tragedias

Edith Frank-Holländer

Opfer des Holocaust, Mutter von Anne Frank (1900-1945)

6 min01/01/2024
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Edith Frank-Holländer wurde am 16. Januar 1900 in Aachen als jüngstes von vier Kindern des Kaufmanns Abraham Holländer und seiner Frau Rosa Stern geboren. Ihre Vorfahren hatten in den Niederlanden gelebt und waren um 1800 nach Deutschland übergesiedelt. Ihr Vater war ein prominentes Mitglied der jüdischen Gemeinde Aachens, und auch Edith selbst wurde religiös erzogen. Unter den wenigen Habseligkeiten, die sie 1942 in das Versteck mitnahm, befand sich ihr Gebetbuch. Die Familie Holländer war wohlhabend: Ediths Vater betrieb einen erfolgreichen Altmetallhandel.

Frank-Holländer besuchte die Evangelische Höhere Töchterschule in Aachen, die noch heute existierende Viktoriaschule, die sie 1916 mit dem Abitur abschloss. Nach dem Abitur arbeitete sie einige Jahre im Familienbetrieb, spielte Tennis mit Freundinnen und widmete sich dem Lesen. Am 12. Mai 1925 heiratete sie in der Aachener Synagoge den elf Jahre älteren Bankierssohn Otto Frank. Sie zog in sein Elternhaus am Frankfurter Beethovenplatz. Nach der Geburt der Tochter Margot 1926 bezog die Familie Mitte 1927 eine Mietwohnung am Frankfurter Marbachweg 307. 1929 kam die zweite Tochter Annelies Marie, genannt Anne, zur Welt.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 siedelte Frank-Holländer mit ihren Töchtern zunächst nach Aachen zu ihrer Familie über. Im Herbst 1933 folgte sie ihrem Mann nach Amsterdam, wo die Familie eine Wohnung auf dem Merwedeplein 37 bezog. Margot folgte im Dezember 1933, Anne im Februar 1934. Für Edith bedeutete die Emigration eine schwierige Eingewöhnung: Sie lebte getrennt von ihren in Deutschland verbliebenen Verwandten, in beengteren Verhältnissen, ohne die gewohnte Haushaltshilfe und ohne Kenntnisse der niederländischen Sprache. Einen Sprachkurs brach sie vorzeitig ab. Anne Frank erwähnte 1942 in ihrem Tagebuch, dass ihre Mutter noch immer furchtbares Niederländisch spreche.

Mit ihrer Tochter Margot besuchte Edith regelmäßig die liberale Synagoge Amsterdams. Gelegentlich unternahm die Familie Reisen, etwa im Dezember 1935 zu Verwandten von Otto Frank in die Schweiz. Im Sommer 1936 reiste Edith mit ihren Töchtern nach Sils Maria, und später im selben Jahr fuhr sie allein nach Frankfurt zu einer Freundin. Engen Kontakt hielt sie vor allem zu ihrer Mutter Rosa Holländer, die in Aachen geblieben war.

Bereits während der Novemberpogrome 1938 wurden Ediths Brüder Julius und Walter Holländer verhaftet. Julius wurde als Kriegsveteran kurze Zeit später freigelassen. Walter hingegen wurde in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert und im Dezember 1938 in die Niederlande ausgewiesen, wo er in einem Flüchtlingslager lebte. Erst im Dezember 1939 durfte er in die USA ausreisen. Julius gelang 1939 ebenfalls die Ausreise dorthin. Die Handelsgesellschaft B. Holländer wurde im Januar 1939 aufgelöst. Rosa Holländer durfte im März 1939 in die Niederlande ausreisen und lebte fortan im Haushalt ihrer Tochter. Sie starb am 29. Januar 1942 an Krebs und wurde auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde in Hoofddorp beigesetzt.

Im Mai 1940 besetzten deutsche Truppen die Niederlande. Die Besatzungsmacht führte schrittweise immer mehr antisemitische Gesetze ein. Otto Frank versuchte, die Ausreise der Familie in die USA zu organisieren, doch seine Bemühungen scheiterten. Als im Sommer 1942 die systematischen Deportationen von Juden aus den Niederlanden begannen, hatte Otto Frank bereits ein Versteck im Hinterhaus seines Bürogebäudes vorbereitet. Edith zog mit ihrer Familie in dieses enge Quartier, das zwei Jahre lang ihr Zuhause bleiben sollte.

Im August 1944 wurde das Versteck verraten und die Familie verhaftet. Edith Frank-Holländer wurde zunächst ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Als ihre Töchter Anne und Margot im Oktober 1944 nach Bergen-Belsen verlegt wurden, blieb Edith in Auschwitz zurück. Sie starb am 6. Januar 1945 im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, wenige Wochen vor der Befreiung durch die Rote Armee. Sie wurde 44 Jahre alt. Bekannt geblieben ist Edith Frank-Holländer vor allem als Mutter von Anne Frank, deren Tagebuch zu einem der meistgelesenen Zeugnisse des Holocaust wurde.

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