AOL ist ein ursprünglich amerikanisches Webportal und E-Mail-Anbieter mit verschiedenen Sprachauftritten. AOL war von 2021 bis Anfang 2026 im Besitz des Unternehmens Yahoo! Inc. (bis 2021 Verizon Media), das seinerseits mehrheitlich Apollo Global Management gehört. Ursprünglich war AOL, ehemals America Online, auch ein Internetdienstanbieter und im Jahr 2000 mit 30 Millionen zahlenden Mitgliedern der größte Internetdienstanbieter weltweit. Im Januar 2026 wurde AOL an das italienische Unternehmen Bending Spoons verkauft.
Das Unternehmen wurde 1985 in Dulles, Virginia von Jim Kimsey als Quantum Computer Services aus den Überresten der 1983 gegründeten Control Video Corporation (CVC) gegründet, die einen Onlinedienst für den Atari 2600 anbot. Das erste Produkt Quantum Link (Q-Link) war ein grafischer Onlinedienst für amerikanische Benutzer des Commodore 64 und 128. Im Mai 1988 veröffentlichten Apple und Quantum AppleLink Personal Edition für Apple II und Macintosh. Im August 1988 folgte in Kooperation mit Tandy der Dienst PC-Link für IBM-PC-kompatible Computer. Nach der Trennung von Apple im Oktober 1989 erfolgte die Umbenennung zu America Online.
Um 1990 – also kurz vor dem Start des World Wide Web – konkurrierten mehrere amerikanische Online-Anbieter; der größte war der Online-Pionier CompuServe. Im Unterschied zum in die Jahre gekommenen CompuServe mit seiner kargen Benutzeroberfläche ging AOL auf eine neue Generation von Nutzern zu und bot eine ansprechende farbenfrohe Software für den Zugang zu seinem Netz. 1991 folgte Steve Case, der schon Marketingdirektor bei CVC war, Kimsey als CEO nach. Der AOL-Onlinedienst erschien im selben Jahr erst für MS-DOS und ein Jahr später für Windows. Für AOL DOS wurde mit Neverwinter Nights das erste grafische MMORPG veröffentlicht. 1996 wurde das Bezahlmodell von AOL von Stundengebühren auf eine monatliche Flatrate umgestellt.
Mit dem Start des World Wide Web 1993 kam eine neue Netzkultur auf. Die Early Adopters entledigten sich der Bindung an zentralisierte Portale wie AOL und nutzten das Internet über Webbrowser. AOL galt damals als sicherer Hafen und die Netscape Communications Corporation als größte Herausforderung. Die New York Times schrieb 1998, America Online sei „allgemein als Schutz für technische Neulinge anerkannt, die noch nicht reif für die große weite Welt des Netzes sind.“
1997 übernahm AOL den Erzkonkurrenten CompuServe und 1998 Netscape sowie das von der israelischen Firma Mirabilis Ltd. entwickelte Chat-Programm ICQ. Der Fotokonzern Kodak startete im Sommer 1998 einen Dienst, bei dem AOL-Kunden ihre belichteten Filme in Geschäften abgeben und wenig später die digitalisierten Fotos über ihr AOL-Konto abrufen konnten.
Auf dem Höhepunkt seiner Popularität in der ersten Hälfte der 2000er Jahre war AOL mit über 30 Millionen Kunden weltweit der größte Internet-Anbieter. Im Jahr 2000 fusionierte AOL mit Time Warner und firmierte anschließend als AOL Time Warner. Im Jahr 2003 strich das Unternehmen das Kürzel AOL wieder aus dem Unternehmensnamen. Ende 2005 stieg Google Inc. für eine Milliarde Dollar (833 Millionen Euro) bei AOL ein. Am 3. April 2006 benannte sich America Online Inc. offiziell in AOL LLC. um. Die ursprüngliche Mission, die der Name ausdrücken sollte, Amerika online zu bringen, habe man schließlich längst erfüllt, begründete AOL-Chef Jon Miller.
Am 8. Juli 2009 kaufte Time Warner die Anteile von Google zurück, um AOL in einem weiteren Schritt an die Börse zu bringen. Mitte 2009 kündigte der neue Vorstandschef Tim Armstrong an, das Unternehmen bis Ende des Jahres an die Börse bringen zu wollen. Dafür wollte AOL selbst Inhalte produzieren und graphische Online-Werbung vermarkten. Am 19. November 2009 wurden Pläne des Unternehmens bekannt, mit dem Ziel einer Einsparung von 300 Millionen US-Dollar auch auf Basis von Entlassungen 2.500 Stellen abzubauen, das entsprach einem Drittel der Belegschaft. Im Rahmen dieser Umstrukturierungsmaßnahmen schloss AOL mehrere europäische Niederlassungen, darunter alle vier deutschen Niederlassungen. Hiervon waren insgesamt 140 Arbeitsplätze in Deutschland betroffen. Im Dezember 2009 trennte sich Time Warner von AOL. Erstmals am 10. Dezember 2009 wurde AOL an der New Yorker Börse wieder als eigenständiges Unternehmen gehandelt.
Im April 2010 verkaufte AOL den Instant Messenger ICQ für 187,5 Millionen Dollar an das russische Investment-Unternehmen Digital Sky Technologies.
Im Februar 2011 kaufte AOL The Huffington Post und führte alle journalistischen Sparten des Unternehmens unter dem neuen Dach AOL Huffington Post Media Group zusammen. Damit erweiterte sich das Geschäftsmodell, da die Huffington Post ihrerseits seit etwa 2010 systematisch namhafte Journalisten eingekauft hatte, um die Rolle eines bedeutenden journalistischen Mediums anzustreben.
Am 7. August 2013 wurde der Kauf der Onlinevideo-Werbefirma Adap.tv für 405 Millionen Dollar bekanntgegeben.
Am 12. Mai 2015 wurde bekannt, dass Verizon AOL für 4,4 Milliarden Dollar übernehmen will. Am 23. Juni 2015 schloss Verizon die Übernahme ab.
Am 3. April 2017 gab Verizon bekannt, dass man die Marken Yahoo! und AOL miteinander fusionieren möchte. Darüber ist aus Yahoo! und AOL die Marke Oath entstanden, seit dem Jahr 2019 als Verizon Media bekannt.
Am 3. Mai 2021 wurde bekannt gegeben, dass AOL (und Yahoo) für 5 Milliarden Dollar an Apollo Global Management verkauft wird.
Ende Oktober 2025 hat das italienische Unternehmen Bending Spoons angekündigt, AOL – inzwischen noch bestehend aus der Website aol.com und dem gleichnamigen E-Mail-Provider – zu übernehmen. Zu diesem Zeitpunkt hatte AOL ca. 30 Mio. monatliche Besucher. Der Kauf wurde am 2. Januar 2026 vollzogen, als Kaufpreis wurden 1,58 Milliarden Dollar genannt.
Die deutsche Niederlassung wurde 1995 als Joint Venture der Bertelsmann AG und AOL Europe gegründet und hatte ihren Hauptsitz in Hamburg, wo Geschäftsleitung und Redaktion angesiedelt waren. Die überwiegende Mehrzahl der rund 1.200 Mitarbeiter arbeiteten in den Call-Centern in Saarbrücken, Duisburg, Dessau, Erfurt, Görlitz, Düsseldorf, Essen sowie Frankfurt (Oder). Die Standorte in Dessau, Erfurt, Görlitz, Düsseldorf, Essen und Frankfurt (Oder) wurden von externen Dienstleistern betrieben. Der Onlinedienst AOL Deutschland erzielte im Geschäftsjahr 2003 mit rund zwölf Millionen Euro erstmals einen operativen Gewinn, der sich 2005 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelte. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erzielte der Konzern ein Ergebnis von rund 80 Millionen Euro (38 Millionen 2004). In Deutschland erreichte AOL mit seinen Internet-Angeboten der Marken AOL, CompuServe und Netscape Internet Service etwa fünf Millionen Menschen pro Monat.
Zum 1. März 2007 verkaufte AOL in Deutschland das Internet-Zugangsgeschäft mit allen Callcentern an HanseNet. Geschäftsführer der 2006 neu gegründeten AOL Deutschland Medien GmbH, die weiterhin das sogenannte Audience-Geschäft wie die AOL-Portale, die AOL-Zugangssoftware und den kostenlosen AOL-E-Mail-Service betrieb, war bis April 2008 Torsten Ahlers. Sein Nachfolger wurde Andreas Demuth, der das Unternehmen zum 30. November 2009 verließ. Ab 13. Dezember 2011 war Michael Edward Nolan Jr. Geschäftsführer, seit 29. Oktober 2015 war es Amanda L. Reid.
Die AOL Deutschland Medien GmbH ist mittlerweile ebenfalls in einhundertprozentigem Besitz der Verizon International, Inc. Geschäftsführer ist nach mehreren weiteren Wechseln Detlef Epping. Die weiterhin erreichbare Website AOL.de weist darauf hin, dass AOL Teil der Yahoo-Markenfamilie ist und bietet Nachrichten, eine Suchfunktion und Zugang zum E-Mail-Dienst an.
Einst hatte das Unternehmen das World Wide Web für Millionen von Menschen definiert. In den Anfangsjahren hatten die Amerikaner ihre Einnahmen vor allem über Einwählverbindungen per Modem gemacht. Jahrelang lagen Disketten und CDs mit der AOL-Zugangssoftware vielen Ausgaben von Computerzeitschriften bei. 26,7 Millionen Kunden kamen 2002 über AOL ins Internet. In Deutschland war AOL der Hauptkonkurrent der Deutschen Telekom. Der Vormarsch von DSL-Verbindungen und Flatrates ließ diese Einnahmen rapide schrumpfen und brachte AOL hohe Verluste ein. AOL versuchte dies aufzufangen, indem sie die Werbe-CD-ROMs mit der Zugangssoftware nicht nur Computerzeitschriften, sondern dann auch Tageszeitungen und Illustrierten beilegten; omnipräsent waren die CDs auch als Auslagen in Supermärkten, Kaufhäusern, Kinos etc., sowie als Postwurf-/Hauswurfsendung. Diese aggressive Werbung wurde von vielen Leuten als extrem ärgerlich empfunden. Ein Amerikaner startete daraufhin die Protestaktion No More AOL CDs. Sein Ziel: Er wollte eine Million AOL-Werbe-CDs sammeln und diese dann öffentlichkeitswirksam vor der AOL-Hauptzentrale per Lkw abkippen. Dazu kam es jedoch nicht, da AOL die CD-Kampagne beendete, bevor das Ziel erreicht wurde.