Édith Thomas (geboren am 23. Januar 1909 in Montrouge; gestorben am 7. Dezember 1970 in Paris) war eine französische Archivarin, Schriftstellerin, Journalistin und Résistante.
Als Tochter eines Agraringenieurs und einer Lehrerin studierte Édith Thomas an der École nationale des chartes, wo sie 1931 ihr Studium als Archivarin und Archivar-Paläographin abschloss.
1934 veröffentlichte sie mit La Mort de Marie ihren ersten Roman, der den von der La Revue hebdomadaire gestifteten Prix du premier roman erhielt. Sie arbeitete als Journalistin bei eher linksorientierten Zeitungen wie Ce soir, Vendredi, Europe und Regards. Zu ihren Schwerpunktthemen zählte der Spanische Bürgerkrieg.
Während des Zweiten Weltkriegs schloss sie sich der Résistance an und trat 1942 der Kommunistischen Partei bei. Sie wirkte an der Herausgabe der im Untergrund erscheinenden Lettres françaises mit. Unter den Pseudonymen Jean Le Guern und Auxois veröffentlichte sie in Untergrunddruckereien Kurzgeschichten, die bereits 1943 in dem Band Contes d’Auxois bei den Éditions de minuit erschienen. Im selben Jahr gründete sie gemeinsam mit Jean Paulhan und Claude Morgan das Comité national des écrivains.
1944 trug sie zur ersten Ausgabe von Femmes françaises bei, einer feministischen und kommunistischen Zeitschrift, indem sie die Leserschaft über den Tod der Widerstandskämpferin Danielle Casanova informierte. 1947 wurde ihr die Médaille de la Résistance verliehen.
Ab 1948 war sie als Archivarin im Nationalarchiv tätig und trat 1949 aus der Kommunistischen Partei aus. Zu dieser Zeit hatte sie eine Beziehung mit Anne Desclos (alias Dominique Aury), die sich angeblich von bestimmten Charakterzügen ihrer Persönlichkeit inspirieren ließ, um die Figur der Anne-Marie in ihrer Geschichte der O zu erschaffen.
Als Pionierin der Frauenforschung erzählte sie in ihrem Essay „Les Pétroleuses“ die Geschichte von Frauen, die zu Unrecht beschuldigt wurden, während der Pariser Kommune Brandstifterinnen gewesen zu sein, und erhielt 1964 den Femina-Vacaresco-Preis. Sie arbeitete an einer Biografie über Louise Michel, die im März 1971 posthum veröffentlicht wurde.
Sie war Mitglied der Jury des Prix Femina. 1968 erhielt sie für Rossel den Grand Prix Gobert.
In Frankreich sind viele Straßen und Plätze nach ihr benannt; außerdem trägt das Stadt- und Metropolarchiv in Grenoble ihren Namen.
La Mort de Marie, Gallimard, 1934
L’Homme criminel, Gallimard, 1934
Le Refus, Éditions sociales internationales, 1936
Contes d’Auxois, Les Éditions de minuit, 1943
Le Champ libre, Paris, Gallimard, 1945
Études de femmes, Éditions Colbert, 1945
La Libération de Paris, Mellottée, 1945
Jeanne d’Arc, Éditions Hier et aujourd'hui, 1947
Les Femmes de 1848, Presses universitaires de France, 1948