Moctezuma II., auf Nahuatl Motecuhzoma Xocoyotzin, was so viel bedeutet wie „Er schaut finster drein wie ein Fürst, der Jüngere", wurde um das Jahr 1465 geboren. Er entstammte dem aztekischen Herrscherhaus und war der Sohn des Herrschers Axayacatl, der von 1471 bis 1482 über Tenochtitlan regierte, die prächtige Hauptstadt des Aztekenreiches, die auf einer Insel im Texcocosse gelegen war. Über Moctezumas Jugend und seinen Aufstieg innerhalb der aztekischen Gesellschaft ist wenig überliefert. Bekannt ist, dass er bis zum Tod seines Onkels Auitzotl im Jahr 1502 Hohepriester der höchsten aztekischen Gottheit Huitzilopochtli war, eine Position von außerordentlichem religiösem und politischem Gewicht.
Nach dem Tod Auitzotls wurde Moctezuma im Jahr 1502 als neunter Tlatoani, also Sprecher und Herrscher, über das Reich der Azteken eingesetzt. Seine ersten siebzehn Regierungsjahre waren von konsequenter Machtpolitik und erfolgreicher Expansion geprägt. In den ersten zehn Jahren seiner Herrschaft führte er die Eroberungszüge seiner Vorgänger im Bergland des heutigen mexikanischen Bundesstaates Oaxaca zum Abschluss und leitete diese Feldzüge persönlich. Das Ziel war zweifach: die bereits kontrollierten Handelswege und das tributreiche Tal von Oaxaca zu sichern sowie die unterworfenen Völker, allen voran die Mixteken und Zapoteken, durch militärische Demonstrationen einzuschüchtern und in der Unterwerfung zu halten.
Im Anschluss richtete Moctezuma seinen Fokus auf die Schwächung der Tlaxcalteken und ihrer Verbündeten, die ein unabhängiges Gebiet inmitten des aztekischen Einflussbereichs hielten. Es gelang ihm, die Tlaxcalteken von fast allen Handelsverbindungen abzuschneiden, eine wirtschaftliche Druckstrategie, die deren Handlungsspielraum erheblich einengte. Da bei diesen Unternehmungen auch Krieger aus der 1473 von den Azteken eroberten Nachbarstadt Tlatelolco mitkämpften, erließ Moctezuma ihnen im Jahr 1519 alle seitdem auferlegten Tributzahlungen, beendete die Herrschaft der dortigen Militärgouverneure und setzte seinen Vetter Cuauhtemoc als neuen Herrscher ein, eine Geste des Vertrauens und der Belohnung.
Auch innenpolitisch zeigte Moctezuma eine klare Linie. Er stärkte den Adel, indem er nichtadelige Beamte aus ihren Ämtern entließ, die mit dem Adel politisch konkurrierten. Der Ethnologe Hanns J. Prem schätzt ein, dass die Behauptung, diese Maßnahme sei Teil eines alten Vertrages gewesen, eine Erfindung Moctezumas war, um seine Entscheidungen zu legitimieren. Im Jahr 1515 starb Nezahualpilli, der Herrscher über Texcoco und Mitglied des aztekischen Dreibunds. Mangels einer eindeutigen Nachfolgeregelung griff Moctezuma eigenmächtig in die Thronfolge ein und bestimmte Cacamatzin zum neuen Herrscher. Dessen Halbbruder Ixtlilxochitl fühlte sich übergangen, rebellierte und verbündete sich später aus diesem Grund mit den eindringenden Spaniern.
Die ersten Signale einer fremden Bedrohung erreichten Moctezuma bereits 1517, als der Spanier Francisco Hernandez de Cordoba eine Expedition von Kuba aus westlich führte und dabei die Halbinsel Yucatan entdeckte. Obwohl die Spanier vorerst nicht weiter vordrangen, ließ Moctezuma sich genaue Berichte über die Fremden vorlegen und befahl, sie bei einer Rückkehr zu empfangen, mit ihnen Handel zu treiben und ihre Absichten zu erkunden. Bei der Ankunft der Schiffe unter Juan de Grijalva im Jahr 1518 wurden die Spanier, die erstmals aztekisch beherrschtes Gebiet betraten, von offiziellen Abgesandten Moctezumas begrüßt und betrieben Tauschhandel mit der Bevölkerung.
Am Gründonnerstag 1519 landete eine dritte Expedition unter Hernan Cortes. Was folgte, sollte das Ende einer ganzen Welt bedeuten. Cortes verbündete sich mit den Tlaxcalteken und anderen unterworfenen Völkern, die Moctezumas Herrschaft abschüttelten, und marschierte auf Tenochtitlan zu. Im November 1519 empfing Moctezuma den Konquistador in seiner Hauptstadt. Die Gründe für diesen Empfang und Moctezumas Verhalten in den folgenden Monaten sind bis heute Gegenstand historischer Debatten. Fest steht, dass er schließlich von den Spaniern festgehalten wurde. Am 30. Juni 1520, dem sogenannten Noche Triste, der Nacht, in der die Azteken die Spanier aus der Stadt vertrieben, fand Moctezuma II. seinen Tod in Tenochtitlan. Die Umstände seines Todes blieben ungeklärt, ob er von den Azteken als Verräter getötet oder von den Spaniern ermordet wurde.
Das Aztekenreich überlebte Moctezuma nur kurz. Im Jahr 1521 fiel Tenochtitlan nach einer langen Belagerung. Der Name Moctezuma lebt jedoch im kollektiven Gedächtnis als Symbol einer verlorenen Welt und einer der dramatischsten Begegnungen zwischen zwei Kulturen in der Menschheitsgeschichte weiter.
