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Abū Musʿab az-Zarqāwī

Jordanischer Terrorist

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Abu Musab az-Zarqawi (arabisch أبو مصعب الزرقاوي Abū Musʿab az-Zarqāwī, DMG Abū Muṣʿab az-Zarqāwī), eigentlich Ahmad Fadeel al-Nazal al-Khalayleh bzw. Ahmad Fadil an-Nazzal al-Chalaila (أحمد فضيل النزال الخلايلة, DMG Aḥmad Faḍīl an-Nazāl al-Ḫalāyla; * 30. Oktober 1966 in Zarqa, Jordanien; † 7. Juni 2006 nahe Hibhib bei Baquba, Irak), war ein jordanischer Terrorist und Anführer der Terrororganisation al-Qaida im Irak. Während des Irakkriegs und der Besetzung des Iraks durch US-Truppen war er bis zu seinem Tod für zahlreiche Anschläge verantwortlich, insbesondere auf US-amerikanische und irakische Sicherheitskräfte und die schiitische Bevölkerung. Die US-Regierung setzte eine Belohnung von bis zu 25 Millionen US-Dollar auf Zarqawi aus. Zudem wurde er international von Interpol gesucht. Während Osama bin Laden den Kampf gegen die USA und ihre Verbündeten gegenüber innerislamischen Konflikten priorisierte, verfolgte Zarqawi eine stark antischiitische Strategie und versuchte, durch gezielte Angriffe auf Schiiten einen konfessionellen Konflikt im Irak zu entfachen.

Weitere Transliterationen, die im deutschen Sprachraum verwendet werden, sind al-Sarkawi, al-Zarkawi, al-Zarqawi, Abu Mussab Al Sarkaui.

Zarqawis Geburtsname lautete Ahmad Fadil Nazzāl al-Chalaila. Der von ihm später verwendete Name Zarqawi bezieht sich auf seinen Geburtsort, die jordanische Stadt Zarqa. Az-Zarqawi gehörte dem mächtigen jordanischen Stamm der Bani Hassan an und war nicht, wie oft behauptet, das Kind palästinensischer Flüchtlinge. Sein Vater war traditioneller Heiler und ehemaliger Freiwilliger aus dem Krieg von 1948, der bis zu seiner Rente als Standesbeamter und Schlichter in Streitfällen tätig war; seine tiefgläubige Mutter Dallah al-Chalaila, litt an Leukämie. Im Alter von 16 oder 17 Jahren brach er die Schule ab und war zunächst Kartenabreißer in einem Kino und zwei Monate Arbeiter in einer Papierfabrik sowie bis zu seiner Entlassung 1986 im städtischen Wartungsdienst. Schon vor Beendigung seiner Schullaufbahn entwickelte Zarqawi nach Angaben seiner Mutter, die in zum Religionsunterricht an der Moschee Hussein bin Ali in Amman angemeldet hatte, ein starkes Interesse am Koran. Er hatte neun Geschwister. Mehrere seiner Schwestern waren später eng mit dem dschihadistischen Milieu verbunden. Jordanischen Geheimdienstkreisen zufolge war er in den 1980er Jahren kurzzeitig inhaftiert. Nachdem er für zwei Jahre zum Militärdienst eingezogen war, heiratete Zarqawi 1988 Intisar Baqr al-Umari; aus der Ehe gingen vier Kinder hervor.

1989 ging Zarqawi nach Afghanistan, nachdem die sowjetischen Truppen das Land bereits verlassen hatten. Nach einigen Darstellungen beteiligte er sich an Kämpfen der Mudschahidin gegen die sowjetisch gestützte Regierung unter Muhammad Nadschibullāh. In dieser Zeit arbeitete er als Berichterstatter für die im pakistanischen Peschawar erscheinende islamistische Mudschahiddin-Zeitschrift al-Bunyān al-Marsūs („das fest gefügte Gebäude“), damals ein Sprachrohr von al-Quaida.

1990 bis 2001: Radikalisierung und Haft

Anfang der 1990er Jahre lernte Zarqawi im pakistanisch-afghanischen Umfeld den palästinensisch-jordanischen dschihadistisch-salafistischen Ideologen Abū Muhammad al-Maqdisī kennen. Nach ihrer Rückkehr in das haschimitische Jordanien intensivierte sich ihre Zusammenarbeit; Ende 1993 gründeten sie eine Untergrundzelle namens al-Tauhid (von arabisch Tauhīd), die später als Baiʿat al-Imām (arabisch für „Treueeid dem Imam“) bekannt wurde. Beide wurden 1994 verhaftet und später zu langjährigen Haftstrafen, Zarqawie zu 15 Jahren, verurteilt. Während ihrer gemeinsamen Gefängniszeit wurde al-Maqdisi zu einem wichtigen ideologischen Mentor Zarqawis, Zarqawi zum Koranleser, diktatorischen Anführer und Dogmatiker.

Nach seiner im Rahmen einer bei Antritt eines neuen Monarchen üblichen königlichen Amnestie erfolgten Freilassung von 3000 Inhaftierten im März 1999 versuchte Zarqawi zunächst, Arbeit zu finden. Nach einigen Monaten gab er die Arbeitssuche auf und ging nach Peschawar in Pakistan. Während seines Aufenthalts in Pakistan lief Zarqawis Visum ab. Zugleich verdächtigten ihn die jordanischen Behörden, an den vereitelten Anschlagsplänen zum Jahreswechsel 1999/2000 beteiligt gewesen zu sein, die sich gegen christliche Pilgerstätten und andere touristische Ziele in Jordanien richteten.

Im Jahr 2000 kehrte Zarqawi nach Afghanistan zurück. Bei seinen ersten Kontakten mit al-Qaida stieß er aufgrund ideologischer und strategischer Differenzen zunächst auf Vorbehalte. Dennoch unterstützte die Organisation ihn finanziell und logistisch beim Aufbau eines eigenen Ausbildungslagers bei Herat. Zarqawi kam dabei mit Osama bin Laden und weiteren Mitgliedern der al-Qaida-Führung in Kontakt, verweigerte jedoch zu dieser Zeit noch einen Treueeid auf bin Laden und schloss sich der Organisation zunächst nicht an. Stattdessen baute er von Herat aus ein eigenständiges dschihadistisches Netzwerk auf, das die Grundlage seiner späteren Organisation Jamaʿat al-Tawhid wal-Jihad bildete.

Am 9. September 2002 reiste Zarqawi nach jordanischen Angaben illegal über die syrische Grenze nach Jordanien ein. Am 28. Oktober wurde der US-Diplomat Laurence Foley vor seinem Haus in Amman erschossen. Im Dezember wurden zwei Tatverdächtige festgenommen. Nach Angaben der jordanischen Behörden hatte Zarqawi die beiden mit dem Mord beauftragt und dafür bezahlt. Zarqawi wurde wegen seiner Beteiligung an dem Mord später in Jordanien in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Vor dem Weltsicherheitsrat behauptete der US-amerikanische Außenminister Colin Powell am 5. Februar 2003, Zarqawi agiere als Bindeglied zwischen dem im Schutz gewährenden Saddam Hussein und al-Qaida, und sei somit auch ein Mitstreiter Osama bin Ladens gewesen. Die Rede trug erheblich dazu bei, Zarqawi international bekannt zu machen und war Teil der Argumentation der US-Regierung für den bevorstehenden Irakkrieg. Spätere Untersuchungen fanden hingegen keine Belege für eine operative Zusammenarbeit zwischen Saddam Husseins Regime und al-Qaida.

Nach dem Sturz Saddam Husseins löste die von den USA geführte Besatzungsverwaltung im Mai 2003 die irakischen Streitkräfte und zahlreiche Sicherheitsorgane auf. Zusammen mit der gleichzeitig betriebenen Entbaathifizierung verloren dadurch zahlreiche Angehörige des bisherigen Staats- und Sicherheitsapparats ihre Stellung. Besonders unter sunnitischen Arabern, die unter Saddam Hussein überproportional in politischen und sicherheitsrelevanten Machtpositionen vertreten gewesen waren, verstärkten diese Maßnahmen die Entfremdung von der neuen politischen Ordnung. Die daraus resultierende Arbeitslosigkeit und politische Marginalisierung trugen zum Entstehen des sunnitischen Aufstands bei und schufen ein Umfeld, in dem sich auch Zarqawis Organisation etablieren konnte.

Im August 2003 wurden Zarqawi und sein Netzwerk mit mehreren schweren Anschlägen im Irak in Verbindung gebracht. Beim Bombenanschlag auf das Canal Hotel in Bagdad am 19. August wurden der UN-Sondergesandte Sérgio Vieira de Mello und 21 weitere Menschen getötet. Zehn Tage später kamen bei einem Anschlag auf die schiitische Imam-Ali-Moschee in Nadschaf mehr als 80 Menschen ums Leben, darunter der einflussreiche schiitische Geistliche Muhammad Baqir al-Hakim. In den folgenden Jahren setzte Zarqawi zunehmend auf gezielte Angriffe gegen Schiiten. Diese Strategie traf auf bereits bestehende konfessionelle Spannungen im Irak, die durch die jahrzehntelange Bevorzugung sunnitischer Eliten und die Unterdrückung schiitischer Opposition unter Saddam Hussein verschärft worden waren.

Am 31. Oktober 2003 setzte das US-Außenministerium im Rahmen des Programms Rewards For Justice eine Belohnung von bis zu fünf Millionen US-Dollar für Hinweise aus, die zu Zarqawis Ergreifung führten.

2004 bis 2006: Kampf gegen die US-amerikanische Besatzung

Das Jahr 2004 war von einer weiteren Zunahme der Anschläge im Irak geprägt; Zarqawi und seine Organisation entwickelten sich zu einer führenden Kraft des dschihadistischen Aufstands. Die US-Regierung ihrerseits erhöhte die für Hinweise zu Zarqawis Ergreifung ausgesetzte Belohnung im Februar 2004 zunächst auf zehn Millionen und am 30. Juni auf bis zu 25 Millionen US-Dollar. Am 2. März verübte seine Organisation während der Aschura-Feierlichkeiten koordinierte Anschläge auf schiitische Pilger in Bagdad und Kerbela, bei denen mehr als 180 Menschen getötet wurden.

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