlich benachbarte Abasinen ins Osmanische Reich, allein im 19. Jahrhundert etwas unter 100.000 Abchasen. Nach 1864 durften sie wegen der Widerstände, wie die Tscherkessen, nicht mehr die Gebirgsgebiete, nach 1878 auch nicht mehr die Hauptstadt Sochumi/Suchum und den 25-km-Umkreis bewohnen. Besonders in der Hauptstadt und Umgebung wurden damals Mingrelier (keine anderen Georgier), Armenier, Russen, Ukrainer, Esten, Aseris, Kurden u. a. angesiedelt. Die Ansiedlungsbeschränkungen für Abchasen wurden erst 1907 wieder aufgehoben.

Auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildeten die Abchasen noch über die Hälfte der Bevölkerung von Abchasien (damals „Okrug Suchum“). Im Laufe des 20. Jahrhunderts stieg nun wiederum die Zahl der Georgier (nicht nur Mingrelier), bedingt durch Migration, allerdings so stark an, dass sie bereits 1926 die größte Bevölkerungsgruppe stellten. Während die Zahl der Georgier innerhalb von knapp 100 Jahren von knapp 4.200 (1886) auf fast 240.000 im Jahr 1989 und damit fast um das Sechzigfache anstieg, wuchs die Zahl der Abchasen im selben Zeitraum lediglich von etwa 59.000 auf etwa 93.000 an. Besonders Ende des 19. Jahrhunderts verließen zudem zahlreiche, meist muslimische Abchasen das Land in Richtung des Osmanischen Reichs.

Bereits zur Zeit des Russischen Kaiserreichs begann eine georgische Migrationsbewegung in das damals dünn besiedelte Abchasien.

Die georgische Einwanderung nach Abchasien wurde in der Anfangszeit der Sowjetunion unter Lawrenti Beria und Josef Stalin gefördert, sodass die Georgier bereits in den 1920er Jahren zur größten Bevölkerungsgruppe in Abchasien wurden, dabei jedoch nie die Marke von 50 % der Gesamtbevölkerung erreichten. Auch Russen, Armenier, Ukrainer, Aseris und andere Bevölkerungsgruppen wanderten in großer Zahl nach Abchasien ein. Ebenfalls bedeutend war die griechische Minderheit in Abchasien, die 1939 über 11 % der Gesamtbevölkerung ausmachte.

Nach der Auflösung der Sowjetunion kam es im Verlauf des Sezessions­krieges zu ethnischen Säuberungen und Vertreibungen, die sich, besonders gegen Ende des Konflikts, hauptsächlich gegen Georgier richteten. 250.000 Bewohner Abchasiens, darunter zirka 200.000 Georgier, wurden vertrieben, mussten fliehen und kamen teilweise sogar bei Massakern ums Leben.

Nur ein relativ kleiner Teil der georgischen Bevölkerungsgruppe kehrte seit dem Ende des Bürgerkriegs wieder zurück. Die Zahl der Georgier in Abchasien wächst seit einigen Jahren jedoch wieder kontinuierlich an. Die meisten ethnischen Georgier leben im Südteil des Landes, besonders im Rajon Gali, wo sie mit einem Anteil von 98,2 % an der Bevölkerung die klare Mehrheit darstellen, sowie im Rajon Tkuartschal (62,4 %). Ein signifikanter Teil der Georgier gehört der Subethnie der Mingrelier an. Die Rajons Gali und Tkuartschal liegen in östlicheren Teilen der historischen Region Samurzakan, in denen schon im 19. Jahrhundert mehrheitlich Mingrelisch (als Schriftsprache Georgisch) verwendet wurde. Einer Schätzung von Wissenschaftlern der University of Colorado Boulder zufolge machen Mingrelier fast die Hälfte der georgischen Gemeinschaft Abchasiens aus.

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