Unter den Namen, die die musikalische Identität Brasiliens geprägt haben, tragen nur wenige so viel Gewicht wie der von Pixinguinha. Geboren als Alfredo da Rocha Vianna Filho in Rio de Janeiro am 4. Mai 1897, wuchs er in einer von Musik durchdrungenen Umgebung auf und sollte Jahrzehnte später zu einem der größten Komponisten in der Geschichte des Landes werden. Sein Lebensweg ist untrennbar mit der Geschichte des brasilianischen Choro verbunden.
Pixinguinhas Talent zeigte sich früh. Als Sohn eines Telegraphenbeamten, der auch Amateurflötist war, wuchs er auf, während er seltene Partituren hörte und in seinem Elternhaus Besuche renommierter Musiker empfing. Sein Vater besaß eine wertvolle Sammlung alter Choros und organisierte musikalische Zusammenkünfte, bei denen Persönlichkeiten wie Villa-Lobos und Quincas Laranjeiras verkehrten. In diesem fruchtbaren Umfeld lernte Pixinguinha Cavaquinho von seinen Brüdern und spielte bereits als Kind Flöte nach Gehör, ohne jemals eine Partitur gesehen zu haben.
Mit nur elf Jahren begleitete er seinen Vater bereits bei Auftritten und komponierte seine ersten Stücke. Sein erster dokumentierter Choro, *Lata de Leite*, stammt aus dieser Zeit der Entdeckungen. Er studierte Musiktheorie bei César Borges Leitão und perfektionierte sich schnell unter der Anleitung von Irineu de Almeida, einem erfahrenen Musiker, der ihn in sein Ensemble *Choro Carioca* aufnahm. Mit dieser Gruppe nahm Pixinguinha 1910 seine ersten Schallplatten auf – noch als Teenager.
Mit fünfzehn Jahren trat er bereits in Cabarets im Viertel Lapa auf, übernahm Orchesterleitungen und arbeitete in Kinos, wo Stummfilme mit Live-Musikbegleitung gezeigt wurden. 1914 veröffentlichte er sein erstes Werk als Partitur und gründete zusammen mit Freunden wie João Pernambuco und Donga die *Grupo do Caxangá*, ein Ensemble aus neunzehn Musikern, das urbane und ländliche Rhythmen verband und sich in typischer Tracht des nordostbrasilianischen Hinterlands kleidete. Die Gruppe trat fünf Karnevals in Folge auf und hinterließ ein bleibendes Zeichen in der musikalischen Erinnerung Rios.
Der nächste Schritt war noch kühner. 1919 versammelte Pixinguinha angesehene Musiker, darunter seinen Bruder China und Donga, um die *Oito Batutas* zu gründen – auf Wunsch des Leiters des *Cine Palais*, um das Foyer des Kinos zu beleben. Das Debüt fand am 7. April jenes Jahres statt, und die Gruppe übertraf schnell die Hauptattraktion: Das Publikum zog die *Oito Batutas* dem Film vor. Ihr Repertoire reichte vom nordostbrasilianischen Folklore bis zum Samba, umfasste Maxixe, Walzer und Polkas – eine Mischung, die das Publikum begeisterte und Vorurteile herausforderte.
Die Laufbahn der *Oito Batutas* war nicht frei von Kontroversen. Die Anwesenheit schwarzer Musiker in Etablissements, die von der Elite Rios frequentiert wurden, löste Spannungen und Kritik konservativer Kreise aus. Dennoch spielte die Gruppe für König Albert I. von Belgien während dessen Brasilienbesuchs und wurde von Intellektuellen wie Gilberto Freyre, Sérgio Buarque de Holanda und Rui Barbosa bewundert, die in ihrer Musik einen authentischen Ausdruck brasilianischer Kultur erkannten.
Pixinguinhas Besonderheit als Komponist lag in der Synthese, die er vorschlug. Indem er das Erbe der Choro-Musiker des 19. Jahrhunderts mit jazznahen Harmonien, afrobrasilianischen Rhythmen und ausgefeilten Arrangements verband, präsentierte er den Choro einem Publikum, das noch nicht wusste, dass dies brasilianisch war. Werke wie *Carinhoso*, *Glória*, *Lamentos* und *Um a Zero* wurden zu absoluten Klassikern, die von Generationen von Musikern bis heute aufgenommen und neu interpretiert werden.
Pixinguinha war auch ein technologischer Pionier seiner Zeit. Er gehörte zu den ersten brasilianischen Musikern, die das Potenzial von Radio und Studioaufnahmen als Verbreitungsmittel erkannten und nutzten. Während viele Künstler diesen Neuerungen noch misstrauten, nutzte er jede verfügbare Ressource, um die Reichweite seiner Musik zu vergrößern. Diese avantgardistische Haltung löste zwar zeitweise Kontroversen aus – besonders unter Verfechtern eines traditionelleren Choro –, doch gerade sie hob das Genre auf eine neue Ebene.
Mit den Jahrzehnten wandelte sich Pixinguinha vom umstrittenen Innovator zum Hüter eines kollektiven musikalischen Gedächtnisses. Sein Name wurde zum Synonym für Tradition, Brasilianität und technische Meisterschaft. Er erlebte noch, wie die Musik, zu deren Aufbau er beigetragen hatte, als immaterielles Kulturerbe des Landes anerkannt wurde.
Pixinguinha starb am 17. Februar 1973 im Alter von fünfundsiebzig Jahren in Rio de Janeiro und hinterließ ein monumentales Werk. Seine Produktion umfasst Dutzende von Choros, Sambas, Maxixes, Walzern und anderen Genres, die die Musikszene seiner Zeit dominierten. Heute ist es unter Musikwissenschaftlern, Musikern und Liebhabern unbestritten, ihn als Genie anzuerkennen – einen Künstler, der aus der Begegnung von Tradition und Moderne etwas völlig Neues und genuin Brasilianisches schuf.