An diesem Tag

Ärzte ohne Grenzen

Internationale Organisation für medizinische Nothilfe

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Ärzte ohne Grenzen (französisch Médecins Sans Frontières, ) ist die am 21. Dezember 1971 gegründete größte unabhängige Organisation für medizinische Nothilfe.

Die private Hilfsorganisation leistet medizinische Nothilfe in Krisen- und Kriegsgebieten. Hierfür wurde ihr 1999 der Friedensnobelpreis verliehen. Für 2015 wurde ihr der Lasker~Bloomberg Public Service Award zugesprochen.

Alle Sektionen auf internationaler Ebene, so auch die deutsche Sektion, nutzen die französische Bezeichnung Médecins Sans Frontières, deren Abkürzung MSF und die Übersetzung in ihre jeweilige Sprache, im Englischen zum Beispiel Doctors Without Borders.

Die Vereinigung hat 24 Sektionen in 20 Staaten und in den vier Regionen Lateinamerika, Südasien, Ostafrika und Südliches Afrika. Der Mitgliedsverband West- und Zentralafrika hat keinen Sektionsstatus. Ein internationales Büro in Genf hat koordinierende Funktionen und unterstützt die Zusammenarbeit im Netzwerk. Jährlich werden für Projekte der Organisation etwa 3000 Ärzte, Psychologen, Krankenschwestern und Pfleger, Hebammen und Logistiker rekrutiert. Insgesamt beschäftigte Ärzte ohne Grenzen im Jahr 2022 nach eigenen Angaben weltweit rund 65.000 Menschen, davon 91 Prozent in den Hilfsprojekten. Neun von zehn Mitarbeitenden stammen demnach aus den Einsatzländern selbst.

Am 17. Juni 2016 gab die Organisation in einer Pressemitteilung bekannt, dass der Verein aus Protest gegen die seiner Meinung nach dem Ziel der Abschottung und Abschreckung dienende europäische Migrations- und Asylpolitik ab sofort keine Gelder mehr bei den Institutionen der Europäischen Union und ihren Mitgliedstaaten beantragen wird.

Nach eigenen Angaben betrugen im Jahr 2022 die Einnahmen weltweit 2,252 Milliarden Euro und die Ausgaben für Nothilfeprojekte 1,737 Milliarden Euro weltweit. 97,3 Prozent der Einnahmen stammten aus privaten Spenden und Zuwendungen von weltweit mehr als 7 Millionen Spenderinnen und Spendern.

Die Organisation trägt das Zewo-Gütesiegel, welches gemeinnützige Organisationen für den gewissenhaften Umgang mit Spendengeldern auszeichnet.

In mehr als 70 Ländern betreibt die Organisation medizinische Hilfsprojekte und bildet auch teilweise Mitarbeiter im Land fort. Die Hilfsprojekte reichen von medizinischer Nothilfe über Bereitstellung von Trinkwasser und Latrinen bis zur medizinischen Aufklärung der Bevölkerung. Die Organisation weist aber auch, wie im Falle Tschetscheniens oder des Kosovo, auf Menschenrechtsverletzungen und Verletzungen des humanitären Völkerrechts hin.

Die humanitäre Arbeit für die Opfer von Not und Gewalt wurde 1999 durch die Verleihung des Friedensnobelpreises besonders geehrt.

Die Vereinigung ist bestrebt, unabhängig, unparteiisch und so neutral wie möglich zu handeln. Nur dies ermöglicht es nach Auffassung der Organisation, in Krisenregionen wirkungsvoll humanitäre Hilfe zu leisten. Erst ein einziges Mal seit ihrer Gründung hat die Organisation eine militärische Intervention befürwortet, nämlich 1994 im Falle des Völkermordes in Ruanda.

Die Organisation sieht auch das „Witnessing“ („Zeuge sein“) im Rahmen der medizinischen Nothilfe als eine wichtige Aufgabe. Witnessing bedeutet, auf Völker in Not aufmerksam zu machen. Berichtet wird über das, was Mitarbeiter vor Ort sehen. Mögliche Aktionen sind: Gespräche mit Verantwortlichen, Lobbying oder öffentliche Aufklärungskampagnen, im schlimmsten Falle sogar Rückzug aus einem Einsatzgebiet. Nach Meinung von MSF ist zwischen Witnessing und Neutralität in der praktischen humanitären Arbeit unter Umständen eine Abwägung notwendig, die im Einzelfall eine Aufgabe der Neutralität notwendig macht. Diese Auffassung von Neutralität unterscheidet MSF von der strikt praktizierten Neutralität des Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), aus dessen Einsatzerfahrungen MSF entstand.

Die Médecins Sans Frontières mit Sitz in Brüssel wurde 1980 gegründet.

Ärzte ohne Grenzen, gegründet 1993 als eingetragener Verein, ist die deutsche Sektion. Seit 2003 gibt es zudem eine Ärzte ohne Grenzen Stiftung.

Zusammen mit den Sektionen aus Großbritannien und den Niederlanden bildet die deutsche Sektion das Operational Centre Amsterdam. Dieses ist eines von fünf Zentren, welche relativ eigenständig Einsätze planen und durchführen.

Die Organisation ist seit 1998 Träger des DZI-Spendensiegels. Im Jahr 2022 waren durchschnittlich 367 Mitarbeitende am Standort Berlin in Deutschland beschäftigt. 204 Mitarbeitende in Projekten wurden aus Deutschland betreut. Die Sektion hatte ein Mittelaufkommen von 262.260.000 €. Vorstandsvorsitzende der Hilfsorganisation war von Juni 2019 bis 2023 die Allgemeinärztin Amy Neumann-Volmer. Ihr folgte im Juni 2023 in dieser Position die Gynäkologin Parnian Parvanta, die dem Vorstand bereits seit 2019 angehörte. Geschäftsführer des Büros in Berlin ist seit 2020 der Ingenieur Christian Katzer.

Ärzte ohne Grenzen e. V. ist seit 2018 neben weiteren NGOs institutioneller Träger der deutschen Denkfabrik für humanitäre Hilfe, Centre for Humanitarian Action.

In Österreich besteht der Verein Ärzte ohne Grenzen – Médecins Sans Frontières österreichische Sektion mit Sitz in Wien als österreichische Sektion seit 1994. Als Präsident fungierte von 2006 bis 2015 Reinhard Dörflinger, der auch Mitglied der Wiener Ärztekammer ist. Von 2008 bis 2011 war er stellvertretender Präsident der internationalen Organisation von Ärzte ohne Grenzen. Im Jahr 2015 folgte ihm Margaretha Maleh als Präsidentin nach. Seit 2021 ist der Kinderarzt Leo Ho Präsident von Ärzte ohne Grenzen Österreich.

Der Verein trägt das Österreichische Spendengütesiegel durchgehend seit dessen Einführung im Jahr 2001. Seit 2009 sind Spenden auch von Privatpersonen von der Einkommen- und Lohnsteuer absetzbar. Ärzte ohne Grenzen Österreich feierte am 25. Juni 2024 sein 30-jähriges Jubiläum. 2024 hat der Verein 37 Einsätze in 31 Ländern unterstützt. Mehr als 168.000 Menschen in Österreich haben im Jahr 2024 insgesamt über 32,2 Millionen Euro für die Hilfseinsätze gespendet. Jeder sechste Einsatz wurde aus Testamentsspenden finanziert. Darüber hinaus unterstützen Unternehmen und Stiftungen, darunter Gebrüder Weiss und ÖGU – Österreichische Gesellschaft für Unfallchirurgie die Organisation mit Leistungsspenden. Ärzte ohne Grenzen erklärte im Juni 2016, künftig keine Spenden mehr von der Europäischen Union oder ihren Mitgliedsstaaten anzunehmen.

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