Éric Daniel Pierre Cantona (* 24. Mai 1966 in Marseille) ist ein französischer Schauspieler und ehemaliger Fußballspieler, Fußballfunktionär sowie Beachsoccer-Spielertrainer.
Cantona gewann mit Olympique Marseille zweimal die Französische Meisterschaft (1989, 1991) sowie einmal den Französischen Pokal (1989). Er wurde zum HSC Montpellier ausgeliehen und gewann auch dort den Französischen Pokal (1990). Mit Leeds United wurde er Englischer Meister (1992) und gewann auch den Charity Shield (1992). Nach seinem Wechsel zu Manchester United konnte er sowohl die Premier-League (1993, 1994, 1996, 1997) als auch den Charity Shield (1993, 1994, 1996, 1997) viermal gewinnen. Den FA Cup gewann er mit Manchester zweimal (1994, 1996).
Éric Cantona gewann auch die FIFA-Beachsoccer-Weltmeisterschaft 2005.
Éric Cantona wurde am 24. Mai 1966 in Marseille geboren. Er ist der Sohn von Albert Cantona und Éléonore Raurich und hat mit Jean-Marie (* 1962) und Joël (* 1967) zwei Brüder. Sein Großvater väterlicherseits stammte aus Sardinien, die Vorfahren seiner Mutter waren katalanische Widerstandskämpfer, die sich nach dem spanischen Bürgerkrieg nach Frankreich abgesetzt hatten. Die Familie bewohnte eine einfache Behausung in Les Caillols, einem Stadtviertel im 12. Arrondissement. Das Elternhaus war künstlerisch geprägt, denn neben seinem Beruf als Krankenpfleger widmete sich Vater Albert der Malerei. Die Besuche der Heimspiele von Olympique Marseille im Stade Vélodrome weckten Cantonas Fußball-Begeisterung. 1972 begann er als Sechsjähriger beim lokalen Verein Sports Olympiques Caillolais mit dem organisierten Jugendfußball. Zunächst als Torwart, später wurde er Stürmer.
1981 wurde der 15-jährige Cantona in die Nachwuchsabteilung der AJ Auxerre aufgenommen. Die Vereinsphilosophie des Erstligisten aus der Bourgogne war auf gezielte Talentförderung ausgelegt, weshalb man als einer der ersten Klubs eine professionelle Jugendakademie (centre de formation) gegründet hatte. Trainer der Profimannschaft war Guy Roux, der auf ein Konzept der Nachhaltigkeit und homogenen Entwicklung setzte. Am 14. Mai 1982 debütierte Cantona für die französische U17-Nationalmannschaft.
Am 17. Spieltag der Saison 1983/84, dem 5. November 1983, debütierte Cantona im Profifußball. Beim 4:0-Sieg der AJ Auxerre über die AS Nancy spielte er neben Andrzej Szarmach, der alle vier Tore erzielte. Doch „Ziehvater“ Roux baute den talentierten wie hitzköpfigen Nachwuchsstürmer langsam auf und ließ ihn anschließend wieder in die Jugendmannschaft zurückkehren. Mit Cantona als Schlüsselspieler gewannen sie 1985 die Coupe Gambardella.
Sein erstes Tor in der Division 1 erzielte Cantona am 14. Mai 1985 gegen den FC Rouen (4:0). Um Spielpraxis und Erfahrung zu sammeln, wurde er ab Oktober 1985 für einige Monate an den Zweitligisten FC Martigues ausgeliehen, für den Cantona in 15 Einsätzen vier Tore erzielte. Noch während seiner Leihe erhielt der 19-jährige Cantona einen Profivertrag für Auxerre und in der folgenden Saison 1986/87 gelang ihm der sportliche Durchbruch. Nach dem Abgang der etablierten Stürmer Andrzej Szarmach und Patrice Garande profilierte sich Cantona mit 13 Treffern in 36 Spielen als bester Torjäger seines Klubs, der am Saisonende den vierten Platz belegte und sich für den UEFA-Pokal qualifizierte. Cantona verfügte über die Qualität, Antizipation mit höchster Ballbeherrschung zu verbinden, was ihm zu einem effizienten Spielstil verhalf. Sein Markenzeichen war der lange Oberkörper, den er steif und ungewöhnlich aufrecht trug und ihm ein arrogantes Auftreten verlieh. Trotz seines unbestrittenen fußballerischen Talents, erwarb er sich bereits in der Frühphase seiner Laufbahn den Ruf eines zu Gewaltausbrüchen neigenden enfant terrible. Nach einem Trainings-Disput mit Torwart Bruno Martini, streckte er seinen Mitspieler durch einen Faustschlag nieder. Während seiner letzten Spielzeit im Auxerre-Trikot (1987/88) geriet Cantona erneut in die Schlagzeilen, als er im Pokalspiel gegen den FC Nantes wegen eines brutalen Tacklings an Michel Der Zakarian für drei Spiele gesperrt wurde. Für die AJ Auxerre absolvierte Cantona insgesamt 94 Pflichtspiele (29 Tore).
Im Juni 1988 kehrte Cantona in seine Heimatstadt zurück und wechselte zu Olympique Marseille, dem Lieblingsverein seiner Kindheit. Klubpräsident war der schillernde und exzentrische Unternehmer Bernard Tapie, der die damalige französische Rekordablöse von 22 Millionen Francs (umgerechnet 3,4 Millionen Euro) für den Transfer aufbrachte. In der Hinrunde der Saison 1988/89 erspielte sich Cantona, neben Jean-Pierre Papin und Klaus Allofs, auf Anhieb einen Stammplatz (fünf Tore in 22 Einsätzen), doch bereits nach einem halben Jahr kam es zum Eklat. Nach seiner Auswechslung im bedeutungslosen Testspiel gegen Torpedo Moskau, riss sich der jähzornige Cantona das Trikot vom Körper und warf es dem Schiedsrichter vor die Füße. Die Symbolik dieses Moments war ungeheuer und sollte den Spieler zeit seiner Karriere in Frankreich verfolgen. Mit dieser Respektlosigkeit brüskierte Cantona die Vereinsführung, die ihn kurz darauf für die restliche Saison an Girondins Bordeaux verlieh. Zwischen Februar und Mai 1989 erzielte Cantona für Bordeaux sechs Tore in elf Einsätzen, während Olympique Marseille ohne ihn das französische Double aus Meisterschaft und Pokal gewann.
Auch für die anschließende Saison 1989/90 wurde Cantona verliehen, nun an Montpellier HSC. Der südfranzösische Klub zählte vor Beginn der Spielzeit zu den Geheimfavoriten auf die Meisterschaft, konnte die ihm zugeschriebene Rolle jedoch nicht erfüllen. Trainer Aimé Jacquet gelang es insbesondere nicht, aus den Stürmern Stéphane Paille, Daniel Xuereb und Éric Cantona ein funktionierendes Ensemble zu formen. Montpellier blieb hinter den Erwartungen zurück und kämpfte lange gegen den Abstieg. Cantona lieferte einen weiteren Skandal, als er sich mit seinem Mitspieler Jean-Claude Lemoult prügelte. Die Situation eskalierte dadurch, dass er dem Mittelfeldspieler einen Schuh ins Gesicht warf. Viele seiner Teamkollegen wollten Cantona daraufhin nicht mehr in der Mannschaft sehen, allerdings sprachen sich die Führungsspieler Laurent Blanc und Carlos Valderrama für den Verbleib des sportlich wichtigen Exzentrikers aus. Cantona erhielt eine milde Strafe und wurde lediglich für zehn Tage vom Training suspendiert. Im Saisonendspurt zeigte sich sein Wert für die Mannschaft, als er mit fünf Toren in sechs Ligaspielen großen Anteil am Klassenerhalt hatte. Montpellier gewann am 2. Juni 1990 durch einen 2:1-Sieg über Racing Paris den französischen Pokal. Cantona blieb im Endspiel zwar ohne Torerfolg, war jedoch mit 14 Treffern wettbewerbsübergreifend erfolgreichster Torschütze des Klubs.
1990 unternahm Cantona einen zweiten Anlauf bei Olympique Marseille und kehrte zum französischen Serienmeister zurück. Unter den Trainern Gérard Gili und Franz Beckenbauer zeigte er zunächst ansprechende Leistungen (acht Tore in 16 Ligaspielen) und ergänzte sich mit Toptorjäger Jean-Pierre Papin. Nach einer schweren Knieverletzung verlor Cantona unter dem dritten Trainer der Saison, Raymond Goethals, seinen Stammplatz und kam in der zweiten Saisonhälfte kaum noch zum Einsatz. Zwar gewann er mit „OM“ 1990/91 erneut die französische Meisterschaft, gehörte aber weder im Pokalfinale (0:1 gegen AS Monaco) noch im Endspiel des Europapokals der Landesmeister (3:5 n. E. gegen FK Roter Stern Belgrad) zum Aufgebot. Cantona gab sich zunehmend verschlossen, ließ niemanden an sich heran und begegnete jedem mit Skepsis. Da er in den Planungen der sportlichen Leitung keine Rolle mehr spielte, verkaufte ihn Marseille im Sommer 1991 für zehn Millionen Francs (umgerechnet 1,5 Millionen Euro) an den Aufsteiger Olympique Nîmes. Zum Ende der Hinrunde haderte Cantona in der Partie gegen die AS Saint-Étienne (7. Dezember 1991) mit einer Schiedsrichterentscheidung und zeigte seinen Unmut dadurch, dass er dem Schiedsrichter den Ball ins Gesicht warf. Für diese Unsportlichkeit bekam er die Rote Karte und das Sportgericht verhängte daraufhin eine vierwöchige Sperre. Doch Cantona beschimpfte die Angehörigen des Gerichts im Rahmen seiner Anhörung persönlich als „Idioten“, weshalb die Sperre verdoppelt wurde. Cantonas Karriere schien endgültig aus dem Tritt geraten zu sein und am 16. Dezember 1991 erklärte er im Alter von nur 25 Jahren seinen Rücktritt vom Profifußball.