biografias

Edmund White

US-amerikanischer Schriftsteller und Essayist

6 min01/01/2024
Anúncio

Edmund Valentine White III erblickte am 13. Januar 1940 in Cincinnati, Ohio, das Licht der Welt. Sein Vater war ein Industriekaufmann, seine Mutter Kinderpsychologin, und diese denkwürdige Kombination aus materiellem Pragmatismus und psychologischer Sensibilität sollte das Bewusstsein des späteren Schriftstellers maßgeblich prägen. Als er sieben Jahre alt war, ließen sich seine Eltern scheiden; die Mutter zog mit Edmund und seiner Schwester nach Evanston im Bundesstaat Illinois, einem Umzug, der seine Kindheitswelt grundlegend veränderte.

Mit fünfzehn Jahren begann White eine Psychoanalyse, die er rückblickend als nahezu vollständig destruktiv bezeichnete. Die Erfahrungen jener Jahre formten seinen kritischen Blick auf Institutionen und gesellschaftliche Normen, der später sein literarisches Werk durchziehen sollte. Erst ein befreundeter Psychoanalytiker, der selbst Schriftsteller war, half ihm über einen Zeitraum von zwanzig Jahren, sich selbst besser zu verstehen und seine künstlerischen Anlagen zu entfalten.

In Michigan besuchte White eine Internatsschule, bevor er an der University of Michigan Sinologie studierte und 1962 seinen Bachelor-Abschluss im Chinesischen erwarb. Die Harvard University hatte seinen Aufnahmeantrag bereits angenommen, doch White folgte seinem damaligen Liebhaber nach New York und tauchte in die entstehende schwule Subkultur der Metropole ein. Dieser Entschluss, die akademische Laufbahn zugunsten des Lebens zu verlassen, war symptomatisch für seine Persönlichkeit: Immer stand die unmittelbare Erfahrung über dem theoretischen Wissen.

In New York wurde White Zeuge der Stonewall-Unruhen im Juni 1969, die als Geburtsstunde der modernen homosexuellen Emanzipationsbewegung in die Geschichte eingingen. Obwohl er dabei war, betrachtete er das unmittelbare Ereignis mit charakteristischer Ambivalenz: Er nannte es ein dummes Ereignis, eher Dada als Bastille. Dennoch war er sich der historischen Bedeutung dieses Moments bewusst und sollte in den Folgejahren zu einem der wichtigsten literarischen Chronisten dieser gesellschaftlichen Umwälzung werden.

Von 1962 bis 1970 arbeitete White als Redakteur für den Time-Life-Verlag, danach als leitender Redakteur bei The Saturday Review von 1972 bis 1973 und als Herausgeber der Zeitschrift Horizon von 1974 bis 1975. Diese Jahre des Verlagsjournalismus schärften seinen Sinn für Sprache und Form, auch wenn seine eigentliche Berufung das literarische Schreiben war. Von 1977 bis 1979 lehrte er als Assistenzprofessor an der Johns Hopkins University, wo er nach eigener Einschätzung vor allem sich selbst unterrichtete, da einige seiner Studenten besser gebildet seien als er.

In den 1970er Jahren war White Mitgründer der literarischen Gruppe Violet Quill, die er gemeinsam mit Christopher Cox, Robert Ferro, Michael Grumley, Andrew Holleran, Felice Picano und George Whitmore ins Leben rief. Diese Gruppe bildete das intellektuelle und kreative Zentrum einer neuen schwulen Literatur in den USA und schrieb Werke, die aus der Erfahrung nach Stonewall schöpften. Viele dieser Autoren, darunter vier Mitglieder der Violet Quill, starben in den folgenden Jahren an AIDS, und White sah sich zunehmend als Überlebender einer ganzen Generation.

1985 erfuhr White, dass er HIV-positiv war. Dieses Wissen trug er jahrzehntelang mit sich, ohne dass sich die Infektion bei ihm zur Krankheit AIDS entwickelte. Er gehörte zu jener kleinen Minderheit, bei der das Virus einen anderen Verlauf nahm. 1983 hatte er auf Empfehlung seiner Freundin Susan Sontag ein Guggenheim-Stipendium erhalten und war nach Paris gezogen, wo er bis 1990 lebte und immer wieder zurückkehrte. Die französische Hauptstadt wurde zu einem zweiten Zuhause und zu einem fruchtbaren Boden für sein Schreiben.

Nach Lehraufenthalten an der Brown University von 1990 bis 1992 begann White 1998 seine Professur in Princeton, wo er bis 2006 das Programm für kreatives Schreiben leitete. Seine akademische Arbeit war nie losgelöst vom eigenen Schreiben, vielmehr ergänzten sich Lehre und literarische Produktion auf produktive Weise. 2016 wurde er zum Staatsschreiber von New York ernannt, eine Ehrung, die seinen Status als literarische Institution des amerikanischen Kulturlebens bestätigte.

Im November 2013 heiratete White nach einer neunzehnjährigen Beziehung seinen Partner, den Schriftsteller Michael Carroll. Es war eine späte, aber sichtbare Geste gegenüber einer Gemeinschaft, für die er jahrzehntelang als Stimme und Zeuge geschrieben hatte. Sein literarisches Werk umfasst Romane, Memoirs, Essays und Biografien, darunter wegweisende Arbeiten über Jean Genet und Marcel Proust.

Edmund White starb am 3. Juni 2025 in New York City im Alter von 85 Jahren. Er hinterließ ein Werk, das die amerikanische Literatur des späten zwanzigsten und frühen einundzwanzigsten Jahrhunderts entscheidend mitgeprägt hat, und eine Sprache, die persönliche Erinnerung mit kulturgeschichtlicher Analyse auf einzigartige Weise verknüpfte.

Anúncio
Anúncio

Lies diese und über 800 weitere Geschichten in der World in Stories App — kostenlos

Video-Geschichten, Shorts, Mysterien und „Was geschah heute“. Kostenlos laden, ohne Kreditkarte.

App kostenlos laden

iPhone, iPad & Android • PT, EN, ES, DE, FR

Related Stories