Hochwasser gehört zu den ältesten und zugleich bedrohlichsten Naturphänomenen, denen die Menschheit ausgesetzt ist. Als Hochwasser bezeichnet man jenen Zustand eines Gewässers, bei dem der Wasserstand deutlich über dem normalen Mittelwasserstand liegt – in der wissenschaftlichen und hydrologischen Fachsprache wird dies mit der Abkürzung HQ bezeichnet, zusammengesetzt aus dem Wort Hoch und dem Buchstaben Q als Kennzahl für den Abfluss. Das Gegenteil, also ein deutlich unter dem Normalstand liegender Wasserstand, wird als Niedrigwasser bezeichnet.
Um das Phänomen richtig zu verstehen, ist eine grundlegende Unterscheidung unumgänglich: Je nach Herkunft des überschüssigen Wassers und der Art des betroffenen Gewässers unterscheidet man zwischen gezeiten- oder tideunabhängigem Hochwasser einerseits und tideabhängigem Hochwasser andererseits. Beim ersten Typ stammt das Wasser aus Starkregen, sogenannten pluvialen Ereignissen, oder aus der Schneeschmelze; es betrifft fließende wie stehende Gewässer, also Flüsse, Bäche und Seen. Das zweite, tideabhängige Hochwasser ist ein Charakteristikum maritimer Küstenregionen. Es tritt als ganz normaler periodischer Vorgang alle zwölf bis zwölfeinhalb Stunden auf, verursacht durch die Schwerkraft der Sonne und vor allem des Mondes. Zwischen jedem Hoch- und Niedrigwasserstand liegen dabei durchschnittlich sechs bis sechseinhalb Stunden.
Im Alltag wird der Begriff Hochwasser oft mit dem Begriff Flut gleichgesetzt oder verwechselt, was streng genommen falsch ist. Flut bezeichnet lediglich den ansteigenden Wasserstand vor dem eigentlichen Erreichen des Hochpunkts, während Hochwasser den Scheitelzustand selbst meint. Bei Fließgewässern tritt ein Hochwasser ein, wenn der Pegel für mehrere Tage deutlich über den Normalstand steigt. Solche Ereignisse weisen je nach Einzugsgebiet typische jahreszeitliche Muster auf: Frühjahrshochwasser entstehen durch Schneeschmelze, sommerliche Ereignisse oft durch Starkregen.
Die Folgen eines ansteigenden Flusses sind vielfältig. Zunächst muss die Flussschifffahrt eingestellt werden, bei weiterem Anstieg drohen Überschwemmungen von Uferzonen, Siedlungen und landwirtschaftlichen Flächen. Wildbäche im Gebirge können bei starkem Hochwasser zu reißenden Flüssen werden, die Brücken mitreißen und Muren oder Erdrutsche auslösen. Besonders rasch eintretende Ereignisse, bei denen die Wassermengen innerhalb kürzester Zeit anschwellen, werden als Sturzfluten bezeichnet und zählen zu den gefährlichsten Formen des Phänomens.
Besonders hohe Gezeiten entstehen bei Voll- oder Neumond, wenn die Gezeitenkräfte von Sonne und Mond zusammenwirken. Diese sogenannten Springtiden oder Springfluten können sich an flachen Küstenstrichen weit ins Landesinnere vorarbeiten, wenn sie zusätzlich durch Wind verstärkt werden – dann spricht man von einer Sturmflut. An Meeresküsten kann ein solches Ereignis verheerend sein und Überflutungen über Kilometer hinweg auslösen. Auch im Binnenland kann Wind zu einem Hochwasser beitragen, etwa durch einen sogenannten Windstau, der das Wasser eines Flusses oder Sees aufstaut, wenn der Wind entgegen der Fließrichtung wirkt.
Grundsätzlich sind Hochwasser Bestandteile des natürlichen Wasserkreislaufs und haben die Erde seit Jahrmillionen geformt. Zur Katastrophe werden sie erst dort, wo menschliche Siedlungen, Infrastrukturen und Sachwerte betroffen sind. Man unterscheidet zwischen regelmäßig wiederkehrenden Ereignissen, die jährlich oder saisonal eintreten können, und außergewöhnlichen Einzelereignissen von seltener Heftigkeit. Das Magdalenenhochwasser von 1342, das weite Teile Mitteleuropas verwüstete, oder das Oderhochwasser von 1997 werden als Jahrtausendhochwasser eingestuft. Das Elbehochwasser von 2002 und die Überschwemmungen in Mitteleuropa 2013 trugen vorübergehend den Begriff der Jahrhundertflut – ein Begriff, der angesichts der seither gehäuften Extremereignisse zunehmend relativiert wird.
Die globale Erwärmung spielt in der modernen Hochwasserdebatte eine wachsende Rolle, wenngleich der genaue Beitrag im Einzelfall wissenschaftlich schwer zu beziffern bleibt. Der Weltklimarat IPCC geht davon aus, dass Hochwasserrisiken künftig in vielen Regionen der Erde zunehmen werden, während für andere Gebiete eher Veränderungen in der Niederschlagsverteilung prognostiziert werden.
Länder mit niedrigem Relief, also geringen Höhenunterschieden im Gelände, sind in besonderer Weise gefährdet. Die Niederlande, Deutschland vor allem im nördlichen Küstenbereich und Dänemark begegnen dieser Gefahr mit massiven Deich- und Sperrwerksprogrammen. Der Schutz vor dem ansteigenden Meer ist dort zu einer staatlichen Daueraufgabe geworden, die erhebliche Ressourcen bindet. Wo solche Schutzmaßnahmen fehlen oder nicht ausreichen, kann der Schaden existenziell werden. Bangladesch am Mündungsdelta des Ganges liefert ein erschreckendes Beispiel: Dort können Überschwemmungen Tausende von Menschenleben kosten und ganze Landstriche für Wochen unter Wasser setzen.
Hochwasser an Flüssen und ihren Nebenläufen können sich gegenseitig verstärken, wenn ihre Scheitel zeitgleich eintreffen. Ein gesättigter Boden, der kein weiteres Wasser aufnehmen kann, beschleunigt diesen Prozess zusätzlich. Eisstau im Winter, wenn treibende Eisschollen Flussbetten blockieren und das Wasser aufstauen, stellt eine besondere Form des Hochwassers dar, die regional erhebliche Schäden anrichten kann. Auch die Hamburger Sturmflut von 1962 zeigte, wie das Zusammentreffen von Tide, Sturm und Windstau zu einer Katastrophe führen kann, die in der kollektiven Erinnerung unvergessen bleibt. Das Wissen um diese Mechanismen, das Verständnis der vielfältigen Ursachen und das Zusammenspiel natürlicher Kräfte bilden die Grundlage jeden wirksamen Hochwasserschutzes.
