misterios

Gregor IX.

Papst der katholischen Kirche (1227–1241)

5 min01/01/2024
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Ugolino dei Conti di Segni, der Mann, der als Gregor IX. in die Geschichte eingehen sollte, wurde um das Jahr 1167 in der mittelitalienischen Stadt Anagni geboren. Er entstammte dem mächtigen Adelsgeschlecht der Conti, jenem selben Haus, dem auch sein berühmter Onkel, Papst Innozenz III., angehörte. Diese familiäre Verbindung zum päpstlichen Stuhl prägte von Anfang an seinen Lebensweg und eröffnete ihm Türen, die anderen Klerikern verschlossen blieben.

Seine Ausbildung war dem Stand gemäß außerordentlich gründlich. In Paris vertiefte er sich in die Theologie, vermutlich erwarb er in Bologna solide Kenntnisse des Kirchenrechts – einer Disziplin, die sein Pontifikat wie keine andere kennzeichnen sollte. Nach dem Studium begann sein kirchlicher Aufstieg rasch Fahrt aufzunehmen: 1198 wurde er Subdiakon und Kaplan der Kurie, später stieg er zum Kardinaldiakon auf. Im Jahr 1206 ernannte man ihn zum Kardinalbischof von Ostia, womit er automatisch den Vorsitz im Kardinalskollegium als dessen Dekan übernahm.

Von 1207 bis 1209 wirkte er als päpstlicher Legat im deutschen Reichsteil, wo er die komplexen Machtverhältnisse nördlich der Alpen aus nächster Anschauung kennenlernte. Dieses Wissen um die politischen Realitäten des Heiligen Römischen Reiches sollte ihm später im Umgang mit Kaiser Friedrich II. zugutekommen. Als Hugolinus kannte er auch bereits Franziskus von Assisi persönlich, mit dem ihn eine tiefe geistliche Verbundenheit verband.

Am 19. März 1227, nur einen einzigen Tag nach dem Tod seines Vorgängers Honorius III., wählte das Kardinalskollegium ihn zum neuen Papst. Er nahm den Namen Gregor IX. an. Dieser blitzschnelle Amtsantritt wurde als Zeichen seiner dominierenden Stellung im kirchlichen Machtgefüge gewertet. Kaum auf dem Thron Petri, entfaltete er eine Energie, die angesichts seines bereits fortgeschrittenen Alters erstaunte.

Eines seiner herausragenden Merkmale war die aufrichtige Förderung der neuen Bettelorden. Die Franziskaner und die Dominikaner, beide im frühen 13. Jahrhundert entstanden, erwiesen sich als wirkungsvolle Instrumente einer erneuerungswilligen Kirche. Gregor, der Franziskus persönlich gekannt hatte, kanonisierte ihn schon 1228, nur zwei Jahre nach dessen Tod – ein ungewöhnlich rasches Heiligsprechungsverfahren. Es folgten 1232 Antonius von Padua, 1234 der Dominikanergründer Dominikus und 1235 die thüringische Landgräfin Elisabeth. Diese Heiligsprechungen verankerten die Bettelordensidee endgültig im kirchlichen Kanon.

Auf dem Feld der Kirchenrechtsreform hinterließ Gregor IX. ein Werk, das Jahrhunderte überdauern sollte. Im Jahr 1230 beauftragte er den Dominikaner Raimund von Peñaforte mit der Zusammenstellung einer neuen, einheitlichen Gesetzessammlung. Das Ergebnis, die Nova Compilatio Decretalium, allgemein als Liber Extra bekannt, ordnete und ergänzte das bis dahin zersplitterte Kirchenrecht. Dieses monumentale Werk blieb fast 700 Jahre lang in Kraft, nämlich bis zur Ablösung durch den Codex Iuris Canonici im Jahr 1917. Ergänzt wurde es durch mehr als 190 eigene Dekretalen Gregors, die unter anderem das Notariat, den Umgang mit Wucher und das Vertragsrecht regelten.

Scharf und unnachsichtig verfolgte Gregor häretische Bewegungen wie die Katharer und die Waldenser. 1231 führte er persönlich in Rom eine Inquisition durch, die mit Kerkerstrafen und Todesurteilen endete. Außerhalb des Kirchenstaates überließ er die Urteilsvollstreckung der weltlichen Justiz, die seit den Ketzergesetzen Kaiser Friedrichs II. aus dem Jahr 1224 die Verbrennung auf dem Scheiterhaufen vorsah. Um die Verfolgung von Häretikern zu systematisieren, schuf Gregor das Amt des päpstlichen Inquisitors als eigenständige Institution, unabhängig von den lokalen Bischofgerichten. Mit dem Deutschen Konrad von Marburg setzte er einen besonders eifrigen Mann in diesem Amt ein. Auf Konrads Berichte gestützt, warnte er 1233 König Heinrich VII. in dem Schreiben Vox in Rama eindringlich vor einer angeblichen Sekte von Luziferianern, die in deutschen Landen ihr Unwesen treiben sollte.

Das beherrschende politische Thema seines Pontifikats war der jahrelange Konflikt mit Kaiser Friedrich II. Dessen Herrschaft über das Heilige Römische Reich im Norden und das Königreich Sizilien im Süden umklammerte den Kirchenstaat wie eine Zange. Als Friedrich einen bereits unter Honorius III. gelobten Kreuzzug wegen einer Erkrankung abbrach, exkommunizierte Gregor ihn am 29. September 1227. Diese Strafe blieb bestehen, obwohl Friedrich 1229 auf diplomatischem Wege – durch einen Vertrag mit dem Ayyubiden-Sultan Malik el-Kamil – Jerusalem wieder für Christen zugänglich machte. Christen durften die heiligen Stätten Palästinas fortan unbewaffnet betreten und Gottesdienste feiern, doch der Papst erkannte diesen Erfolg nicht an, weil er ohne päpstliche Mitwirkung und ohne Waffengewalt erzielt worden war.

Die Bulle von Rieti aus dem Jahr 1234, mit der Gregor dem Deutschen Orden die Herrschaft über seine Besitzungen in Preußen bestätigte, hatte weitreichende geopolitische Folgen für den osteuropäischen Raum. Sie legte den rechtlichen Grundstein für die Ausweitung des Ordensstaates und damit für Jahrhunderte der Geschichte im Baltikum.

Gregor IX. starb am 22. August 1241 in Rom. Sein Pontifikat, das von 1227 bis zu seinem Tod dauerte, hatte die Kirche in vielfacher Hinsicht verändert: Das Kirchenrecht war auf ein neues Fundament gestellt, die Inquisition institutionell gefestigt und die Bettelorden in den Mittelpunkt des religiösen Lebens gerückt worden. Der konfliktreiche Umgang mit dem Kaiser blieb freilich auch als Zeugnis der Grenzen päpstlicher Macht in Erinnerung – ein Mächtespiel, das Friedrich II. und Gregor IX. keiner von beiden endgültig gewinnen konnte.

Sein Erbe ist bis heute zwiespältig: als Kirchenrechtler und Förderer der Ordensspiritualität genoss er bleibenden Respekt, während die von ihm mitgestaltete Inquisition in der Geschichtsschreibung stets als dunkles Kapitel seiner Amtszeit vermerkt wird.

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