misterios

Exército de terracota

**TITEL:** Die Terrakotta-Armee

4 min20/06/2026
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**TITEL:** Die Terrakotta-Armee

Im Frühjahr 1974 stießen Bauern, die in einer trockenen Region der Provinz Shaanxi in China einen Brunnen gruben, auf einen der außergewöhnlichsten archäologischen Funde der Menschheitsgeschichte. Nur wenige Kilometer von der Stadt Xi’an entfernt, im Bezirk Lintong, stießen die Schaufeln der Arbeiter auf Fragmente menschlicher Figuren aus gebranntem Ton. Was zunächst wie ein zufälliger Fund erschien, entpuppte sich als Eingang zu einem der größten Grabkomplexe der antiken Welt: die Terrakotta-Armee des ersten chinesischen Kaisers.

Die Skulpturen wurden geschaffen, um Qin Shi Huang, den Herrscher, der China einte und die Qin-Dynastie begründete, ins Jenseits zu begleiten. Zwischen 210 und 209 v. Chr. vergraben, stellten die Figuren die königlichen Heere des Kaisers dar und hatten die Aufgabe, ihn in seinem Leben nach dem Tod zu beschützen. Die Vorstellung, dass ein Herrscher selbst im Totenreich von seinem Heer begleitet werden sollte, spiegelte die absolute Macht wider, die das gesamte politische System Chinas in dieser Zeit prägte.

Das Ausmaß des Fundes stellte die Vorstellungskraft der Archäologen auf die Probe. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass die drei ausgegrabenen Gruben mehr als achttausend Terrakotta-Soldaten enthielten, dazu 130 Streitwagen mit 520 Pferden und 150 Kavalleristen. Die größte der Gruben beherbergt über sechstausend Figuren, die die Hauptarmee des Kaisers darstellen. Die zweite Grube umfasst etwa eintausendvierhundert Figuren aus Kavallerie und Infanterie mit Wagen und Pferden, die die Militärgarde repräsentieren. Die dritte, kleinere Grube mit nur 68 Figuren entspricht der Kommandoeinheit mit hochrangigen Offizieren und einem von vier Pferden gezogenen Streitwagen. Eine vierte Grube wurde völlig leer vorgefunden.

Noch beeindruckender ist der Individualisierungsgrad jeder Figur. Die Soldaten variieren in ihrer Größe je nach militärischem Rang – die Generäle sind die größten. Jedes Gesicht hat einen eigenen Ausdruck, eine unterschiedliche Frisur und eine dem hierarchischen Status entsprechende Kleidung. Unter den Tausenden bisher gefundenen Figuren gibt es keine zwei identischen Gesichter. Dieser Detailreichtum legt nahe, dass die für die Herstellung verantwortlichen Handwerker angewiesen waren, reale Soldaten darzustellen oder zumindest eine überzeugende Illusion von Individualität für jeden Krieger zu schaffen.

Der Bau des Mausoleums, das die Armee beherbergt, begann 246 v. Chr., als Qin Shi Huang noch jung war. Man geht davon aus, dass etwa 700.000 Arbeiter und Handwerker 38 Jahre brauchten, um den Komplex fertigzustellen. Der chinesische Historiker Sima Qian, der um 100 v. Chr. darüber schrieb, beschrieb das Innere des Mausoleums als Miniaturuniversum: Edelsteine stellten die Gestirne dar, Perlen symbolisierten die Planeten, und Quecksilberflüsse bildeten die Meere nach. Neuere Untersuchungen haben hohe Quecksilberwerte im Boden rund um das Mausoleum nachgewiesen, was den Berichten des Historikers Glaubwürdigkeit verleiht.

Die Herstellungstechnik der Figuren offenbart eine für die damalige Zeit hoch entwickelte industrielle Organisation. Die Stücke wurden in staatlichen Werkstätten von spezialisierten Handwerkern in modularer Bauweise gefertigt: Köpfe, Rümpfe, Arme und Beine wurden separat hergestellt und anschließend zusammengefügt. Nach dem Brennen in Öfen bei relativ niedrigen Temperaturen erhielt jede Figur eine Lackschicht zur Erhöhung der Haltbarkeit und wurde dann mit lebendigen Farben bemalt, um den Kriegern, ihrer Kleidung und Ausrüstung ein realistisches Aussehen zu verleihen. Einige Stücke bewahren noch Spuren dieser ursprünglichen Bemalung, doch die Luftzersetzung lässt die Farben schnell verblassen.

Die Soldaten waren mit echten Waffen ausgerüstet, nicht mit dekorativen Nachbildungen. Lanzen, Bögen und Bronzeschwerter wurden den Figuren in die Hände gelegt, und es wird angenommen, dass viele dieser Waffen vor 228 v. Chr. hergestellt wurden und möglicherweise in echten Schlachten zum Einsatz kamen, bevor sie vergraben wurden. Auf einigen Waffen und Figuren gefundene Markierungen deuten darauf hin, dass sie in verschiedenen Werkstätten produziert wurden, mit einem Qualitätssicherungssystem, das Ortsnamen und die Namen der verantwortlichen Handwerker für jedes Stück festhielt.

Neben den Kriegern brachten Ausgrabungen in anderen Gruben des Komplexes ebenso detaillierte nicht-militärische Figuren zutage: Palastbeamte, Akrobaten und Musiker, alle aus Terrakotta. Die Anwesenheit dieser Figuren legt nahe, dass der Kaiser nicht nur militärisch beschützt werden wollte, sondern auch einen vollständigen Hofstaat genießen wollte – mit Unterhaltung und Verwaltung, genau wie zu Lebzeiten.

Das Hauptmausoleum, in dem der Kaiser tatsächlich bestattet wurde, liegt unter einem 47 Meter hohen Erdhügel mit einer Fläche von über zwei Quadratkilometern. Bis heute wurde diese zentrale Kammer nicht ausgegraben. Archäologen befürchten, dass natürliche Bedingungen, insbesondere Feuchtigkeit und Regen, die dort ruhenden Schätze unwiederbringlich beschädigen könnten. Es gibt Pläne, vor weiteren Eingriffen eine spezielle Schutzkonstruktion zu errichten.

Mehr als fünfzig Jahre nach der Entdeckung gehen die Ausgrabungen weiter. Über achttausend Figuren wurden bereits geborgen, doch Experten schätzen, dass der gesamte Komplex noch weitere Überraschungen bergen könnte. Die Terrakotta-Armee bleibt eines der eindrucksvollsten Denkmäler menschlicher Ambition – errichtet von einem Mann, der selbst über den Tod hinaus die absolute Macht bewahren wollte, die er zu Lebzeiten über die Welt ausgeübt hatte.

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