Diego de Almagro gehört zu jenen Gestalten der europäischen Expansion, deren Lebensweg von Dunkel und Entbehrung geprägt war, bevor er in die großen Abenteuer der Neuen Welt mündete. Er wurde um 1479 in der kastilischen Kleinstadt Almagro in La Mancha geboren, als unehelicher Sohn von Juan de Montenegro, dem Mundschenk des Großmeisters des Calatrava-Ordens, und einer Magd namens Elvira Gutiérrez. Die streng katholische Gesellschaft jener Zeit ließ für ein solches Kind kaum Platz: Die werdende Mutter wurde von ihrer Familie versteckt, der Junge heimlich zur Welt gebracht und bald einer Amme übergeben.
Die frühen Jahre des kleinen Diego verliefen zwischen verschiedenen Pflegepersonen und entfernten Verwandten. Zunächst lebte er bei einer gewissen Sancha López de Peral in Bolaños, später in Aldea del Rey. Mit vier oder fünf Jahren kam er zu seinem Onkel Hernán Gutiérrez, der einer alten christlichen Bauernfamilie entstammte. Doch der Onkel behandelte ihn schlecht, und als der Junge Zuflucht bei seiner eigenen Mutter suchte, wies diese ihn ab. Diese frühe Erfahrung der Ablehnung sollte den Charakter des Mannes prägen, der später zu einem der kühnsten Konquistadoren Amerikas werden würde.
Diego de Almagro blieb zeitlebens Analphabet. Mit ungefähr fünfzehn Jahren lief er davon, arbeitete vorübergehend für den Bürgermeister von Sevilla und vagabundierte nach einem unbekannten Zwischenfall durch die iberische Halbinsel. Erst im Jahr 1514 gelangte er nach Mittelamerika, wo er sich dem Zug des Konquistadors und Gouverneurs Pedrarias Dávila nach Darién anschloss, im heutigen Panama. Am 30. Juni 1514 betrat er erstmals diesen Boden.
In Darién verdingte er sich als Söldner unter verschiedenen Hauptleuten. Mit der Zeit erarbeitete er sich eine kleine Grundlage: Für seine Dienste erhielt er ein Stück Land als Lehen und einige Indigene zur Bewirtschaftung desselben. In diesen Jahren lernte er Francisco Pizarro kennen, den Soldaten, der zu seinem engsten Kameraden werden sollte, sowie den Kleriker Fernando de Luque. Das Trio bildete eine ungewöhnliche Allianz.
Am 15. August 1519 gründete Pedrarias Dávila Panama-Stadt und verteilte Anteile unter 400 Siedlern aus Darién, darunter Almagro, Pizarro und Luque. Gemeinsam bauten die drei Männer ein beachtliches Vermögen auf. Sie besaßen schließlich mehrere Goldminen, Farmen und Viehherden und galten als die drei reichsten Männer in Panama. Im Jahr 1520 wurde Almagro Vater eines unehelichen Sohnes, den er Diego nannte; die indianische Mutter namens Ana Martínez verschwand weitgehend aus den Aufzeichnungen. Später zeugte er noch eine Tochter mit einer anderen Frau, über die ebenfalls kaum Belege existieren.
Im Jahr 1522 drangen erste Gerüchte über ein sagenhaftes Königreich im Süden nach Panama vor: Biru sollte es heißen und zum Riesenreich der Inca gehören. Hernán Cortés hatte kurz zuvor das Aztekenreich in Mexiko unterworfen und riesige Schätze erbeutet. Dieser Erfolg war für das ehrgeizige Trio ein mächtiger Antrieb. Luque übernahm die Finanzierung, Pizarro und Almagro sollten das Reich in die Tat umsetzen. Am 14. November 1524 brach Almagro zur ersten Expedition nach Süden auf, gefolgt von einer zweiten und schließlich einer dritten.
Im Jahr 1536 schickte der inzwischen betagte Almagro einen Emissär in seine kastilische Heimat, um mehr über seine Familie und seine Herkunft zu erfahren. Dabei wurden Aussagen seiner Stiefschwester Leonor Celinos und seines Vetters Diego de Sevilla zu Protokoll genommen. Es war das einzige Mal, dass er ernsthaft versuchte, den Schleier über seinem Ursprung zu lüften. Die Wahrheit blieb bruchstückhaft.
Almagros Expedition nach Chile, die er 1535 anführte, gehört zu den härtesten Leistungen der Konquistazeit. Er durchquerte mit einem großen Heer die Atacamawüste und überquerte die Anden in eisiger Kälte. Die Expedition kostete viele Menschenleben und erbrachte keine Reichtümer. Desillusioniert kehrte er zurück und fand sich in einem immer bittereren Streit mit Pizarro wieder, der inzwischen Cuzco, die Hauptstadt des Inca-Reichs, kontrollierte.
Der Konflikt zwischen den einstigen Freunden eskalierte zum offenen Bürgerkrieg. Bei der Schlacht von Las Salinas am 26. April 1538 unterlag Almagros Heer dem Pizarros. Almagro selbst wurde gefangengenommen, vor ein Schnellgericht gestellt und zum Tod verurteilt. Am 8. Juli 1538 wurde Diego de Almagro in Cuzco, im Herzen des Landes, das er miterobert hatte, durch die Garrotte hingerichtet und sein Körper anschließend auf dem Hauptplatz enthauptet. Er war ungefähr 59 Jahre alt.
Das Schicksal Almagros blieb nicht ohne Nachwirkung. Sein Sohn Diego de Almagro el Mozo rächte den Vater wenige Jahre später, indem er an der Verschwörung beteiligt war, die zur Ermordung Francisco Pizarros im Jahr 1541 führte. Die Geschichte der beiden einst befreundeten Konquistadoren, die sich im Streit um Macht und Gold zerstörten, gilt als eines der tragischsten Kapitel der spanischen Conquista. Ein Mann, der als Findelkind begann und als Herr über Gold und Länder scheiterte, hinterließ einen Namen, der bis heute mit dem Drama der Entdeckungszeit verbunden ist.
