Die 380-kV-Leitung Rommerskirchen–Hoheneck ist eine 341 km lange Drehstrom-Freileitung für 380 kV Spannung, die vom Umspannwerk Rommerskirchen bei Köln zum Umspannwerk Hoheneck bei Stuttgart führt. Sie wurde durch das RWE gebaut und 1957 fertiggestellt. Zum Zeitpunkt ihrer Inbetriebnahme war sie die erste Hochspannungsleitung in Deutschland, die mit einer Spannung von 380 kV betrieben wurde, die erste für mehr als einen Höchstspannungs-Stromkreis ausgelegte Freileitung sowie die leistungsstärkste Anlage zur Energieübertragung weltweit. Die Einführung einer höheren Übertragungsspannung wurde nötig, nachdem Kapazitäten der Braunkohlekraftwerke im rheinischen Revier großflächig ausgebaut wurden und das vorhandene Netz für die Übertragung größerer Energiemengen nicht mehr ausreichte. Zeitgleich kam es auch in anderen europäischen Ländern zur Errichtung erster Leitungen auf dieser Anfang der 1950er Jahre europaweit standardisierten Spannungsebene.
Dem Bau dieser Leitung gingen umfassende Versuche auf einem Testgelände in Mannheim-Rheinau voraus, bei denen Masten, Isolation, Leiterseile und Transformatoren in unterschiedlicher Ausführung und Beanspruchungen unter Realbedingungen untersucht wurden. Die Erkenntnisse dieser Versuche führten zum Aufbau des heutigen 380-kV-Netzes, von denen zwischen Rommerskirchen und Hoheneck die erste Fernübertragung auf dieser Spannungsebene stattfand. Ausgehend von dieser Leitung entwickelte zuerst das RWE, ab den 1960er Jahren dann auch andere Netzbetreiber in Deutschland, die landesweite Erschließung der Kraftwerks- und Industriestandorte auf der Höchstspannungsebene.
Auf dem größten Teil der Strecke ist die Leitung, die sich heute im Besitz des Übertragungsnetzbetreibers Amprion als Nachfolgerin der RWE Transportnetz Strom befindet, nach wie vor im Originalzustand in Betrieb und bildet ein wichtiges Rückgrat sowohl im deutschen, als auch im europäischen Höchstspannungs-Verbundnetz. Entlang der Leitungsstrecke entstanden seit den 1970er Jahren weitere Umspannwerke.
Das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk – kurz RWE – entstand 1898 als Tochterunternehmen der Lahmeyer AG, versorgte zunächst nur die Stadt Essen mit Strom und entwickelte sich ab 1905 mit dem Erwerb der Braunkohlengrube Berggeist bei Brühl zum überregionalen Energieversorger. Nachdem 1913 das Bergwerk Roddergrube bei Hürth den langfristigen Bezug von Braunkohle sicherte, wurde 1914 das Braunkohlekraftwerk Vorgebirgszentrale in Betrieb genommen, das 1920 in Goldenbergwerk umbenannt wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte es sich zum leistungsstärksten Kraftwerk Europas. Zu dieser Zeit entstand bereits ein überregionales Netz an Hochspannungs-Freileitungen mit 110 kV Spannung, das sich vom Goldenbergwerk aus zum Erftwerk bei Grevenbroich, dem Kraftwerk Reisholz bei Düsseldorf und weiteren Anlagen im westlichen Ruhrgebiet und Teilen des Bergischen Landes erstreckte. Nur wenige Jahre zuvor ging 1912 zwischen Lauchhammer und Riesa die erste Leitung mit einer Übertragungsspannung oberhalb der 100 kV in Betrieb.
Die weiträumige Expansion des RWE über das Rheinland hinaus begann 1923, als unter dem damaligen technischen Vorstand Arthur Koepchen von der schweizerischen Elektrobank die Mehrheit an der Lahmeyer AG, der vormaligen Muttergesellschaft, übernommen wurde. Da diese in Frankfurt am Main ansässig war und einige Elektrizitätswerke im Umland betrieb, hielt das RWE nun die Mehrheit an einigen Energieversorgungsunternehmen im Südwesten Deutschlands. Namentlich waren das die Main-Kraftwerke AG in Höchst, die Großkraftwerk Württemberg AG in Heilbronn, die Kraftwerk Altwürttemberg AG in Ludwigsburg, die Württembergische Sammelschienen AG in Stuttgart und die Lechwerke AG in Augsburg. Alle Unternehmen betrieben eigene Erzeugungsanlagen, teile Wasser-, teils Steinkohlekraftwerke. Koepchen hatte den Einfall, die darin erzeugte elektrische Energie mit derjenigen der Braunkohlekraftwerke im Rheinland zu koppeln – die im Sommer und Winter unterschiedlichen Erträge der verschiedenen Kraftwerksarten würden sich durch die Kopplung gegenseitig ausgleichen, was eine jederzeit konstante Energieversorgung ermöglichen würde.
Bereits zu diesem Zeitpunkt war klar, dass die bisher angewendeten 110 kV Spannung auf den Leitungsstrecken nicht mehr ausreichen würden. Das RWE baute daher eine Testleitung zwischen Ronsdorf und Letmathe, die mit 220 kV Spannung betrieben wurde. Die Erkenntnisse, die beim Betrieb dieser Leitung gewonnen wurden, flossen in den Entwurf des Leitungssystems mit ein, mit dem Rheinland und Süddeutschland gekoppelt werden sollte. Nachdem Ende 1923 sogar die Übernahme von Wasserkraftprojekten an der Ill im Vorarlberg in Aussicht gestellt worden war, plante man eine weitere Erhöhung der Betriebsspannung: Statt 220 kV sollte die Leitung für 380 kV Spannung – eine bis dahin noch nirgends erreichte Übertragungsspannung – ausgelegt, aber zunächst auf der niedrigeren Spannungsebene von 220 kV betrieben werden. Abschnittsweise ging die Leitung ab 1926 in den Probebetrieb, ehe am 17. April 1930 der Verbundbetrieb zwischen rheinischer Kohle- und alpiner Wasserkraft aufgenommen wurde.
Herzstück des RWE-Höchstspannungsnetzes, das sich schließlich von Ibbenbüren über das gesamte Rheinland, Südhessen und Teile Württembergs bis nach Vorarlberg und in den Südschwarzwald erstreckte, war die Umspannanlage Brauweiler mit ihrer Hauptschaltleitung, die das gesamte Netz überwachte und regelte. Brauweiler war zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme die größte Umspannanlage der Welt.
Gründung der Deutschen Verbundgesellschaft
Trotz Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und Einschränkungen der Kohlezufuhr konnte der Verbundbetrieb im RWE-Netz schon im Juli 1945 wieder aufgenommen werden. Das Netzgebiet des RWE erstreckte sich über alle drei westlichen Besatzungszonen und insbesondere die britische Militärregierung drängte auf eine schnelle Wiederinbetriebnahme, auch aufgrund geforderter Reparationslieferungen nach Belgien und Frankreich – rund 25 % des in den Westzonen erzeugten Stroms musste an die Nachbarländer und die sowjetische Besatzungszone geliefert werden. Im Sommer 1946 wurde auch der Verbundbetrieb mit der Schweiz wieder aufgenommen. Ende 1946 richteten die Länderregierungen der britischen und amerikanischen Zone die „Zentrallastverteilung für Elektrizität“ in Bad Homburg ein, die französische Zone schloss sich später an. Dem Zentrallastverteiler unterstanden Hauptlastverteiler, für das RWE-Netzgebiet übernahm diese Aufgabe die Hauptschaltleitung Brauweiler. Im Zuge des 50-jährigen Firmenjubiläums präsentierte Arthur Koepchen das „400-kV-Projekt des RWE“, hierfür wurde der Sammelband „Großraum-Verbundwirtschaft“ mit Aufsätzen über den zukünftigen Ausbau der Stromversorgung veröffentlicht.
In einem Schreiben vom 7. Juni 1948 wandte sich RWE-Vorstand Heinrich Schoeller an die sechs westdeutschen Energieversorgungsunternehmen Badenwerk, Bayernwerk, Energie-Versorgung Schwaben, Hamburgische Electricitäts-Werke, Preußenelektra sowie Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen, kritisierte ihre aus seiner Sicht zu sehr lokal begrenzten Planungen und schlug vor, in einem gemeinsamen Ausschuss ein westdeutsches 400-kV-Verbundnetz zu planen. Gemäß seiner Netzberechnung, die einen Energietransport von 1000 MW zwischen Norden und Süden bis 1960 annahmen, waren mindestens zwei 400-kV-Doppelleitungen vorgesehen.
Der am 2. September 1948 erstmals zusammengetretene Planungsausschuss legte zum 1. November 1949 ein Gutachten vor, das einen verstärkten Ausbau der Wasserkraftwerke in Süddeutschland und den Alpen sowie einen weiteren Ausbau der thermischen Kraftwerke in Norddeutschland prognostizierte. Zusätzlich zum Stromaustausch mit weiteren Nachbarländern wird von einer engeren überregionalen Verflechtung des bestehenden Verbundnetzes ausgegangen. Da die übertragenen Leistungen bereits die natürliche Leistung der 220-kV-Leitungen übertreffen, soll ein Ausbau des Netzes auf 400 kV nach einem gemeinschaftlichen Generalplan erfolgen. Auch eine Topologie wurde für dieses Netz entworfen, es sollte als langgestreckter Ring zwischen rheinischem Braunkohlerevier und den Alpen verlaufen und die bestehenden 220-kV-Umspannwerke Brauweiler, Borken, Tiengen und Bürs miteinander verbinden. Als Resultat der Ausschussarbeit wurde am 15. November 1948 in Frankfurt-Höchst durch das RWE und die sechs großen westdeutschen Energieversorger die Deutsche Verbundgesellschaft (DVG) gegründet. Zum 30. Mai 1949 wurde die DVG in das Vereinsregister der Stadt Heidelberg eingetragen. Die Berliner Bewag und die Elektrowerke schlossen sich nachträglich zum 18. November 1949 an. Ein Hauptziel der Gesellschaft war die Weiterführung der bereits seit den 1920er Jahren bestehenden Planungen für ein 380-kV-Verbundnetz. Faktisch handelte es sich in den Westzonen um die Nachfolgeorganisation der im Mai 1928 gegründeten Aktiengesellschaft für deutsche Elektrizitätswirtschaft.