An diesem Tag

Abū Yazīd Machlad ibn Kaidād

Aufstandsführer der Charidschiten in Ifriqiya

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Abū Yazīd Machlad ibn Kaidād (arabisch أبو يزيد مخلد بن كيداد, DMG Abū Yazīd Maḫlad b. Kaidād, * 874 in Gao; † 19. August 947) war ein berberischer Prediger und der Anführer des letzten großen Aufstands der Ibaditen in Ifrīqiya (943–947) gegen die Fatimiden. Er gehörte der ibaditischen Gruppierung der Nukkār an und war auch als „Esel-Herr“ (ṣāḥib al-ḥimār) bekannt, weil er auf einem Esel zu reiten pflegte. Er wurde im Jahr 947 hingerichtet. Die wichtigste Quelle zu Abū Yazīds Leben und seinen Aufstand ist der fünfte Band der Fatimidengeschichte ʿUyūn al-aḫbār wa-funūn al-āṯār des jemenitischen ismailitischen Geschichtsschreibers Idrīs ʿImād ad-Dīn al-Quraschī (gestorben 1467), die einen Augenzeugenbericht bewahrt hat. Er gibt die fatimidische Sicht auf die Ereignisse wieder, was auch darin zum Ausdruck kommt, dass Abū Yazīd an verschiedenen Stellen verflucht und als „der Daddschāl“ (ad-Daǧǧāl) bezeichnet wird.

Abū Yazīd war ein Berber vom Stamm der Ifran aus der Zanāta-Konföderation. Sein Vater Kaidād stammte aus der Gegend von Tozeur und Nafta in der Oasenregion des Chott el Djerid, die damals noch den antiken lateinischen Namen Castilia (Qasṭīlya) trug. Er war im Transsaharahandel tätig, vor allem auf der Route, die über Tadmakka in der zentralen Sahara nach Gao am Niger führte. In Tadmakka hatte er eine Konkubine namens Sabīka aus dem Stamm der Hawwāra, die ihn auch auf seinen Reisen begleitete. Sie gebar ihm im Jahre 874 den Sohn Abū Yazīd.

Abū Yazīds Vater kehrte mit ihm zu unbekannten Zeitpunkt nach Qītūn bei Tozeur zurück und starb bald darauf. Abū Yazīd lebte daraufhin als Waisenkind von den Almosen der Bevölkerung. Als Heranwachsender arbeitete er als Lehrer in den benachbarten Städten Tozeur, Qītūn und Taqyūs. Danach ging er in die Hauptstadt der ibaditischen Rustamiden nach Tāhert, wo er Knaben unterrichtete.

Im Jahre 909 unterwarf der fatimidische Propagandist Abū ʿAbdallāh asch-Schīʿī Tāhert, als er auf dem Weg nach Sidschilmāsa war, um al-Mahdī bi-Llāh (den ersten fatimidischen Imam Nordafrikas) zu befreien, und bereitete dem ibaditischen Imamat ein Ende. Abū Yazīd kehrte daraufhin in seine Heimat zurück und ließ sich in Taqyūs nieder, wo er ein Landgut kaufte. Hier wie auch in Touzeur betätigte er sich erneut als Lehrer.

Aktivität als Prediger und Wallfahrt nach Mekka

Im Jahre 922, während der Herrschaft von al-Mahdī bi-llah, (reg. 909–934) trat Abū Yazīd erstmals öffentlich als Prediger auf. In seinen Predigten erklärte er die nicht-ibaditische Muslime im Sinne des Takfīr für ungläubig und rief zum Aufstand gegen die fatimidische Herrschaft auf. Auch begann er mit Hisba-Aktivitäten und versammelte eine Gruppe von Männern um sich, die ihn verehrten. Aus der Chronik des ismailitischen Geschichtsschreibers Idrīs ʿImād al-Dīn geht hervor, dass Abū Yazīd as Prinzip von Walāya und Barā'a praktizierte: gegenüber den beiden ersten Kalifen Abū Bakr und ʿUmar ibn al-Chattāb übte er Walāya, von ʿUthmān ibn ʿAffān und ʿAlī ibn Abī Tālib sagte er sich dagegen los. Außerdem hielt er es für erlaubt, Kinder von Muslimen, die eine andere Auffassung als er hatten, zu versklaven.

Unmittelbar nach der Thronbesteigung von al-Qā'im bi-amr Allāh (reg. 934–946) wurde Abū Yazīd erstmals verhaftet, doch konnte er flüchten und entzog sich dem Zugriff der Obrigkeit durch eine Wallfahrt nach Mekka. 937 kehrte er heimlich nach Tozeur zurück. Nachdem man ihn denunziert hatte, wurde er vom fatimidischen Gouverneur ins Gefängnis geworfen. Sein alter Lehrer Abū ʿAmmār al-Aʿmā („der Blinde“), das Oberhaupt der Ibaditen im Aurèsgebirge, befreite ihn daraufhin bei einer dramatischen Aktion, an der vierzig Reiter teilnahmen. Zusammen mit seiner Frau und vier Söhnen floh Abū Yazīd in den Westen und fand Zuflucht bei Berbern westlich des Aurès. Vor allem unter den Stämmen der Zanāta, wie den Banū Ifrān und den Hauwāra, gewann Abū Yazīd in der Folge eine große Anhängerschaft. Er nannte sich fortan „Scheich der Muslime“ (šaiḫ al-muslimīn).

Sein Aufstand gegen die Fatimiden

Der Aufstand Abū Yazīds begann damit, dass er Ende Februar 944 den Versuch unternahm, die Festungsstadt Bāghāya an der alten Römerstraße einzunehmen. Allerdings scheiterte er damit, obwohl er die Stadt mehrfach belagerte und sich einige fatimidische Befehlshaber, wie zum Beispiel Saʿīd ibn Chalaf al-Hauwārī, ihm anschlossen. Daraufhin begann er andere wichtige Städte einzunehmen. So brachte er die Bevölkerung von Tebessa dazu, sich gegen eine Schutzerklärung (amān) zu ergeben, doch brach er anschließend sein Versprechen und gegen gewaltsam gegen die Bevölkerung vor. Danach wandte er sich gegen Marmādschanna und nahm auch diesen Ort ein. Hier schenkte ihm ein Mann einen Esel, auf dem er anschließend zu reiten pflegte, weswegen man ihn auch „den Mann auf dem Esel“ (ṣāḥib al-ḥimār) nannte. Abū Yazid trug in dieser Zeit gewöhnlich einen ärmellosen Umhang aus Wolle und eine weiße Mütze. Dieses asketische Auftreten erzeugte das Bild eines strengen, bescheidenen und frommen Anführers.

Am 8. August 944 zog Abū Yazīd vor die Stadt al-Urbus (nach anderer Vokalisierung al-Aribus) an der großen Römerstraße, die von Sousse an der tunesischen Küste über El Kef nach Westen führte. Hier setzte er die lokale Bevölkerung unter Druck, alle Orientalen (mašāriqa), d. h. Ismailiten und Staatsdiener mit ihren Anhängern und ihrem Vermögen auszuliefern. Der Chatīb und der Leiter des Gebets der Hauptmoschee wurden daraufhin ausgeliefert und von Abū Yazīd hingerichtet. Abū Yazīds berberische Soldaten drangen danach in die Stadt ein und töteten alle Ismailiten und Anhänger der Fatimidenherrschaft. Außerdem brandschatzten sie die Stadt und töteten viele ihrer Bewohner. Nach dem Bericht von Idrīs ʿImād ad-Dīn wurden diejenigen, die sich in die Hauptmoschee geflüchtet hatten, von den Soldaten getötet, bzw. die Mädchen vergewaltigt.

Erste Reaktionen der Fatimiden

Mit der Einnahme von al-Urbus hatte Abū Yazīd innerhalb von sechs Monaten einen militärischen Erfolg erzielt, für den der ismailitische Dāʿī Abū ʿAbdallāh asch-Schīʿī sieben Jahre gebraucht hatte. Der Verlust der Stadt versetzte den fatimidischen Hof in al-Mahdīya in Alarmbereitschaft. Die Berater des Kalifen al-Qā'im forderten diesen zur militärischen Reaktion gegen Abū Yazīd auf. Dies taten sie unter anderem mit Verweis auf die strategische Bedeutung von al-Urbus und das Schicksal der Aghlabiden, deren Dynastie nach dem Verlust von al-Urbus rasch untergegangen war. Man fürchtete daher, den Fatimiden könnte ein ähnliches Schicksal bevorstehen. Daraufhin sandte al-Qā'im seine Befehlshaber Muhammad ibn ʿAlī ibn Sulaimān und Tamīm al-Wasfānī nach Raqqāda, um die Stadt vor Angriffen Abū Yazīds zu schützen. Außerdem wurde Chalīl ibn Ishāq mit einem Heer von 1000 Reitern, das aus Soldaten des Dschund und Sklaven bestand, nach Kairouan geschickt. Buschrā al-Chādim wurde im Auftrag von al-Qā'im nach Bādscha geschickt, um sich dort gegen die Berber zu behaupten.

Als Abū Yazīd, der sich noch in al-Urbus befand, davon erfuhr, zog er mit seiner Armee Richtung Bādscha, wobei er seine Familie in al-Urbus zurückließ und Ibrahīm ibn Abī Salās als Befehlshaber seiner Truppen einsetzte. Anfänglich wurden Abū Yazīd und die Berber von Buschrā al-Chādim zurückgedrängt, letztendlich konnten sie aber den Kampf gewinnen und Bādscha einnehmen. Abū Yazīd ließ die Stadt drei Tage und Nächte lang brandschatzen. Dabei kam es nach dem Bericht von Idrīs ʿImād al-Dīn erneut zu Vergewaltigungen an Frauen, die sich in die Hauptmoschee der Stadt geflüchtet hatten. Angeblich sollen an dem Tag tausend Frauen geschwängert worden sein.

Buschrā al-Chādim floh anschließend nach Tunis, das von Hasan ibn ʿAlī regiert wurde, wobei er von den Berbern verfolgt wurde. ʿAmmār, Hasans Bruder, stellte sich seinen Verfolgern mit 300 Reitern entgegen und siegte. Buschrā al-Chādim und Hasan ibn ʿAlī wurden allerdings trotzdem zur Flucht nach Sousse gezwungen, als es in Tunis zu Unruhen kam.

Zur selben Zeit befand sich Abū Yazīd auf dem Weg nach Kairouan, um die Stadt anzugreifen. Chalīl ibn Ishāq, der Kommandant der Stadt, nahm die Bedrohung jedoch nicht ernst und hielt seine Soldaten in der Stadt. Er verließ sich auf eine Gruppe Berber vom Stamm der Zuwaila, die ihm versprochen hatten, Abū Yazīd zu töten. Auch als Abū Yazīd's Truppen kurz vor Kairouan standen, nahm Chalīl ibn Ishāq die Gefahr, die von ihnen ausging, nicht ernst. Einige von Chalīl's Soldaten waren unzufrieden, weil sie keine Bezahlung erhalten hatten und nahmen Kontakt mit Abū Yazīd auf. Am 14. Oktober 944 konnte Abū Yazīds Heerführer Aiyūb ibn Chairān az-Zuwailī ungehindert in die Stadt eindringen. Chalīl ibn Ishāq verschanzte sich zunächst in der Zitadelle, ergab sich aber schließlich mit seinen Anhängern, nachdem man ihm versprochen hatte sein Leben zu schonen. Letztendlich jedoch ließ Abū Yazīd Chalīl ibn Ishāq und den ismailitischen Qādī der Stadt Ahmad ibn Bahr auf Druck seiner Berater hinrichten. Kairouan wurde für zwei Jahre die Residenz von Abu Yazīd. Von hier aus erfolgte die Aufnahme von Kontakten zu den Umayyaden von Córdoba.

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