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Mozart Camargo Guarnieri

Brasilianischer Komponist

4 min01/01/2024
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Mozart Camargo Guarnieri zählt zu den bedeutendsten brasilianischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Sein Werk verbindet die Tradition der europäischen Kunstmusik mit den reichen und vielgestaltigen Klangwelten der brasilianischen Folklore – eine Synthese, die er mit Konsequenz und intellektueller Schärfe über ein langes Schaffensleben hinweg verfolgte.

Guarnieri wurde am 1. Februar 1907 in der Stadt Tietê im Bundesstaat São Paulo als Sohn eines italienischen Einwanderers geboren. Der Vater hatte seinen Sohn offenbar nach dem Vornamen des berühmten österreichischen Komponisten benannt – eine musikalische Verheißung, die das Kind einzulösen wusste. Den ersten Klavierunterricht erhielt er im Alter von zehn Jahren bei Virgínio Dias, einem lokalen Musiklehrer, der den Funken für die Musik in ihm entfachte.

1923 zog Guarnieri nach São Paulo, wo er das Conservatório Dramático e Musical besuchte. Dort setzte er seine Klavierausbildung bei Antônio de Sá Pereira und Ernani Braga fort und studierte Komposition und Dirigieren bei Lamberto Baldi. Die Stadt São Paulo war zu dieser Zeit ein kultureller Schmelztiegel im Aufbruch, ein Ort, an dem europäische Einwanderertraditionen und brasilianische Lebenswelten aufeinandertrafen.

Den entscheidenden Anstoß für die Richtung seines künstlerischen Weges gab 1928 die Begegnung mit Mário de Andrade, dem Schriftsteller, Kulturtheoretiker und Vordenker des brasilianischen Modernismus. De Andrade machte den jungen Guarnieri mit der brasilianischen Folklore vertraut – ihren Rhythmen, Melodien, regionalen Dialekten und dem kulturellen Gedächtnis der einfachen Bevölkerung. Diese Begegnung prägte Guarnieri tief und gab seiner Musik eine Wurzel, ohne die sie nicht zu verstehen ist.

1938 wurde Guarnieri für sein Werk Flor de Tremembé mit einer Studienreise nach Paris ausgezeichnet. Die Hauptstadt der europäischen Musikwelt empfing ihn als Ort reicher Auseinandersetzungen. Er studierte Kontrapunkt, Komposition und Musikästhetik bei Charles Koechlin, einem der gelehrtesten und vielseitigsten Theoretiker seiner Zeit, sowie Orchesterleitung bei Franz Rühlmann. Darüber hinaus war er Schüler von Nadia Boulanger, der legendären Lehrerin, die Generationen von Komponisten aus aller Welt geprägt hatte. Der Aufenthalt in Paris verfeinerte seine handwerkliche Beherrschung des Kompositionshandwerks, ohne seine Bindung an brasilianische Klangtraditionen zu lockern.

In den 1940er Jahren unternahm Guarnieri mehrere Reisen in die Vereinigten Staaten, wo er seine eigenen Werke aufführte und das internationale Publikum für die brasilianische Kunstmusik der Moderne zu gewinnen suchte. Doch der bedeutendste kulturpolitische Beitrag dieser Zeit war ein schriftlicher. 1950 veröffentlichte er die Carta Aberta aos Músicos e Críticos do Brasil – einen Offenen Brief an die Musiker und Kritiker Brasiliens. Darin setzte er sich kritisch und polemisch mit der Zwölftontechnik auseinander, die von Hans-Joachim Koellreutter und der Gruppe Musica viva in Brasilien propagiert wurde. Guarnieri sah in dieser aus Europa importierten Technik eine Bedrohung für die eigenständige Entwicklung einer brasilianischen Nationalmusik. Der Brief löste eine lebhafte und teils erbitterte Debatte in der brasilianischen Kulturszene aus, die weit über die Fachkreise hinaus Beachtung fand.

Guarnieri übernahm im Laufe seines Lebens mehrere institutionelle Aufgaben. Seit 1945 war er Mitglied der Academia Brasileira de Música. 1960 wurde er Direktor des Conservatório Dramático e Musical in São Paulo, der Institution, die einst seine eigene Ausbildung getragen hatte. Daneben lehrte er an der Universität von São Paulo und gründete dort 1975 das Hochschulorchester – ein konkreter Beitrag zur musikalischen Infrastruktur Brasiliens.

Zu seinen Schülern zählten bedeutende Komponisten wie Osvaldo Lacerda und Almeida Prado, die die Tradition ihrer Lehre weiterführten und ihrem Lehrer verpflichtet blieben. Guarnieri hinterließ damit nicht nur ein Werkverzeichnis, sondern eine Schule.

Sein kompositorisches Schaffen umfasste Werke aller Gattungen. Besonders bekannt ist das Werk Flor do Tremembé für Kammerorchester aus dem Jahr 1937, mit dem er den internationalen Durchbruch anstrebte, sowie die Composição n°1 für Violine und Orchester aus dem Jahr 1942. Hinzu kamen Kantaten wie Seca für Sopran, gemischten Chor und Orchester.

1992, ein Jahr vor seinem Tod, wurde Guarnieri von der Organisation Amerikanischer Staaten mit dem Gabriela-Mistral-Preis ausgezeichnet und erhielt den Titel eines Größten zeitgenössischen Komponisten der drei Amerikas. Am 13. Januar 1993 starb Mozart Camargo Guarnieri in São Paulo im Alter von 85 Jahren. Er hinterließ ein Werk, das die Verbindung zwischen europäischer Kunsttradition und brasilianischer Klangidentität wie kaum ein anderes verkörpert.

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