An diesem Tag

Álvar Núñez Cabeza de Vaca

Spanischer Seefahrer und Entdecker

Anúncio

Álvar Núñez Cabeza de Vaca (* um 1490 in Jerez de la Frontera (Andalusien); † vielleicht 27. Mai 1559 in Valladolid) war ein spanischer Seefahrer und Entdecker. Er war der Sohn von Francisco Núñez de Vera und Teresa Cabeza de Vaca y de Zurita, einer eher bescheiden lebenden Hidalgo-Familie.

Sein legendärer Vorfahre, der Schafhirte Martin Alhaja, zeigte dem König von Navarra im Juli 1212 den strategisch wichtigen Bergpass Puerto del Muradal über die Sierra Morena. Die Nutzung des mit einem Kuhkopf (spanisch : Cabeza de Vaca) markierten Passweges ermöglichte dem Ritterheer der iberischen Königreiche die unbemerkte Annäherung an das auf der Südseite lagernde Heer der Almohaden und trug wesentlich zum Überraschungsmoment und damit zum Sieg in der Schlacht bei Las Navas de Tolosa bei.

Ab ca. 1511 bis 1522 hat er in den italienischen Feldzügen und gegen die Comuneros in Spanien gedient.

Im Jahr 1527 beteiligte er sich als Schatzmeister an einer Expedition, die von Pánfilo de Narváez geleitet wurde. Ziel war die Erforschung des Küstenstreifens zwischen Florida („La Florida“) und dem Rio Grande („Palmenfluss“). Die Expedition verließ Spanien mit sechs Schiffen und insgesamt 500 Mann. Bereits während der Überfahrt ging jedoch das erste Schiff in einem Hurrikan verloren. Bei einem Zwischenstopp auf der Insel Hispaniola desertierten 140 Mann.

Am 12. April 1528 landete die Expedition an der Westküste Floridas. Hier entschied Narváez, seine ohnehin schon geschwächte Truppe aufzuteilen. In einer Lagebesprechung versuchte Cabeza de Vaca, den Befehlshaber von einer Landexpedition abzuhalten. Er zeigte ihm auf, wie schlecht die Truppe ausgerüstet war. Jeder Mann hatte nur zwei Pfund Schiffszwieback (Yucabrot) und ein halbes Pfund Speck als Nahrung. Die 40 Pferde waren in dem sumpfigen Gelände kaum zu gebrauchen. Außerdem waren die Tiere von der langen Überfahrt sehr geschwächt. Zudem wussten die Navigatoren der Schiffe nicht genau, wo sie sich derzeit befanden. Die Truppe hatte keinen Hafen und keinen bewohnten Ort, den sie als Basis nutzen konnte. Trotzdem entschied Narváez sich gegen den Rat seines Stellvertreters und befahl die Expedition an Land. Die fünf verbliebenen Schiffe sollten die Küste entlangfahren und zu einem späteren Zeitpunkt wieder mit ihm und seinen Männern zusammentreffen. So drang Narváez mit ca. 300 Mann in die Sumpfgebiete Floridas vor. Von gefangenen Indianern hörte er von einer prächtigen Stadt der Apalachee und beschloss, weiter nach Nordwesten zu marschieren. Die Spanier erreichten den Ort am 24. Juni. Dort fanden sie jedoch nur 40 niedrige, schilfgedeckte Hütten vor. Hier gab es weder Gold noch andere Reichtümer. Da die Spanier kaum noch Vorräte hatten, nahmen sie von den Indianern alle Lebensmittel, die sie fanden, und marschierten wieder nach Südwesten. An der Küste wollten sie wieder auf ihre Flotte treffen. Unterwegs wurden sie allerdings von den Indianern, die sie beraubt hatten, heftig angegriffen. Viele Spanier starben durch die Pfeile der Indianer. Cabeza de Vaca berichtete von der enormen Durchschlagskraft der indianischen Bögen. Selbst die eisernen Rüstungen halfen den Männern nicht. Einige Spanier wurden von den Indianern gefangen genommen – einer dieser Gefangenen war Juan Ortiz.

Als de Narváez die Küste in der Nähe des Dorfes Aute erreichte, musste er feststellen, dass kein Schiff zu sehen war. Die Schiffsführer waren lange Zeit die Küste auf und ab gesegelt und hatten vergeblich nach ihren Kameraden Ausschau gehalten. Schließlich hatten sie aufgegeben und waren nach Veracruz (Mexiko) gesegelt; die ständigen Angriffe der Indianer hatten viele Männer und Pferde das Leben gekostet. Demoralisiert ließ Narváez nun Boote bauen, mit denen er aus Florida fliehen und die Küste von Mexiko erreichen wollte. Es wurden fünf grob gezimmerte Fahrzeuge mit flachen Bordwänden gebaut.

Am 22. September 1528 stach die Truppe in See. In ihren fünf kleinen Booten saßen insgesamt 242 Männer eng aneinandergedrängt. Sie besaßen nur wenige Lebensmittel; das wenige Trinkwasser bewahrten sie in den Häuten der Pferdebeine auf. Wochenlang fuhren sie entlang der Küste in Richtung Westen. Immer wieder trafen sie auf kriegerische Indianer und mussten sich verteidigen. Viele Männer starben an Hunger, Durst und Erschöpfung. Im Mündungsgebiet des Mississippi trennten Stürme und Strömungen die Boote voneinander. Am 6. November 1528 wurde Cabeza de Vacas Boot auf den Strand der „Insel des Schlechten Schicksals“ (heute Galveston Island) im heutigen Texas gespült. Ihr Boot war nicht mehr seetüchtig; ein Reparaturversuch schlug fehl. Trotzdem versuchte man, mit dem angeschlagenen Gefährt weiterzusegeln. Der Versuch scheiterte jedoch bereits in der Brandung: Das Boot kenterte, und drei Männer verloren ihr Leben. Erneut strandeten die Spanier auf der Insel und kamen nicht weiter.

Hier auf der Insel trafen sie auf die ebenfalls gestrandete Besatzung des zweiten Bootes, unter denen sich auch Alonso del Castillo und Andrés Dorantes befanden. Die indianischen Bewohner der Insel versorgten sie mit Lebensmitteln. Trotzdem hatten die Männer große Angst, dass diese Indianer sie umbringen und ihren Göttern opfern würden. Doch die Indianer behandelten sie gut – sie gaben ihnen zu essen und versorgten ihre Wunden.

Pánfilo de Narváez, der Anführer der Expedition, war mit dem dritten Boot in der Nähe gelandet. Dabei traf er auf die Besatzung des vierten Bootes. Während seine Männer an Land gingen, blieb er an Bord. In der Nacht kam ein Sturm auf, der das Boot – unbemerkt von allen anderen – auf das Meer hinaustrieb. Von de Narváez hat man seitdem nie wieder etwas gehört.

Die Besatzung des fünften Bootes, das in einiger Entfernung von der Insel strandete, wurde von anderen Indianern getötet.

Viele der überlebenden Männer starben an Krankheiten. Sie waren geschwächt und die Nahrung wurde knapp. Die Indianer konnten so viele Männer während des Winters nicht versorgen. Nach kurzer Zeit waren von 80 Männern nur noch 15 am Leben. Der Hunger trieb einige Spanier sogar dazu, ihre verhungerten Kameraden zu essen. Die Krankheiten der weißen Männer griffen auf die Indianer über, und viele von ihnen starben. Die freundliche Stimmung der Indianer schlug um: Die restlichen weißen Männer wurden als Sklaven aufgeteilt und mussten für die Indianer arbeiten. Einige von ihnen wurden von den Indianern jetzt schlecht behandelt und sogar getötet.

Cabeza de Vaca wurde zu einem Medizinmann gegeben, der ihn zwang, Kranke zu heilen. Auch er wurde sehr schlecht behandelt und wurde sterbenskrank. Nach seiner Genesung floh er zu einem anderen Stamm. Jahrelang führte er dort das Leben eines Händlers. In wochenlangen Wanderungen reiste er von Volk zu Volk. Seine Handelsgüter waren Häute von Tieren, Ockerfarbe aus Ton und Erde, die Gehäuse von Meeresschnecken und Muscheln. Die Indianer nutzten die Muscheln als Schmuck und zum Schneiden. Außerdem handelte er mit Perlen und einer bohnenartigen Baumfrucht. Diese Frucht nutzten die Indianer als Medizin und brauten rituelle Getränke daraus.

Während Cabeza sich als Händler durchschlug, traf er Alonso del Castillo, Andres Dorantes und den Mauren Estevanico wieder. Um seine Freunde nicht wieder aus den Augen zu verlieren, nahm Cabeza de Vaca erneut das Los der Sklaverei auf sich und blieb bei ihnen. Freiwillig ließ er sein ungebundenes Leben als Händler hinter sich, um nicht nur sich selbst zu retten, sondern auch seine Freunde.

Cabeza de Vaca plante nun mit seinen Kameraden die Flucht. Fast wäre sie gescheitert, weil die Indianer die Spanier voneinander trennten und zu verschiedenen Herren gaben. Zu der Zeit, als die Früchte des Feigenkaktus reiften, trafen sie sich wieder und verabredeten die Flucht. Sie wollten sich als Heiler nach Neuspanien (Mexiko) durchschlagen.

Auf ihrer Reise ertrugen sie unglaubliche Leiden, Hunger und Durst. Bei der Nahrungsaufnahme war es ihnen nicht möglich wählerisch zu sein. So aßen sie nicht nur die Früchte des Feigenkaktus, sondern auch Spinnen und Ameiseneier, Würmer, Eidechsen, Schlangen und selbst Hirschdung.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Álvar Núñez Cabeza de Vaca | World in Stories