ČSA-Flug 511 (kurz OK511) war ein Linienflug der tschechoslowakischen Fluggesellschaft ČSA von Prag nach Bamako mit mehreren Zwischenstopps, der am 28. März 1961 in der Nähe von Nürnberg mit dem Absturz der eingesetzten Il-18 endete.
Am 12. Juli 1961 kam es zum Absturz des ebenfalls als ČSA-Flug 511 gelisteten Fluges nahe Casablanca.
Die Iljuschin Il-18W mit dem Kennzeichen OK-OAD wurde am 31. Mai 1960 an die Československé Aerolinie, kurz ČSA, übergeben. Eine Betriebsgenehmigung für das Flugzeug wurde am 13. Juni 1960 ausgestellt. Zum Unfallzeitpunkt war die Il-18 acht Monate alt und die Betriebsgenehmigung weiterhin gültig.
Der Kapitän von Flug OK511 hatte insgesamt 8500 Stunden und der Copilot 11.000 Stunden Flugerfahrung. Die beiden Piloten waren mit der IL-18 nicht sehr vertraut; der Copilot hatte 180, der Kapitän 350 Stunden Flugerfahrung auf diesem Muster.
Die restliche Besatzung bestand aus einem Navigator, einem Funker, einem Bordmechaniker, zwei Flugbegleitern und einem Bordkoch.
Der Flug OK511 war um 19:41 Uhr vom Flughafen Prag in Richtung Zürich gestartet, wo der erste von vier geplanten Zwischenstopps hätte stattfinden sollen. Um 19:52 Uhr wurde die Reiseflughöhe von 6.100 Metern erreicht. Gegen 20:00 Uhr meldeten die Piloten das Passieren des Navigationspunktes Bayreuth auf einer Höhe von 6.100 Metern. Der letzte Funkkontakt mit der Besatzung des Flugzeugs erfolgte um 20:06 Uhr, als die Piloten meldeten, dass sie Nürnberg gegen 20:10 überfliegen würden. Kurz danach ging das Flugzeug in einen steilen Sinkflug über.
Gegen 20:09 Uhr, dem mutmaßlichen Zeitpunkt des Unglücks, empfing die ČSA-Funkstelle in Prag unverständliches Murmeln von Flug OK511. Die ČSA-Funkstelle vermutete einen Notfall. Der Fluglotse wurde gebeten, Kontakt mit OK511 aufzunehmen, was jedoch misslang. Spätere Untersuchungen ergaben, dass das Flugzeug bei einer Höhe von 2000 bis 2500 Metern auseinandergebrochen war.
Um 20:20 Uhr wurde die Flugüberwachung in Nürnberg über einen Flugzeugabsturz in der Nähe von Gräfenberg informiert. Ein in der Nähe befindlicher Militärhubschrauber wurde daraufhin gebeten, nach der Absturzstelle zu suchen. Der Hubschrauber fand die brennenden Trümmer der IL-18 wenige Minuten später bei Oberrüsselbach nahe Nürnberg (). Niemand der 52 Insassen, die meisten davon Diplomaten der Tschechoslowakei, überlebte.
Heute erinnert eine von dem Oberrüsselbacher Wilhelm Schäfer angebrachte Gedenktafel an einem Baum mit der Inschrift „Hier fanden am 28.3.1961 beim Absturz eines Flugzeugs 52 Menschen den Tod“ an das Ereignis.
Am 29. März begannen in Nürnberg die Absturzermittlungen. Gemäß den Vorschriften der ICAO wurden diese von der Bundesrepublik Deutschland geleitet, da sich der Unfall auf deren Staatsgebiet ereignet hatte. Die Tschechoslowakei, das Land der Fluggesellschaft, und die Sowjetunion, das Herstellerland der Il-18, fungierten als Beobachter. In den ersten Stunden nach dem Unfall war außerdem die amerikanische Armee vor Ort. Die aufgrund des Kalten Krieges angespannten diplomatischen Beziehungen zwischen den beteiligten Ländern erschwerten die Aufklärungsarbeit.
Die Ermittler mussten sich auf die Funkverkehr- und Radaraufzeichnungen sowie auf die Augenzeugenberichte und der Untersuchung der Trümmerteile verlassen, da Flugschreiber erst ab 1967 eingesetzt wurden. Nach Auswertung tschechischer Radardaten war OK511 innerhalb von einer Minute 1.500 Meter gesunken, drehte dann nach Süden ab und verschwand vom Radar.
Mehrere Zeugen hörten das laute Heulen der Triebwerke, was einem steilen Sturzflug entsprach. Sie hörten auch das plötzliche Verstummen der Triebwerke und Geräusche, die wie Schüsse oder Explosionen klangen. Andere Zeugen sahen das Flugzeug in einer Spirale vom Himmel stürzen. Es soll an den Tragflächen oder Motoren gebrannt haben.
Die Trümmer der in der Luft auseinandergebrochenen Il-18 verteilten sich über eine Strecke von fünf Kilometern. Am Beginn des Trümmerfeldes wurde die Verkleidung zweier Triebwerke gefunden, gefolgt vom Seiten- und Höhenleitwerk. In einem Waldstück 1,3 Kilometer vor dem Aufprallort des Rumpfes befand sich die gesamte linke Tragfläche sowie etwas weiter entfernt die Spitze der rechten Tragfläche. Der restliche Rumpf stürzte bei Oberrüsselbach auf den Boden. Der Rumpf war durch den Absturz und den darauffolgenden Brand so stark beschädigt, dass die Untersuchung der gefundenen Instrumententeile keine verlässlichen Schlussfolgerungen zuließ. Die vier Triebwerke waren vorher etwa gleichzeitig von den Tragflächen abgerissen. Die dabei entstandenen Kräfte waren im Fall der Triebwerke 1 und 2 nach unten gerichtet, im Fall der Triebwerke 3 und 4 hingegen eher seitlich in Richtung der Spitze der Tragfläche. Das äußere Ende der rechten Tragfläche wurde durch den Propeller des Triebwerks Nr. 4 abgeschnitten.
Außerdem wurde festgestellt, dass die linke Tragfläche durch Krafteinwirkungen von unten nach oben weggebrochen war. Das Seitenruder wurde durch Krafteinwirkungen von links nach rechts von der Seitenflosse getrennt. Letztere brach, während das Flugzeug sich noch in der Luft befand, in die gleiche Richtung weg. Alle Teile waren vermutlich durch Überbelastung vom Flugzeug abgerissen worden. Den Ermittlungen zufolge wiesen die weiter entfernt vom Aufprallort des Rumpfes liegenden Trümmer keine Spuren eines Brandes auf. Landeklappen und das Fahrwerk waren zum Zeitpunkt des Unfalls eingefahren.
Im abschließenden Untersuchungsbericht wurde festgehalten, dass die Ursache für den Absturz von OK511 nicht ermittelt werden konnte. Die bei der Untersuchung beteiligten Länder hatten unterschiedliche Unfallursachen in Betracht gezogen, konnten jedoch aus Mangel an Indizien keine davon beweisen. Ein technischer Defekt oder ein Pilotenfehler konnte nicht ausgeschlossen werden.
Version der Bundesrepublik Deutschland
Die deutschen Ermittler kamen zu dem Schluss, dass das Flugzeug während eines steilen Sturzflugs abrupt nach oben gezogen wurde und dadurch auseinanderbrach. Das Auseinanderbrechen war nicht die Ursache des Sturzflugs, sondern dessen Folge. Zum Zeitpunkt des Absturzes war kein anderes Luftfahrzeug in der Nähe der Il-18 zu verorten. Aufgrund einvernehmlicher Zeugenberichte, die besagten, dass detonations- oder schussähnliche Geräusche erst am Ende des steilen Sinkflugs zu hören waren, stuften die Ermittler die Hypothese, der Absturz könnte durch eine Explosion verursacht worden sein, als unwahrscheinlich ein.
Wie es zu dem Unfall gekommen war, ließ sich nicht eindeutig feststellen. Die Ermittlungskommission vermutete den Ausfall des künstlichen Horizonts und/oder des Autopiloten, der die Piloten die Kontrolle verlieren ließ, sodass das Flugzeug in einen Sturzflug überging, bei dem die Zelle überlastet wurde und auseinanderbrach. Eine weitere Vermutung war, dass das Flugzeug während eines Notsinkfluges überlastet wurde. Es fanden sich keine Hinweise auf einen Notfall, wie einen Brand an Bord. Die Piloten hätten wahrscheinlich den Fluglotsen informiert, wenn sie einen Notsinkflug eingeleitet hätten.