İlham Heydər oğlu Əliyev (* 24. Dezember 1961 in Baku, Aserbaidschanische SSR, Sowjetunion), deutsch Ilham Alijew, ist ein aserbaidschanischer Politiker. Als Amtsnachfolger seines Vaters Heydər Əliyev ist er seit dem 31. Oktober 2003 Präsident Aserbaidschans. Ähnlich wie sein Vater regiert er diktatorisch und lässt einen Personenkult um sich aufbauen.
Berufliche Laufbahn und Privatleben
İlham Heydər oğlu Əliyev ist der Sohn des KGB-Offiziers Heydər Əlirza oğlu Əliyev (1923–2003), der 1969 bis 1982 Staats- und Parteichef der Aserbaidschanischen Sozialistischen Sowjetrepublik sowie von 1993 bis zu seinem Tod Präsident der Republik Aserbaidschan war, und der Augenärztin Zərifə Əziz qızı Əliyeva (1924–1985).
Nach seinem Schulabschluss studierte İlham Əliyev von 1977 bis 1982 am Staatlichen Moskauer Institut für Internationale Beziehungen und nahm dort anschließend an einem Graduierten-Studium teil. 1985 schloss er seine Studien mit dem Grad eines Magisters in Geschichte und Internationalen Beziehungen ab. Von 1985 bis 1990 lehrte er an diesem Institut. Von 1991 bis 1994 war er in Moskau und Istanbul in Wirtschaftsgeschäften tätig. Er forschte zu geopolitischen Aspekten der Ölstrategie Aserbaidschans und erwarb einen Doktorgrad in Politikwissenschaft.
İlham Əliyev spricht neben Aserbaidschanisch auch Russisch, Türkisch, Englisch und Französisch. Er ist verheiratet mit Mehriban Arif qızı Əliyeva (* 1964 als Mehriban Arif qızı Paşayeva), die seit Anfang 2017 das neu geschaffene Amt der Ersten Vizepräsidentin bekleidet. Das Paar hat zwei Töchter – die Autorin Leyla Əliyeva und die Filmproduzentin Arzu Əliyeva – und einen Sohn Heydar, der von seinem Vater inzwischen mit offiziellen und repräsentativen Aufgaben betraut wird. Beobachter gehen davon aus, dass İlham Əliyev seinen Sohn als Nachfolger aufbauen möchte.
Von 1994 bis 2003 war Əliyev erster Vizepräsident der Staatlichen Ölgesellschaft der Aserbaidschanischen Republik (SOCAR). Bei der Parlamentswahl 1995 wurde er als Abgeordneter gewählt. Im Dezember 1999 wurde er zum Stellvertretenden Vorsitzenden und 2001 zum Ersten Stellvertretenden Vorsitzenden der Partei Neues Aserbaidschan gewählt. Im Jahr 2005 wurde Əliyev zum Vorsitzenden der Partei Neues Aserbaidschan gewählt. Nach seiner Ernennung als Premierminister im Jahr 2003 behielt Əliyev seine Tätigkeit als Mitglied des Parlaments bei.
Seit 1997 ist er zudem Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Aserbaidschans. Für seine Verdienste um den Ringersport wurde er im September 2007 in die FILA International Wrestling Hall of Fame aufgenommen.
Im Januar 2003 wurde Əliyev zum Vizepräsidenten der Parlamentarischen Versammlung des Europarats gewählt. Am 4. August 2003 wurde er zum Premierminister Aserbaidschans ernannt. In der Präsidentenwahl vom 15. Oktober 2003 wurde er, als Nachfolger seines Vaters Heydər Əliyev, zum Präsidenten Aserbaidschans gewählt. Die Wahl wurde von der OSZE und weiteren Organisationen als nicht frei und fair bezeichnet.
Im Oktober 2005 erklärte er, ein versuchter Staatsumsturz sei verhindert worden. Dem Bericht der Internationalen Krisengruppe (ICG) zufolge zeigte der neue Präsident harte Reaktionen auf das Vorhaben der „alten Garde“ innerhalb der Machteliten, ihn zu kontrollieren. Einer der Mitgründer der Regierungspartei Neues Aserbaidschan, der damalige Gesundheitsminister Ali Insanow, sowie der Minister für wirtschaftliche Entwicklung Farchad Alijew wurden wegen der Vorbereitung eines Staatsumsturzes verhaftet und später wegen Korruption und Veruntreuung von staatlichem Vermögen zu Haftstrafen verurteilt. „In der Opposition dominierte damals die Meinung, dass Ilcham Alijew nicht in der Lage sei, das Land zu regieren. Manche betrachteten ihn gar als eine Übergangsfigur, die eine erfolgreiche Machtübergabe an ein anderes Mitglied der Machtelite ermöglichen soll. Jedoch erwies sich Alijew als viel schlauerer Politiker als von seinen Gegnern angenommen. Er hatte verstanden, dass die Gefahr für seine Macht nicht von der schwachen Opposition, sondern der Machtelite ausging“, heißt es im Bericht von ICG.
Bei der Präsidentschaftswahl am 15. Oktober 2008 wurde Əliyev im Amt bestätigt. In der von mehreren Oppositionsparteien boykottierten Wahl errang Əliyev 87,3 % der Stimmen. Die OSZE bezeichnete die Wahl als Fortschritt gegenüber den vorigen Wahlen, sie entspräche aber weiterhin nicht den internationalen Standards. Eine Verfassungsänderung im Jahr 2009 ermöglichte Əliyev, am 9. Oktober 2013 erneut zur Wiederwahl anzutreten. Hochrechnungen zufolge gewann er die Präsidentschaftswahl mit 84,6 % der Stimmen. Die Opposition sprach von Wahlbetrug, die OSZE berichtete von der Verletzung grundlegender Freiheiten bei der Wahl. Die von führenden Oppositionsparteien boykottierten vorgezogenen Präsidentschaftswahlen am 11. April 2018 gewann Əliyev mit 86 Prozent der abgegebenen Stimmen. Die OSZE-Wahlbeobachter bemängelten die Abwesenheit eines „echten Wettbewerbs“ und meldeten erneut „zahlreiche schwerwiegende Unregelmäßigkeiten“. Nach der Wahl zum Präsidenten am 11. April 2018 führte der Antrittsbesuch in die Türkei.
Trotz der engen Zusammenarbeit mit der Europäischen Union im Energiebereich lehnte Əliyev im Januar 2014 das Assoziierungsabkommen mit der EU ab. „Aserbaidschan ist sowohl wirtschaftlich als auch politisch ein selbstständiges Land. An jedem Integrationsprozess soll man sich beteiligen, um wirtschaftliche Vorteile zu erzielen. Im Rahmen des Assoziierungsprojektes sehen wir solche Vorteile solange nicht.“
Am 7. Februar 2017, einen Tag nach dem Besuch von Präsident İlham Əliyev in Brüssel, wurden die Verhandlungen über das neue umfassende Abkommen zwischen der Republik Aserbaidschan und der EU wieder aufgenommen. Im Jahr 2015 hatte Aserbaidschan die Verhandlungen mit der EU einseitig beendet. Am 11. Juli 2018 wurden die Verhandlungen über die Festlegung der Partnerschaftsprioritäten abgeschlossen, während die weiteren Verhandlungen im Rahmen des Partnerschafts- und Kooperationsabkommens seit der Wiederaufnahme 2016 fortgesetzt werden.
Angesichts der drastischen Senkung der Erdölpreise im Jahr 2015 erklärte Əliyev, dass Aserbaidschan Erdöl und Gas „vergessen muss“.
Bei der Präsidentschaftswahl am 7. Februar 2024 wurde Əliyev für weitere sieben Jahre im Amt bestätigt. Ursprünglich war die Wahl für 2025 angesetzt, der Präsident hatte sie vorgezogen und damit begründet, dass er nach der Eroberung von Bergkarabach eine neue Legitimierung bräuchte. Politische Beobachter gingen davon aus, dass Əliyev nach dem militärischen Erfolg die gute Stimmung beim Volk nutzen wollte, um seine Macht abzusichern und nannten die Wahl weder frei noch fair. Alle sechs Gegenkandidaten galten im Vorfeld als chancenlos und unterstützten die Wiederwahl Əliyevs öffentlich, während die wichtigsten Oppositionsparteien die Wahl boykottierten. Laut Menschenrechtlern waren in den Monaten zuvor zahlreiche unabhängige Journalisten und ein bekannter Oppositionspolitiker festgenommen worden.
Bei der Parlamentswahl 2024 gewann Əliyevs Partei Neues Aserbaidschan 68 der 125 Sitze bei einer Wahlbeteiligung von 37 % und damit erneut die absolute Mehrheit. Nur einer der Sitze ging an einen Kandidaten der Opposition. Die Wahl war wie auch die letzten weder frei noch fair.
Am 4. Februar 2026 wurde Əliyev und dem armenischen Premierminister Nikol Paschinjan in Abu Dhabi für das vom US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump vermittelte armenisch-aserbaidschanische Friedensabkommen der Zayed-Preis für menschliche Brüderlichkeit verliehen.
Außenpolitisch ist Əliyev an guten Beziehungen zu den Nachbarn Russland, der Türkei und Georgien interessiert. Das Territorium des westlichen Nachbarlandes Armenien hingegen bezeichnete Əliyev als „altes türkisches und aserbaidschanisches Gebiet“. Əliyev betrachtete Russland als strategischen Partner. Jedoch lehnt er einen Beitritt zur Eurasischen Union ab.
Im April 2006 machte Əliyev einen offiziellen Staatsbesuch in Washington, D.C, Deutschland besuchte er seit 2007 mehrfach, zuletzt im Juni 2016. Er sieht Deutschland als einen wichtigen Partner in Westeuropa und versuchte jahrelang politische Einflussnahme durch Geldgeschenke an verschiedene deutsche Politiker (Kaviar-Diplomatie), vor allem aus der regierenden Christlich-Demokratischen Union (CDU), zu erreichen, was im März 2021 zum Rücktritt einiger CDU-Politiker führte.